23 | 06 | 2024

   Die Berichterstattung in den Dresdner Nachrichten über Loschwitz beinhaltet äußerst umfangreich die Bedürfnisse der Bewohner nach einer Verkehrsanbindung an die Residenzstadt Dresden, Ideen zu Verkehrsprojekten und Diskussionen darüber, deren Verwerfung, konkrete Projekte und deren Verwirklichung, ergänzt um den Bau des Loschwitzer Wasserwerkes. Das ist ganz sicher nicht vollständig. Es ergänzt aber die Aktenlage zu einzelnen Projekten. Ich gebe diese hier wortgetreu wieder. Den Probebetrieb eines Dampfomnibus vom Waldschlößchen nach dem Weißer Hirsch habe ich in einem separaten Beitrag aufgeschrieben.

Überblick
   
1885 Brückenbauangelegenheit, Straße von Loschwitz nach Pillnitz
1886 Elbuferstraße, Brückenbauangelegenheit, Elbbrückenverband
1887 Brückenangelegenheit
1888 Brückenfrage
1889 Brückenprojekt, Elbuferstraße
1890 Brückenprojekt, Elbuferstraße, elektrische Straßenbahn, Luftseilbahn zwischen Blasewitz und Weißer Hirsch
1891 Brückenbau, Elektrizitätswerk, Projekt Drahtseilbahn
1892 Brückenbau, Projekt Drahtseilbahn, Projekt Eisenbahn nach Weißer Hirsch
1893 Brückenbau, Projekt und Genehmigung Drahtseilbahn
1894 Drahtseilbahnbau, Grundstraßenbahn, Rinnenkabelbahn Loschwitzgrund - Weißer Hirsch, Wasserwerksbau
1895 Drahtseilbahnbau, Projekt elektrische Straßenbahn Waldschlößchen-Weißer Hirsch-Bühlau, Weiterführung Drahtseilbahn nach Bühlau, Wasserwerksbau

1885
Brückenbauangelegenheit, Straße von Loschwitz nach Pillnitz

   Unter dem Vorsitz des Herrn Amtshauptmann von Metzsch fand am Mittwoch im Demnitz'schen Gasthofe zu Loschwitz eine Versammlung von Vertretern der bei dem B r ü ck e n b a u p r o j e k t  L o s ch w i t z - B l a s e w i tz interessirten Gemeinden und einer Anzahl Privatinteressenten statt. Der Herr Vorsitzende leitete die Verhandlungen mit einem längeren Vortrage ein. Er gab zunächst einen Ueberblick über den bisherigen Verlauf der Brückenbauangelegenheit und die damit in Zusammenhang stehenden Fragen (Verbreiterung der Loschwitz-Pillnitzer Straße, des Stadtweges, Ausführung des Hochuferprojektes Loschwitz-Dresden). Ohne die vielfachen Schwierigkeiten, die sich der Ausführung des Brückenprojektes entgegenstellen, zu verschweigen, kam der Herr Vortragende doch zu dem Schluß, daß die Brücke für den Verkehr der ganzen Gegend ein dringendes Bedürfniß sei, daß man deshalb in der Angelegenheit rasch und entschieden vorgehen und die dem Unternehmen günstige Stimmung der Regierung nicht unbenützt lassen möge. Für die von der Regierung in Aussicht gestellte, bedeutende Staatsbeihilfe sei derselben die Förderung des allgemeinen, volkswirthschaftlichen Interesses der Gegend ausschlaggebend gewesen. Auch der Bezirksausschuß bringt der Angelegenheit Sympathie entgegen und man dürfe von dieser Seite auf Uebernahme einer Zinsgarantie bez. auf Zuwendung mehrjähriger Beiträge aus den staatlichen Wegebauunterstützungsgeldern hoffen. An den klaren objektiv gehaltenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Debatte an, deren Redner sich ohne Ausnahme für das Projekt aussprachen. Die Mehrzahl der anwesenden Vertreter der Gemeinden und Gutsherrschaften meldeten sich sofort zum Beitritt zu einem zu bildenden Brückenbauverbande, die übrigen Vertreter stellten ihren Beitritt in Aussicht. Auch mehrere Privatpersonen stellten Uebernahme von Zinsgarantien in Aussicht. Die Anschlagssumme für den Bau beträgt 1,150,000 Mark, wozu die Regierung eine Beihilfe bis zu 400,000 Mark in Aussicht gestellt hat. Die demnach zu beschaffende Anleihe von 750,000 Mark mit 37,500 Mark Zinsen (inkl. Amortisation) und mit einem zu deckenden Ausfall an Zinsen von 6000 Mark jährlich würde sich nach den aufgestellten Berechnung vertheilen mit bez. 375,000 Mark, 18,750 Mark, 3000 Mark auf Loschwitz, 250,000 Mark, 12,500 Mark, 2000 Mark auf die übrigen rechtsufrigen und 125,000 Mark, 6250 Mark, 1000 Mark auf die linksufrigen Gemeinden. [DN 14.3.1885]

   Wegen der im Gange befindlichen Bauarbeiten auf der L o s ch w i tz - P i l l n i tz e r st r a ß e soll der Wagenverkehr auf derselben innerhalb der Flur Loschwitz möglichst eingeschränkt werden. Das Passiren der Strecke ist sowohl für die Fuhrwerke sehr beschwerlich, als für die Arbeiten hinderlich. Die Königliche Amtshauptmanschaft erläßt im Inseratentheile eine bezügliche Bekanntmachung. [DN 30.4.1885]
   Zu Vermeidung von Unglücksfällen sei das Publikum, welches den im Bau begriffenen L o s ch w i tz e r Straßentract passirt, darauf hingewiesen, daß dasselbe beim Vorbeigehen bei Steinschlägern das Gesicht möglichst abwendet. Bei Aufrechterhaltung des Verkehrs sind weitere Vorsichtsmaßregeln seitens der Bauausführung unmöglich. Warnungstafeln sind aufgestellt- [DN 10.5.1885]

   In der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e n b a u - A n g e l e g e n h e i t haben sich nunmehr die Gemeinden Blasewitz, Loschwitz, Weißer Hirsch, Bühlau, Hosterwitz, Niederpoyritz, Pillnitz, Rochwitz und Wachwitz zu einem Brückenverband konstituirt, bei der kgl. Amtshauptmannschaft Prüfung der eingereichten Statuten beantragt und gebeten, bei der Regierung sich dafür zu verwenden, daß dem Brückenbauverbande die nach dem Statut erforderlichen Privilegien ertheilt werden. Eine Beihilfe Seitens des Staates zum Brückenbau wird, da sie bereits in Aussicht gestellt wurde, als zuversichtlich angenommen. 750,000 Mk. aber nimmt man als die Summe an, die der Verband aufzubringen haben würde, was durch eine höchstens 5proz. Anleihe bewirkt werden soll. Die Verzinsung und bez. Amortisation soll durch das Brückengeld gedeckt werden, reicht dies etwa inden ersten Jahren nicht, so kommen die betheiligten Gemeinden nach bestimmten Prozentsätzen auf. Die Befürchtung einer Mehrbelastung der Gemeindehaushalte durch ein etwaiges Defizit ist zur Zeit nicht vorhanden, zumal auch dieses Defizit durch außerhalb des Brückenverbandes stehende Interessenten reduzirt wird. Freunde des Unternehmens haben übrigens freiwillig Garantien für etwaige finanzielle Ausfälle übernommen. Es ist nun abzuwarten, wie die Regierung sich schließlich noch zu der Sache stellt. [DN 30.7.1885]
   Zur Erbauung einer f e st e n  E l b b r ü ck e zwischen Blasewitz und Loschwitz wird das dem Landtag vorzulegende Staatsbudget einen Staatszuschuß von 400,000 Mk. fordern. In den betheiligten Kreisen hofft man jedoch, daß der Staat die Brücke überhaupt allein erbaut und das aufzuwendende Kapital durch Erhebung einer Brückenzollabgabe sich verzinsen läßt. [DN 10.10.1885]
   Bezüglich der zukünftigen Lage der E l b b r ü ck e zwischen Loschwitz und Blasewitz hat der Kgl. Wasserbaudirektor Schmidt bereits ein fertiges Projekt dem Behördlichen Gutachten unterbreitet, welches von der natürlichsten Lage der Situation ausgeht und die Ausmündung der Brücke auf Blasewitzer Seite auf den Schillerplatz verlegt. Es wird diese Idee wohl die meisten Stimmen für sich haben. Gleichwohl sollen auch noch Erwägungen darüber angestellt werden, ob nicht, wenn es die hydrotechnischen und strompolizeilichen Verhältnisse nicht ganz ausschließen, die Brücke weiter oberhalb, etwa bei der Dampfschiffstraße, anglegt werden könne. [DN 6.11.1885]

1886
Elbuferstraße, Brückenbauangelegenheit, Elbbrückenverband

   Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir vor 2 Jahren eine Mittheilung über die Petition von 33 Gemeindevorständen um Erbauung einer S t r a ß e auf dem r e ch t e n  E l b u f e r von Dresden bis Pillnitz gebracht haben und daß in Folge dieser Petition vom damaligen Landtage die Verbesserung bez. Verbreiterung der fiskalischen Straße von Loschwitz nach Pillnitz der Kgl. Staatsregierung empfohlen wurde, während hinsichtlich des Gesuches um den Bau einer Elbuferstraße zwischen Dresden und Loschwitz sowie eines Gesuches um Erbauung einer Elbbrücke zwischen Loschwitz und Blasewitz beschlossen wurde, dieselben zur Zeit auf sich beruhen zu lassen. Inzwischen ist nun die Verbesserung der Straße zwischen Loschwitz und Pillnitz theilweise zur Ausführung gebracht, das Projekt der Elbbrücke zwischen Loschwitz und Blasewitz aber von den betheiligten Gemeinden weiter erörtert, auch ein Staatszuschuß zu demselben in Höhe von 3 - 400,000 Mk. in Aussicht gestellt worden. Nachdem sich aber herausgestellt hat, daß ein solcher Zuschuß nicht reichen würde, vielmehr um das Doppelte erhöht werden müßte, um den betheiligten Landgemeinden die Ausführung der Brücke zu ermöglichen, eine derartige Erhöhung aber aus Rücksicht auf die übrigen Landestheile kaum bewilligt werden kann, so tritt die Frage wieder in den Vordergrund, ob der Staatsfiskus nicht vielmehr seine Wegebaupflicht dadurch erfülle, daß er die schon vor länger als 10 Jahren seitens der Staatstechniker beifällig begutachtete und mit etwa 300,000 Mk. veranschlagte Straße am Elbufer zwischen Dresden und Loschwitz endlich zur Ausführung bringe. Wir glauben, daß dies die naturgemäße und verhältnißmäßig billigste Lösung der Frage sein würde und hoffen, daß nun ohne weiteren Aufschub dem wahrhaft dringenden Bedürfnisse sowie dem offenbaren Uebelstande des Loschwitzer Hohlweges abgeholfen werde und wollen noch daran erinnern, daß auch seitens des hiesigen Stadtrathes diesem Projekte Empfehlung zugesichert worden ist, und daß namentlich der Bezirksverein rechts der Elbe sich auf das Wärmste für dieses Projekt verwendet hat. Wenn der seither für den Loschwitzer Brückenbau in Aussicht gestellte Stattszuschuß verwendet wird, um die gedachte Straße auszuführen, so wird von den betheiligten beiden Gemeinden verhältnißmäßig nur wenig beizutragen und die Opfer der adjacirenden Grundstücksbesitzer werden nur gering sein. Daß aber durch Herstellung dieser Straße, welche ja auch bald zum Betriebe einer elektrischen Bahn benutzt werden würde, die vielfachen Uebelstände des jetzigen Weges am rechten Elbufer beseitigt und die landschaftliche Schönheit des Letzteren nicht nur nicht geschädigt, sondern wesentlich erhöht werden wird, das zeigt ein in unserer Expedition zu Jedermanns Ansicht niedergelegtes Bild, in welchem die künftige rechte Elbuferstraße veranschaulicht ist. [DN 21.2.1886]
   Wir erfahren soeben, daß die am nächsten Freitag Abend in Hollack's Saal stattfindende Hauptversammlung des Bezirksvereins Dresden rechts der Elbe sich wiederum mit dem Projekt der Erbauung einer S t r a ß e auf dem r e ch t en  E l b u f e r von Dresden nach Pillnitz beschäftigen wird; auch soll die "Elektrizitäts-Maatschapij" in Rotterdam für die Benutzung dieser Straße unter Anwendung von Accumulatoren nach dem System Rhotinsky interessiren, welches in Deutschland patentirt ist, den Betrieb wesentlich vereinfacht und sicherstellt, auch die Betriebskosten ganz bedeutend verringert, bei der Anwendung für elektrische Bahnen aber den Vorzug hat, daß es keiner besonderen Anlage bedarf, sondern den Betrieb auf blosem Pflaster ermöglicht. [DN 28.2.1886]
   Das Bild, welches die künftige Straße auf dem r e ch t e n  E l b u f e r veranschaulicht, wird nunmehr im Buchhandel erscheinen; dasselbe ist für 1 Mk. bei Herrn Buchhändler Weise im Palais Gutenberg zu haben. [DN 5.3.1886]

   Der O r t s v e r e i n  z u  L o s ch w i tz hielt vorgestern unter Vorsitz des Herrn Schnorr v. Carolsfeld eine Hauptversammlung ab, in welcher Herr Chemiker O. Schluttig über das Loschwitz-Blasewitzer B r ü ck e n p r o j e k t einen Vortrag hielt. Davon ausgehend, daß der im Oktober 1882 gebildete Ortsverein zu Loschwitz sich vom Beginn an die Realisirung des Loschwitz-Blasewitzer Brückenprojekts zur Hauptaufgabe gemacht habe, legte der Herr Vortragende dar, welche Phasen das Projekt während der letztverflossenen Jahre durchzumachen hatte. Diese Ausführungen gipfelten darin, daß, nachdem dank der Kgl. Staatsregierung und dank der dem Brückenverbande beigetretenen Gemeinden die finanzielle Seite des Unternehmens der Hauptsache nach bereits gesichert sei, numehr auch die technischen Vorarbeiten des kgl. Wasserbaudirektor Schmidt binnen Kurzem beendet sein würden, worauf dann die definitiven Entschließungen zu folgen hätten. Während der sich anschließenden Diskussion wurde aus der Mitte der Versammlung mehrfach das Bedenken laut, ob die seiten der Brückenkommission beschlossene Trace: Loschwitzer Schule-Blasewitzer Dampfschiffstraße sich als den Verhältnissen der beiden Uferorte entsprechend erweisen werde und ob nicht ein Zurückgreifen auf die ursprüngliche Linie: Loschwitzer Dampfschifflandestelle-Blasewitzer Schillerplatz vorzuziehen sein. Der Herr Vorsitzende führte jedoch aus, daß die Schillerplatzlinie rücksichtlich der hohen Forderungen der adjacirenden Grundstücksbesitzer in Blasewitz gegen die neuerdings beschlossene Linie einen Mehraufwand von ca. 300,00 Mk. erfordern würde, daß also lediglich aus finanziellen Gründen das alte Projekt hintangesetzt worden sei. Immerhin wäre ja ein Zurückgreifen auf dasselbe nicht ausgeschlossen, sofern sich nämlich die Hoffnung auf eine entsprechende Erhöhung der dem Unternehmen in Aussicht gestellten Staatsbeihilfe realisiren sollte. [DN 23.3.1886]

   Die L o s ch w i tz - P i l l n i tz e r Straße ist in den Fluren von Wachwitz und Niederpoyritz infolge der dortigen Bauarbeiten zur Zeit so schwer passirbar, daß die Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt im Interesse des Fahrverkehres selbst anheim giebt, denselben bis auf Weiteres thunlichst einzuschränken. [DN 7.4.1886]

   L o s ch w i tz. Bezüglich des Brücken-Projektes Blasewitz-Loschwitz neigt man sich jetzt auch in Loschwitz mehr und mehr der Linie Schillerplatz-Fährstraße zu und dürfte in nächster Zeit ein definitiver Beschluß zu erwarten sein. Auch in der Dampfbahn-Angelegenheit Waldschlößchen-Weißer Hirsch sind in letzter Zeit wieder Schritte gethan worden, und da die Pferbahndirektion in neuerer Zeit lebhaftes Interesse für diese Bahn zeigt, so dürfte auch dieses Projekt in Bälde seiner Verwirklichung entgegensehen. [DN 6.7.1886]

   L o s ch w i tz. Bezugnehmend auf eine von den "Nachrichten" gebrachte Notiz, daß das Dresdner Wasserwerk wohl in kurzer Zeit sein Rohrnetz auch bis in Dresdens Vororte ausbreiten werde, wäre es sehr zu wünschen, daß auch Loschwitz darin mit inbegriffen sei. Wohl hat Loschwitz ein eigenes Wasserwerk, aber mit so eigenthümlichen Prinzipien geleitet, daß es wahres Aufathmen aus schwerer Bedrängniß sein würde, ein ganz andere Sicherheiten und Bedingungen bietendes Werk sich unseres Ortes annehmen zu sehen. Wir würden gern noch mehr als die in Aussicht gestellten 25 Pfg. pro Kubikmeter zahlen (zahlen wir doch jetzt 50 Pfg. pro Kubikmtr. und dann noch 20 Mk. jährlich für die Kontrole unserer Wassermesser, welche naturgemäß nur dem Werke zukäme; demgemäß kommt bei einem Wasserverbrauch von 60 Kubikmtr. jährlich, wie er in einem gewöhnlichen Haushalt vorkommt, die Wasserrechnung auf die enorme Höhe von Wasser 30 Mk., Kontrole 20 Mk. Summa 50 Mk. ergo 1 Kubikmtr. 83,3 Pfg., also 12 Liter ca. 1 Pfg.). Ja, Wasser ist eine Gottesgabe, die uns sehr theuer zu stehen kommt! Und bei alledem giebt das Loschwitzer Werk durchaus keine Garantie seines ferneren Bestehens, alle kostspieligen Anlagen, Anschlußrechte (mit 300 Mk. zu erkaufen) und sonstige Schwierigkeiten, deren Summe oft in die Tausend geht, können dem Grundstücksbesitzer im nächsten Jahr verlorenes Geld sein, und er wörtlich im Trockenen sitzen. [DN 11.7.1886]

   Das müßte eigentlich eine außergewöhnlich lange Brücke werden, die B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  B r ü ck e, denn wie lange schon wird von derselben --- gesprochen und über dieselbe verhandelt. Leider rückt die Angelegenheit nur sehr langsam vorwärts, und in der Hauptsache, d. h. bezüglich des Geldpunktes, giebt es zur Zeit auch noch keinen feststehenden Grund. In der letzten Zeit haben sich die Ansichten in den Gemeinderäthen dahin geeinigt, die Brücke vom Blasewitzer Schillerplatz aus hinüber nach Loschwitz zu führen, und zwar als versteifte Kettenbrücke. Dem von Herrn Wasserbaudirektor Schmidt höchst rationell entworfenen Bauprogramm ist eine solche zu Grunde gelegt, und dieses Programm hat die allseitige Zustimmung gefunden. Die Führung der Brücke vom Schillerplatz aus macht in Loschwitz allerdings mehr Straßenbauten nöthig, als wenn man die Brücke, wie anfänglich der überwiegende Wunsch war, vom Dampfschiffbauplatz aus hinüber führte; indessen sollen sich die Kosten dadurch doch nicht sehr wesentlich erhöhen, und - verkehrsgerechter ist das Projekt zweifellos. [DN 14.7.1886]
   Ueber die L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r Brückenbau-Angelegenheit wird demnächst ein Bericht veröffentlicht werden, der, von berufener Hand verfaßt, Alles zusammenfassen wird, was zu dieser Frage, an welcher pekuniär nicht weniger als acht Gemeinden spezielles Interesse haben, gehört. Jedenfalls ist inzwischen ein endgültiger Plan gefaßt worden und bereits im nächsten Frühjahre soll sogar schon --- wie wenigstens in dem engeren Kreise der Unterrichteten verlautet --- mit der Ausführung begonnen werden. [DN 12.9.1886]
   Der bereits angekündigte Bericht der Kommission des L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e n v e r b a n d e s ist nunmehr erschienen und giebt allen Interessenten die detaillirtesten Aufklärungen über den Stand der Frage. Aus den vielen bemerkenswerthen Auslassungen desselben können wir hier nur einige Punkte hervorheben, und zwar bringen zunächst die Statuten des Elbbrückenverbandes folgende interessante Daten. Die Gemeinden Blasewitz, Bühlau, Hosterwitz, Loschwitz, Niederpoyritz, Pillnitz, Rochwitz, Wachwitz und Weißer Hirsch, sowie der selbständige Gutsbezirk des Kanzleigutes Weißer Hirsch bilden einen Verband zum Zwecke der Erbauung und Erhaltung einer stabilen Brücke über die Elbe zwischen Loschwitz und Blasewitz, sowie zur Verzinsung des Bauaufwandes unter dem Namen Loschwitz-Blasewitzer Elbbrückenverband. Der zur Brückenanlage nöthige Fond, soweit derselbe nicht durch die in Aussicht gestellte Beihilfe aus Staatsmitteln gedeckt wird, soll durch Creirung einer Anleihe in der Weise beschafft werden, daß das aufzunehmende Kapital mit jährlich höchstens 5 Proz. verzinst und amortisirt wird. Für dasselbe, seine Verzinsung, Amortisation haben, soweit hierzu der Nettobeitrag der Brückengeldeinnahme nach Abzug des Unterhaltungs- und Verwaltungsaufwandes nicht hinreicht, die betheiligten Gemeinden in folgendem Verhältniß aufzukommen: Loschwitz 60 Proz., Blasewitz 15, Hosterwitz und Wachwitz je 6, Niederpoyritz 5, Bühlau 3, Weißer Hirsch 2, Pillnitz, Rochwitz und Gutsbezirk Weißer Hirsch je 1 Proz.. Die Angelegenheiten des Brückenverbandes werden besorgt a) von dem Ausschuß, b) von dem Direktorium. Der Ausschuß besteht aus 12 Mitgliedern, von denen der Gemeinderath zu Loschwitz 3, der zu Blasewitz 2 und die übrigen Mitglieder je einen zu wählen haben. Nach erfolgter Herstellung der Brücke wird der nach Abzug aller Unterhaltungskosten sich ergebende Reinbetrag zur Zahlung der Zinsen und Amortisationsrate für die Anleihe verwendet. Reicht der Reinertrag hierzu nicht zu, so ist der Fehlbetrag von den betheiligten Gemeinden nach Maßgabe es eben angeführten Quotalverhältnisses zu ergänzen. In derselben Weise partizipiren dieselben an den Ueberschüssen. Durch das von der Regierung dem Brückenvereine zu verleihende und von diesem auf vorläufig mindestens 60 Jahre erbetene Privilegium werden demselben während der ganzen Dauer der Privilegienzeit nebst den Rechten einer Korporation zugestanden a) das Recht der tarifmäßigen Gebührenerhebung, b) der Schutz, daß während der Dauer des Privilegiums zwischen dem Uebergange der Dresden-Lohmener Straße bei Pillnitz und der Dresden-Loschwitzer Flurgrenze keine andere stabile Brücke für gleiche Verkehrszwecke gebaut werden darf. Der Brückengeldtarif dürfte in der Hauptsache dem jetzigen Fährentarif gleichlauten. Nach den bisher angestellten Erörterungen war ein Gesammtaufwand von 1 Mill. 150,000 Mk. als ausreichend anzunehmen, sodaß nach Abzug von 400,000 Mk. Staatsbeihilfe noch ein Kapital von 750,000 Mk. zu beschaffen wäre. Der Bericht giebt hierauf Aufschluß über die verschiedenen Phasen, die das Brückenbauprojekt bez. der Ortsfrage bisher aufzuweisen hat. Von straßenbautechnischen Standpunkte hatte die Kommission dem Schillerplatzprojekt den Vorzug gegeben, weil hierbei nicht nur den Interessen des Lokal-, sondern auch den des weiteren Verkehrs am besten genügt wäre. Da jedoch dieses Projekt den Kostenanschlag am bedeutendsten überschreiten würde, ließ man dasselbe zunächst aus finanziellen Gründen fallen und nahm die Linie von der Dampfschiffstraße in Blasewitz nach der alten Schule in Loschwitz an, trotz der Gegenvorstellungen des Blasewitzer Gemeinderathes. Aus einem der Kommission am 2. Juli d. J. zugegangenen Bericht der Wasserbaudirektion ging jedoch hervor, daß das zurückgestellte Projekt "Schillerplatz" die Sympathie des Finanzministeriums mehr noch für sich habe, als das nunmehr ausgearbeitete. Die Kommission beschloß daher, wieder zu der Linie "Schillerplatz" zurückzugreifen und nunmehr ohne allen Verzug die Detailverarbeitung des Projektes behufs Erlangung eines genauen Kostenanschlags zu bestellen. Zur Herstellung des auf den Eisenoberbau der Brücke bezüglichen Kostenanschlags hat sich bereits die "Königin Marienhütte" bereit erklärt, desgleichen arbeitet Herr Civilingenieur Kitzler in Dresden an Vor- und Unterlagen zur Ausführung eines zweckentsprechenden Projektes. Weiter bearbeitet die Firma Felten und Guilleaume in Mühlheim das Projekt einer versteiften Drahtkabelbrücke. Die bestellten Arbeiten werden noch einen Zeitraum von 5 Monaten in Anspruch nehmen. [DN 29.9.1886]
   Von L o s ch w i tz kommt uns folgende Zuschrift: In Bezug auf die projektirte Brücke zwischen hier und Blasewitz werden von Seiten der Brückenkommission die nöthigen finanziellen Erhebungen zur Feststellung des Gesammtbetrages einer nach dem Schillerplatz führenden Brücke vorgenommen und die Veröffentlichung des Endresultates in Aussicht gestellt. Mit Spannung sieht man hier derselben entgegen. Im allgemeinen Wunsche liegt es, daß bei Aufzählung der Gesammtkosten nicht allem die Kosten für Brücke und Zugangsstraßen aufgeführt, sondern auch eine spezielle Aufstellung sämmlicher anzukaufender Grundstücke nebst Kaufsumme gegeben werden möchte. Letzterer würde von allen hiesigen und Blasewitzer Grundbesitzern mit ganz besonderem Interesse entgegengenommen werden, insofern als ihnen damit betreffs der Tagespreise der Grundstücke ein gewisser Anhalt geboten werden würde. [DN 29.10.1886]

1887
Brückenfrage

   Während der Osterfeiertage war der Verkehr zwischen B l a s e w i tz  u n d  L o s ch w i tz so groß, daß die Dampffähre das Uebersetzen der Passagiere allein nicht mehr bewältigen konnte und das Dampfschiff "Pirna" mit zum Fährdienst gezogen werden mußte. Wie soll das nun erst an den Pfingstfeiertagen werden, wo die im frischen Grün prangende Natur noch mehr Menschen in ihre weitgeöffneten Arme zieht! Das Bedürfniß einer Brücke macht sich eben immer fühlbarer und es liegt wirklich im Interesse nicht nur der Blasewitzer und Loschwitzer Einwohner, sondern hunderttausend anderer Menschen, daß die Brückenbau-Angelegenheit etwas mehr in Fluß kommt als bisher. [DN 14.4.1887]

1888
Brückenfrage

   Morgen Nachm. 4 Uhr wird Herr Landtagsabgeordneter Philipp im Gasthofe zu Nieder-Poyritz in öffentlicher Versammlung über die an den Landtag eingegangene Petitionen, L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e und rechte Uferstraße betreffend, sprechen. [DN 21.1.1888]
   Im Gasthofe zu Niederpoyritz tagte vorgestern Nachmittag unter Vorsitz des Herrn Gemeindevorstand Strauß-Loschwitz eine öffentliche Versammlung, in welcher Herr Landtagsabg. P h i l i p p das Referat über die Frage der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e übernommen hatte. Außer dem Genannten wohnten noch die Herren Landtagsabgg. Bartholomäus und Bramsch und Stadtrath Lingke der Versammlung bei. Neben der erwähnten Frage erörterte Herr Abg. Philipp in längerer Rede gleichzeitig das Projekt der Uferstraße Loschwitz-Dresden und betonte namentlich, daß nur die Ausführung eines der beiden Projecte im Bereich der Möglichkeit läge. Nach sachverständiger Beurtheilung würden die Kosten für die Brücke ca. 2 1/2 Mill. Mark betragen, während sich die der Uferstraße auf nur ca. 400,000 Mk. stellten. Namentlich erschien ihm, Redner, bezüglich des Brückenprojectes die Beantwortung der 3 Fragen von Wichtigkeit: Welche Summen die Brücken-Verbandscommission aufbringen wollte? Welche Summe sie vom Landtag verlange? Ob die Gemeindevorstände für die Lasten, welche sie den Gemeinden aufbürgen wollten, die Genehmigung der Aufsichtsbehörde haben? Gemeindevorstand Strauß bemerkt, daß sich die Kosten der Brücke nach dem Anschlage der "Marienhütte" auf 1,700,000 Mk., nach dem der "Karlshütte" (bei einer etwas größeren Fuhrweite) auf ca. 2,050,000 Mk. beliefen. Nach den Beschlüssen der Brücken-Verbandscommission sollten sich die betr. Gemeinden zu einer Beisteuer von 700,000 Mk. verstehen, während vom Staat ein Zuschuß von 1 Mill. Mark erbeten werden soll. Herr Stadtrath Lingke erklärt sich namentlich aus Rücksicht auf die geringeren Kosten für die Erbauung der Uferstraße. Auf eine Anfrage des Herrn Abg. Bramsch erwiedert er, daß er als Vertreter der Stadt keine Erklärung abgeben könne. Fabrikbesitzer Schnorr v. Carolsfeld tritt warm für das Brückenbauproject ein und führt aus, daß der Bau für 1,700,000 Mk. herzustellen sei. Namentlich weist er auch darauf hin, daß die Straße, da sich der Verkehr immer nach dem Mittelpunkt der Altstadt bewegen wollte, ein zu wesentlicher Umweg sein würde. Ein Herr Kayser-Striesen tritt ebenfalls für das Brückenproject ein. Herr Landtagsabg. Bartholomäus erkennt die größeren Vorzüge einer Brücke an, meint aber, daß die Uferstraße die natürlichere Verbindung mit Dresden bilde, besonders auch weil in Zukunft eine größere Anzahl Staatsgebäude in Neustadt-Dresden liegen werde. Nachdem sich nochmals Herr Schnorr v. Carolsfeld an der Debatte betheiligt, beantragt Herr Gemeindevorstand Strauß, einer Erklärung der Vertreter der Brückenbau-Commission zuzustimmen dahin gehend: Die Vertreter der Commission lassen sich von ihrem Bestreben zur Erreichung der Brücke nicht abbringen und werden sich keineswegs der Petition behufs Erlangung der Uferstraße anschließen. Die Versammlung, welche theilweise einen sehr lebhaften Verlauf genommen hatte, gab diesem Antrag Folge. [DN 24.1.1888]
   Daß die L o s ch w i tz e r - B r ü ck e n f r a g e selbst in Loschwitz und den anderen interessirten Dörfern verschiedentlich beurtheilt wird, erhellt u. A. daraus, daß aus Loschwitz selbst, sowie aus Pillnitz, in den letzten Tagen Petitionen an den Landtag gekommen sind, welche für den Bau der Hochuferstraße eintreten. [DN 28.1.1888]
   Mit Bezug auf die von Herrn Gemeindevorstand Strauß-Blasewitz in der Versammlung am 22. Januar in Niederpoyritz gemachten Zahlenangaben in den Kostenanschlägen für das Brückenbauprojekt L o s ch w i tz - B l a s e w i tz werden wir von bestunterrichteter Seite auf einige hierin unterlaufene Irrthümer aufmerksam gemacht. Die beiden Projekte sind nach dem vom königl. Ministerium hierfür entworfenen Programm von der Königin Marienhütte und von dem Karlswerke (Mühlheim am Rhein) gegen Ende Oktober v. J. fertiggestellt und mit vielen Plänen und ausführlichen Gewichts- und Stabilitätsberechnungen an die Vorstände der Brücken-Verbandkommission abgeliefert worden. Nach diesen Eingaben der beiden sich bewerbenden Etablissements bezifferte sich der Kostenanschlag der Karlshütte auf 590,000 Mark, wohingegen derjenige der Marienhütte sich auf 940,000 Mk. stellt. Die Fahrbahn nach dem Projekte des Karlswerkes würde sich auf 7 Mtr. stellen, wovon allerdings 0,6 Meter durch die zwischen der Fahrbahn und den beiderseitigen Fußwegen aufgehängten brustwehrhohen Längsversteifungsträger stellenweise für den Fahrverkehr abgehen; immerhin aber würden die Fußwege eine Breite von 2 Metern erhalten und würde sich die unbeschränkt nutzbare Verkehrsbreite auf 10,4 Meter stellen, d. i. nahezu die Breite der Dresdner Augustusbrücke. Die Ausführung nach dem Projekte der Marienhütte, deren Kostenanschlag sich um 350,000 Mk. höherstellt, würde eine Verkehrsbreite von 11 Metern bieten. Die steinernen Unterbauten für beide Projekte - zwei an den beiderseitigen Ufern zu fundirende Stützpfeiler, zwei Verankerungspfeilerkammern und ein anschließender Inundationsviadukt auf 6 Wölbbögen von je 10 Mtr. l. Weite - sind zwar in ihrer Detailprojektirung nicht ganz gleich, werden aber nahezu den gleichen Kostenaufwand erheischen. Die Gesammtkosten nach dem einen oder anderen Projekte (mit Einlösung aller erforderlichen Grundstücke und Gebäude) mögen sich schließlich allerdings auf 1,700,000, beziehungsweise 2,050,000 Mark stellen. [DN 3.2.1888]
   Bezüglich der L o s ch w i tz e r  B r ü ck e n f r a g e, welche nächstens in der 2. Kammer zur Verhandlung kommt, greift die Ansicht immer mehr Platz unter den Abgeordneten, daß, wenn es nothwendig und wünschenswerth erscheine, dem Brückenbaue vor dem Baue der Hochuferstraße die Superiorität zuzuerkennen, es räthlich sein würde, den Bau der Brücke in Regie des Staates auszuführen und den betheiligten adjacirenden Gemeinden nur aufzugeben, ihre materielle Betheiligung durch eine Aversionalsumme zu dokumentiren. [DN 22.2.1888]
   Gegenwärtig sind die Pläne für den Bau einer L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e vom Regierungsbaumeister C. Schwind verfaßt, in photo-lithographischer Verkleinerung in der Hofbuchhandlung von Burdach, Schloßstraße, und in der Buchhandlung von Knecht am Bismarckplatz auf kurze Zeit zur Ansicht ausgehängt. [DN 26.2.1888]
   Der soeben erschienene Bericht der Finanzdeputation B der 2. Kammer (Berichterstatter Härtig) über die Straßen- und Brückenbaupetitionen bringt endlich einige Klarheit in das Schicksal der L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e. In diesem Bericht heißt es: Die Regierung erklärt, daß sie nach wie vor die Herstellung der Elbbrücke zwischen Loschwitz und Blasewitz für den einzig richtigen Ausweg halte, das vorhandene Bedürfniß einer besseren Verbindung zwischen Loschwitz und den im Pillnitzer Becken gelegenen Ortschaften einerseits und Blasewitz und Dresden andererseits dauernd zu befriedigen, zu den Nachtheilen, welche eine Uferstraße haben werde, sei insbesondere zu rechnen, daß sie bei Hochwasser unfahrbar werde; bei einem Hochwasser wie im Jahre 1876 werde diese Unfahrbarkeit wenigstens 26 Tage andauern; die Nothwendigkeit, die Straße zu pflastern, und der bekannte Elbzug, insbesondere bei Ostwind, welchem die Straße auf ihrer ganzen Ausdehnung ausgesetzt sein würde, sowie die Unmöglichkeit der Anpflanzung von Straßenbäumen würde den Verkehr auf der Uferstraße nicht angenehm machen. Die Entfernungsverhältnisse würden bei Herstellung der Brücke fast durchgängig günstiger, nur für die Bautzner Straße würde ein kleiner Umweg entstehen, während bei Herstellung der Uferstraße der Umweg nach der Altstadt 1 bis 1,5 Kilometer betragen würde. Die sehr anwachsenden Orte Striesen und Blasewitz bedürften besonderer Berücksichtigung. In Rücksicht auf diesen Brückenbau habe man bereits in der letzten Etatperiode das Transitorium von 200,000 Mk. gemeinjährig eingestellt, ebenso sei dies in gegenwärtiger Periode geschehen und man beabsichtige dies eventuell auch in der nächsten Finanzperiode zu thun. Der Beitrag von 400,000 Mk., welchen man dem Brückenverband in Aussicht gestellt habe, werde nach den angestellten Erörterungen nicht genügen, man werde einen Beitrag von einer Million bis 1,200,000 Mk. in Aussicht nehmen müssen. Jetzt lägen zwei Projekte zur Prüfung vor, das eine mit ca. 6 Meter Fahrbahnbreite, excl. Fußwege, das andere mit 8 Meter breiter Fahrbahn; ersteres solle 1,800,000 Mk., letzteres 2,200,000 Mk. kosten, doch sei die Prüfung dieser Projekte noch nicht beendet und es werde sich wohl noch etwas sparen lassen. Die Bauausführung auf den Staat allein zu übernehmen, falle bedenklich, da immerhin die Brücke ganz wesentlich den betheiligten Gemeinden zu Gute komme, und es sich daher empfehle, daß die letzteren erheblich zu den Unkosten herangezogen würden. Die Deputation verschloß sich den Gründen nicht, die für Herstellung der Brücke und für ihre Bevorzugung vor der Uferstraße sprechen, sie mußte jedoch als unerläßlich bezeichnen, daß der Brückenverband den in Aussicht gestellten Beitrag von 750,000 Mk. auch thatsächlich aufbringt, sowie daß das dem Brückenverband zuzugestehende Recht auf Erhebung von Brückengeld nicht zu hoch festgestellt werden darf. Nicht minder muß das Eigenthumsrecht an der Brücke von der Beendigung des Rechts des Brückenverbandes auf Erhebung von Brückengeld ab dem Fiscus gesichert werden, wie auch die Last der Brückenunterhaltung dem Brückenverbande nicht abgenommen werden kann, so lange als er Brückengeld erhebt. Unter diesen Voraussetzungen beantragt die Deputation; die Kammer wolle die auf Herstellung einer Brücke über die Elbe zwischen Loschwitz und Blasewitz gerichtete Petition, soweit sie nicht die Errichtung "völlig aus Staatsmitteln" erstrebt, der Regierung zur Erwägung überweisen, dahingegen die auf Erbauung einer Straße am rechten Elbufer von Loschwitz nach Dresden gerichteten Petition auf sich beruhen lassen [DN 8.3.1888]
   Die Finanz-Dep. der 1. Kammer hat den Hoffnungen der Loschwitzer Einwohnerschaft bez. des Baues einer E l b b r ü ck e einen Dämpfer aufgesetzt, indem sie beantragt, die bez. Petition, soweit sie die Errichtung der Brücke "völlig aus Stattsmitteln" erstrebt, auf sich beruhen zu lassen, im Uebrigen aber der Regierung nur zur Kenntnisnahme zu übergeben, während die 2. Kammer Uebergabe zur Erwägung beschlossen hat. [DN 22.3.1888]
   Für die Finanzirung des Loschwitz - Blasewitzer E l b b r ü ck e n - U n t e r n e h m e n s sind Statuten aufgestellt worden, deren Hauptpunkte etwas folgende sind: Es wird der Bau einer Gußstahl-Draht-Kabelbrücke mit Versteifungsbalken nach einem Entwurf des Regierungs-Baumeisters Schwend in's Auge gefaßt. Das Anlagecapital wird auf 1,350,000 Mk. berechnet. die Beschaffung desselben hat zu erfolgen 1) durch Beitragsleistungen seitens der durch den Brückenverband vertretenen Ufergemeinden im Betrage von 750,000 Mk. 2) durch Beitragsleistungen des Königl. Straßen- und Wasserbaufiscus bis zur Höhe von 450,000 Mk. und 3) durch Beitragsleistungen aus dem Dispositionsfonds der Hauptstaatscasse in Höhe bis zu 150,000 Mk.. Der unter 1) aufgeführten Vertragsleistung wird eine Verzinsung bis zu 4 Prozent zugesichert. Die unter 3) gedachte Beitragsleistung genießt nach Befriedigung des eben erwähnten Anspruches den Ueberschuß der Reinerträgnisse bis zur Höhe von 3 Prozent und ein dann noch verbleibender Rest wird auf die unter 2) aufgeführte Leistung bis zur Höhe von gleichfalls 3 Prozent vertheilt. Hiernach würden zur Verzinsung 48,000 Mk. erforderlich sein, während die Unterhaltungskosten der Brücke auf 12,000 Mk. berechnet werden. Angestellte Berechnungen haben gezeigt, daß die Einnahme aus dem Brückengeld etc. diese Ausgaben reichlich decken wird. Bei Zerstörungen, die die Brücke im Kriege zu erleiden haben könnte, bleibt es alleinige Aufgabe des sächs. Staates, für baldige Wiederherstellung derselben auf seine Kosten besorgt zu sein. Als Dauer der Brücken-Concession werden 90 Jahre angenommen. [DN 19.4.1888]

1889
Brückenprojekt, Elbuferstraße

   Die Bohrarbeiten zur B l a s e w i tz e r  B r ü ck e werden trotz der Ungunst des Wetters ohne Unterbrechung fortgesetzt und zwar jetzt auf Loschwitzer Seite. Es ist das der Anfang zur Verwirklichung ebenso sehnsüchtiger als berechtigter Wünsche und Hoffnungen. [DN 12.2.1889]
   Mit der L o s ch w i tz e r  B r ü ck e scheint es, wie man aus so manchen darauf bezüglichen Vorgängen und nach verläßlichen Mittheilungen schließen kann, doch nun Ernst zu werden. Seit 25 Jahren sind die Bestrebungen der nächstliegenden Gemeinden auf Verwirklichung dieses Projektes gerichtet. Erfüllt sich dieser Wunsch, dann erst werden Loschwitz und Pillnitz wirklich concurrenzfähig mit den hervorragendsten Gegenden der Welt. An Grundbesitz, der noch zu haben ist und an Wohnungen fehlt es dort nicht und die Preise sind nachweislich niedriger als anderweit. Benutze Jedermann die gegenwärtigen schönen Tage der erwachenden Natur und die unvergleichliche Baumblüthe, sich den ununterbrochenen Garten von Loschwitz und Pillnitz anzusehen. [DN 4.5.1889]
   In der letzten Sitzung des Gemeinderaths von Blasewitz wurde bezüglich der Erbauung einer B r ü ck e zwischen B l a s e w i tz und L o s ch w i tz wieder ein Schritt vorwärts gethan. Unter der Voraussetzung, daß die Brückenverbandsgemeinden die Herstellung und Unterhaltung der Zugangswege und den fiskalischen Stadtweg in Loschwitz in kommunliche Verwaltung übernehmen, sowie als Brückengeld für Fußgänger nur 3 Pfg. für die Person erheben, will der Staat den Bau und die Unterhaltung der Brücke übernehmen. Der Gemeinderath ist nun diesen Bedingungen beigetreten, setzt aber voraus, daß den betheiligten Gemeinden das Recht der Brückengelderhebung auf so lange verliehen wird, als zur Verzinsung und Tilgung ihres Baubeitrages und zur Ansammlung eines Wegeunterhaltungsfonds nöthig sein wird. [DN 19.5.1889]
   Das L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e n - Projekt soll nunmehr in der Weise zur Durchführung gelangen, daß der Staat die Brücke baut. Der Brückenverband übernimmt die Beschaffung des erforderlichen Areals, die Herstellung der Wegeanschlüsse auf seine Kosten, sowie die Instandhaltung der Brücke und erbaut dafür behufs Verzinsung und Amortisirung des aufzunehmenden Darlehns die Genehmigung zur Erhebung eines Brückengeldes, pro Person 3 Pfg. und pro Pferd 10 Pfg. auf 40 Jahre. Die von einem Blatte gebrachte Mittheilung, daß dem Brückenverbande nur noch die Gemeinden Blasewitz, Loschwitz und Wachwitz angehören, ist, wie Gemeindevorstand Strauß uns versichert, unzutreffend. [27.7.1889]
   Es war ein Irrthum, wenn neulich berichtet wurde, daß die adjacirenden Gemeinden die Unterhaltung und Brückengeld-Erhebung der zwischen Blaseitz-Loschwitz zu erbauenden n e u e n  E l b b r ü ck e zu übernehmen hätten. Dies hat sich der Fiscus vorbehalten. Die Gemeinde Loschwitz hat nur die Unterhaltung resp. Verbreiterung der nach oben führenden Straße, des sog. Stadtweges, zu übernehmen. Die Brücke selbst wird vom Schillerplatz in Blasewitz ausgehend in Loschwitz in der Gegend des dortigen Rathskellers endigen und sich mit der Pillnitzerstraße verbinden. Soweit man hört, ist die finanzielle Frage bezüglich des Blasewitz-Loschwitzer Brückenbaues nunmehr auf's Zufriedenstellendste geordnet. [DN 31.7.1889]
   W e i ß e r  H i r s ch. Laut Gemeinderathsbeschluß vom 6. d. M. ist die Mitgliedschaft der hiesigen Gemeinde am Brückenverbande erloschen. Die für den Brückenbau erforderlichen Staatskosten sind auf 1,664,000 Mk. berechnet, während die Kosten für die den Gemeinden zufallenden Leistungen auf 532,170 Mk. veranschlagt sind. [DN 11.8.1889]
   L o s ch w i tz - B l a s e w i tz. Laut Verordnung des Königl. Finanzministeriums, den Brückenbau betr., will dasselbe im Einverständniß mit dem Königl. Ministerium des Innern unseren Gemeinden auf längstens 40 Jahre ein für die Brücke zu erhebendes Wegegeld verwilligen, welches jedoch zu möglicher Schonung des verkehrenden Publikums nicht nach den auf der Loschwitz-Blasewitz Elbfähre erhobenen Sätzen, sondern nur nach den Sätzen von 3 Pfg. für jeden Fußgänger und 10 Pfg. für jedes Pferd zugestanden wird. Die hierbei erzielten Erträgnisse, von welchen nur die Kosten der Erhebung in Abzug kommen dürfen, sind lediglich zur Verzinsung und Tilgung der Anleihe, welche unsere beiden Gemeinden aufnehmen müssen, zu verwenden. Nach erfolgter Tilgung derselben, spätestens aber mit dem Ablauf von 40 Jahren, erlischt die Befugniß zur Erhebung des Wegegeldes. [DN 13.8.1889]
   Der Gemeinderath zu Loschwitz hat beschlossen, die vom Finanzministerium in der B r ü ck e n b a u - A n g e l e g e n h e i t den beiden Gemeinden Blasewitz und Loschwitz gestellten Bedingungen seinerseits anzunehmen, unbeschadet der auf die Modifikation einzelner Punkte, bezw. auf Erzielung weiterer Zugeständnisse etwa zu richtenden Vorstellungen. Die Gemeinden Blasewitz und Loschwitz haben, ev. unter Beihilfe des Brückenverbandes (von diesem sind außer der Gemeinde Rochwitz die sonstigen früheren Betheiligten zurückgetreten), diejenigen Kosten zu tragen, welche durch Herstellung der Brückenfahrtsrampen, der an die Strombrücke sich anschließenden drei steinernen Fluthbögen, der Zugangswege nebst Kunstbauten, Zugangstreppen, Barrieren und Geländer, ferner der in Blasewitz vom Schillerplatz nach dem Elbufer hinabführenden Straße und des durch den Brückenbau und bezw. die erwähnte Straßenherstellung erforderlich werdenden Umbaues der Blasewitzer Hauptschleuse entstehen. Den für alle Bauten und Anlagen erforderlichen Grund und Boden haben die Gemeinden, wo nöthig, im Wege der Zwangsenteignung, auf ihre Kosten zu beschaffen, ebenso haben sie für alle aus Anlaß der sämmtlichen Bau-Ausführungen sonst noch nöthig werdenden Entschädigungen der Grundbesitzer, insbesondere auch wegen der Schäden nur vorübergehender Natur, auf alleinige Kosten aufzukommen. Den Gemeinden Blasewitz und Loschwitz liegt auch die künftige Unterhaltung der von ihnen ausgeführten Anlagen, sowie die Reinigung und nächtliche Beleuchtung derselben und der Brücke ob. Die den Gemeinden zufallenden Leistungen erfordern nach dem hierüber aufgestellten Anschlage einen Aufwand von 532,170 Mk., wozu noch etwa 40,000 Ml. für Zinsverluste während der Bauzeit kommen können. Um die Gemeinden thunlichst zu unterstützen, will das Königl. Finanzministerium im Einverständniß mit dem Königl. Ministerium des Innern auf längstens die gedachte Zeit (40 Jahre) ein für die Brücke zu erhebendes Wegegeld verwilligen, welches jedoch zu möglichster Schonung des verkehrenden Publikums nur nach den Sätzen von 10 Pfg. für jedes Pferd und 3 Pfg. für jeden Fußgänger zugestanden werden kann. Die Brücke soll eine eiserne versteifte H ä n g e b r ü ck e werden, 293,6 Meter lang und 11 Mtr. breit. [DN 25.8.1889]

   Die Stadtverordneten hatten an den Rath das Ersuchen gerichtet, "wegen Förderung der Angelegenheit der Erbauung einer r e ch t e n  E l b u f e r st r a ß e nach Loschwitz, soweit sie Dresdner Stadtgebiet betrifft, mit der Königl. Staatsregierung in Verhandlung zu treten". Der Rath hat darauf erklärt, daß man in Rücksicht auf die zur Zeit noch ausstehende endgiltige Entscheidung über die Errichtung einer Brücke zwischen Loschwitz und Blasewitz den Zeitpunkt für solche Verhandlungen noch nicht für gekommen erachte, auf die Angelegenheit aber zurückzukommen gedenke, wenn jene Entscheidung getroffen sein werde. [DN 28.8.1889]
   Sitzung der S t a d t v e r o r d n e t e n. ... Die zur Berathung stehende eigentliche Tagesordnng führte nur in ihrem letzten (6.) Punkte, "Antrag der Stadtverordneten auf Förderung der Angelegenheit der Erbauung einer neuen Elbuferstraße nach Loschwitz" (Berichterstatter St.-B. Christoph) zur Besprechung. Nachdem das Kollegium von der Mittheilung des Rathes Kenntniß genommen hatte, gelangte auf Befürwortung des Herrn Vicevorsteher Dürisch eine diesbezügliche Immediateingabe des Bezirksvereins rechts der Elbe mit 29 gegen 16 Stimmen zur Annahme. Herr Bürgermeister Bönisch führte hierbei aus, der Bebauungsplan auf dem rechten Elbufer sei offen gehalten worden. Die Brückenbaufrage in Loschwitz sei in das Stadium getreten, daß die Brücke jedenfalls bald zu Stande kommt. Die Entfernung zwischen Loschwitz und Dresden-Neustadt werde auf der Straße des linken Elbufers nach Fertigstellung der Blasewitz-Loschwitzer Brücke kürzer, als durch die beantragte neue Straße, letztere sei auch überdies zu gewissen Zeiten (Hochwasser) ungangbar. ... [DN 21.9.1889]

   Die L o s ch w i tz e r  B r ü ck e n a n g e l e g e n h e i t ist jetzt in ein Stadium getreten, welches die betheiligten Grundbesitzer in eine gewisse Aufregung versetzt. Man ist gegenwärtig mit den nöthigen Messungen beschäftigt. Gleichzeitig trat man auch mit allen Denen in Verbindung, welche ihren Grundbesitz ganz oder theilweise abtreten müssen, um den nöthigen Raum für die Brücke und ihre Zufahrtsstraßen zu gewinnen. Manche Hausbesitzer mögen sich wohl der Hoffnung hingegeben haben, einen ansehnlichen, vielleicht gar einen hohen Preis für ihre Grundstücke erzielen zu können. Nun sind aber überraschend mäßige Preise geboten worden, und zwar so mäßige, daß vor Jahren schon von Privaten für gewissen Grundstücke bei Weitem mehr geboten wurde. Die gerechte Taxe z. B. für ein kleines Häuschen ist oft schwierig. Dem Taxator mag es recht geringwertig erscheinen, für den Besitzer hat es doch aber immerhin den Werth eines eigenen Heims. Hoffentlich wird man auch diese Klippe glücklich umschiffen. Bei einem Millionen-Unternehmen wird man zwar auch sparen müssen, aber gerade in dem beregten Punkt nicht allzusehr geizen dürfen. [DN 27.10.1889]
   Ueber den gegenwärtigen Stand des Baues der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e giebt der Etat nur insofern eine Aufklärung, als zu dem zu diesem Zwecke eingestellten Betrag von 500,000 Mk. die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Verhandlungen wegen des Baues in der Finanzperiode 1890/91 zum Abschuß gelangen. [DN 15.11.1889]
   Der B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e n b a u war dieser Tage wieder einmal Gegenstand lebhafter Verhandlungen im Blasewitzer Gemeinderath, und zwar auf eine Verordnung des Königl. Finanzministeriums hin, daß lediglich den beiden Gemeinden Blasewitz und Loschwitz die beitragsweisen Leistungen in Höhe von 650,000 Mk. zufallen, da der ursprünglich aus mehreren bezw. indirekt interessirten Gemeinden bestandene Brückenbauverband sich durch Austritt der letzteren folgerichtig aufgelöst und nur jene beiden hauptsächlich betheiligten Gemeinden zur weiteren Verfolgung des Projektes zurückgelassen hat. Wenn das Projekt überhaupt gesichert bleiben soll, müsse die Königl. Regierung unweigerlich auf genannter Forderung bestehen bleiben, und bevor nicht beide Gemeinden diesen Beitrag definitiv zugesichert haben, könne der Brückenbau nicht genehmigt, resp. in Angriff genommen werden. Mit der Ausführung des Brückenprojektes hängt aber auch der Erwerb mannigfachen Grundbesitzes in Blasewitz und Loschwitz zwecks Herstellung bequemer Brückenzugänge innig zusammen. Hohe Forderungen werden da gestellt, welche die amtlich Taxen zwischen 30 und 400 Prozent übersteigen. Zu begründen sucht man die Kontraste zum Theil mit withschaftlicher Entwerthung. So ist eine Parzelle des "Schillergartens" nebst Bestand auf 12,490 Mk. taxirt, und gefordert werden 60,000 Mk.. Die Gesammt-Taxe der benöthigten Grundstücke beträgt in Blasewitz 247,381 Mk., in Loschwitz 275,414 Mk.. Die Forderungen übersteigen die Taxen in Summe in Blasewitz um 220,119 Mk., in Loschwitz um 173,936 Mk.. In Blasewitz und Loschwitz zusammen belaufen sich die Taxen auf 348,850 Mk., die Forderungen aber auf 742,914 Mk., mithin die Mehrforderungen über die Taxen auf 394,055 Mk. in Summa. Unter solchen für die interessirten Gemeindeverwaltungen höchst fragwürdigen Verhältnissen hat der Gemeinderath beschlossen (auf Antrag des Herrn Gemeindevorstands Paulus), an das Königl. Finanzministerium anwortlich das Ansuchen zu stellen, mit Rücksicht auf die wider Erwarten hohen und weit über die Taxen geforderten Grundstückspreise, die Angelegenheit nun höheren Orts in die Hand zu nehmen und den vor allen Dingen nöthigen Areal-Erwerb zunächst selbst weiter zu verfolgen. --- Außerdem wurde auf ein Gesuch um Konzession zu einer in Blasewitz zu errichtenden Apotheke unter ausdrücklicher Beziehung der Bedürfnißfrage, dasselbe zu befürworten beschlossen. [DN 8.12.1889]
   ... - Ueber das Projekt der L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e bemerkt der Bericht, daß dasselbe soweit vorbereitet ist, daß mit der Ausführung in nächster Finanzperiode begonnen werden kann, vorausgesetzt, daß, wie wahrscheinlich, die deshalb mit den betr. Gemeinden stattfindenden Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnisse führen. Die Kosten, der mit eisernem Oberbau geplanten 293 Meter langen und rund 11 Meter breiten Brücke sind, abgesehen von den von den Gemeinden auf ihre Kosten herzustellenden Brücken-Rampen und Zufahrtsstraßen, nebst dem im Zusammenhange damit auszuführenden Uferbau und Ausschiffungsplatz auf 1,664,000 Mk. veranschlagt. Für den Bau sind reichlich 1,100,00 Mk. aus der jetzigen und früheren Finanzperiode verfügbar, der Restbetrag wird aus der künftigen Finanzperiode bestritten. Die Deputation hält es für unerläßlich, daß mit dem Brückenbau nicht früher begonnn wird, als bis die betheiligten Gemeinden sich zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen ausdrücklich bereit erklärt haben. [DN 21.12.1889]

1890
Brückenprojekt, Elbuferstraße, elektrische Straßenbahn, Luftseilbahn zwischen Blasewitz und Weißer Hirsch

   Die Blasewitz-Loschwitzer B r ü ck e n - A n g e l e g e n h e i t scheint wieder einen Schritt weiter gekommen zu sein. Mit dem Frühjahr sollen bereits die Vorarbeiten beginnen, da die nöthigen Ankäufe für die Zugangsstraße in Blasewitz, der Göthegarten, die Heinemann'schen und Tauscher'schen Häuser endgültig abgeschlossen sind. [DN 25.1.1890]
   Die B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e n f r a g e tritt, je näher sie der endgiltigen Entscheidung rückt, um so mehr in den Vordergrund des Interessess bei allen Denen, die ein offenes Auge für die natürlichen Vorzüge der Lage Dresdens und der denkbar segensreichsten Entwicklung seiner schön und gesund gelegenen Vororte haben. In dieser Hinsicht noch etwas zur Empfehlung von Loschwitz-Blasewitz (resp. "Weißer Hirsch") und der reizenden Elbriviere bis Pillnitz aufwärts zu verlautbaren, hieße in der That Eulen nach Athen tragen. Wo findet man ein anmuthigeres Ufergelände an einem der verkehrsreichsten Ströme und unmittelbarer Nähe einer von Reisenden der ganzen Welt meist frequentirten Residenz-, Kultur- und Großstadt? Das mit fast süddeutscher Vegetation und Weinbau gesegnete Elbthal von der Deutschen Heilstätte bis zum Borsberg eignet sich vorzüglich zu erquicklicher Sommerfrische. Diese Annehmlichkeit weitesten Kreisen zugänglicher machen, würde die zu erbauende Blasewitzer Brücke zugleich das herrliche Gelände aber auch als vorortliche Villen-Kolonie im günstigsten Sinne des Wortes förmlich aufschließen. Ein Blick rückwärts auf die theils regelmäßig, theils ganz unerwartet eintretenden totalen Verkehrshemnisse (Eisgang, Hochwasser, Ueberfahrtsbeschwerden jeder Art), einerseits ein Blick rückwärts dagegen auf die bei ununterbrochener Verbindung (Pferde- resp. Dampfstraßenbahn) gewährleistete Verkehrssteigerung andererseits läßt erkennen, daß bei der Blasewitz-Loschwitzer Brückenangelegenheit die Bedürfniß- und Annehmlichkeitsfrage in einer Weise Hand in Hand und dabei den hygienischen Gesichtspunkten derart entsprechen wird, daß an einen prinzipiellen Widerspruch in den maßgebenden Kreisen überhaupt niemals ernstlich gedacht worden ist. Schwierigkeiten können füglich nur entstehen, soweit es sich um einen Punkt handelt! --- um den leidigen Geldpunkt nota bene. An diesem hängt denn auch im gegenwärtigen Augenblick, wo eine ganz unerwartete Stockung eingetreten ist, wieder einmal Alles. Die Sache liegt nämlich so: die königliche Regierung ist bereit, die Brücke sofort zu bauen und dauernd zu unterhalten, sobald die beiden Brückenkopfgemeinden Blasewitz und Loschwitz die so weit wie nöthig bemessenen vorgeschriebenen Zugänge herstellen. Es handelt sich dabei in Blasewitz insbesondere um Wegfall des Goethegartens, einige angrenzende Grundstücke und einen kleinen Theil vom Schillergarten. Diese und die in Loschwitz anderseitig zu erwerbenden Grundstücke würden nach den jetzt feststehenden Angeboten einen einmaligen Kostenaufwand von ca. 600,000 Mk. verursachen. Die Amtshauptmannschaft scheint der Ansicht zu sein, daß damit den genannten Gemeinden zu viel zugemuthet werde. Da sich an den Forderungen der Adjacenten, die im Allgemeinen nicht ungerechtfertigt genannt werden können, nichts erhebliches abmindern lassen dürfte, so scheint die Brückenfrage vorläufig auf ein todtes Geleis gerathen zu sein. Ganz mit Unrecht. Eine ungefähre Berechnung auf Grund des gegenwärtigen Verkehrsstatutes ergiebt, daß bei mäßiger Brückengelderhebung, zu welcher die Gemeinden die Ermächtigung haben, während der Fiskus die Brücke unterhält, die Einnahmen so reichlich erfließen, daß die Verzinsung des zu nehmenden Kapitals, sowie dessen Amortisation über jeden Zweifel erhaben ist. Ferner ist ein Konsortium bereit, auf die Dauer der Brückengeldkonzession, diejenige Summe, welche nach Verwerthung des nicht unerheblichen Adjacenz-Areals auf beiden Ufern noch erforderlich ist, beiden Gemeinden darzuleihen und zwar in der Weise, daß dem Konsortium eine Verzinsung bis zur Höhe von 5 Proz. lediglich aus den sich ergebenden Brückeneinnahmen zu gewährleisten ist und für die Gemeinden insoweit jegliche Verzinsungs-Verbindlichkeit ausgeschlossen bleibt. Günstiger kann die Sache für alle Betheiligten kaum liegen und vielleicht bedurfte es nur dieser öffentlichen Beleuchtung, um die für Sachsens weltberühmte Residenzstadt und deren vorortliche Umgebung so hochwichtige Angelegenheit in allgemein erwünschter Weise zu fördern. [DN 6.2.1890]

   Ueber die vom "Bezirksverein rechts der Elbe" an den Landtag gerichtete Petition um Erbauung einer E l b u f e r st r a ß e urtheilt der gestern erwähnte Bericht der Finanzdeuputation A wie folgt: Die Begründung der Petition erschien der Deputation unzutreffend; den gemachten Vorwurf der Unbilligkeit und Ungerechtigkeit hielt man für gegenstandslos. Aus den wiederholten Verhandlungen über diesen Gegenstand ist so viel als festgestellt anzunehmen, daß die rechtsufrigen Ortschaften oberhalb Dresden durch die neue Brücke bei Blasewitz und über die Albertbrücke mit allen Theilen von Dresden-Neustadt, die unterhalb der letzteren Brücke liegen, eine kürzere Verbindung erhalten, als sie bisher haben oder durch die Uferstraße erhalten würden; die Verbindung mit den rechtsufrigen, verhältnismäßig nicht sehr bebauten Stadttheilen oberhalb der Albertbrücke wird zwar etwas länger, dagegen aber bequemer und gefahrloser. Wenn, wie behauptet wird, den Bewohnern von Loschwitz und den oberhalb gelegenen Ortschaften wenig daran liegt und wenig damit gedient ist, daß sie direkt und schneller in das Herz von Dresden-Altstadt gelangen können, daß sie infolge alter Beziehungen in Neustadt ihre Erzeugnisse absetzen, und ihre Bedürfnisse daselbst kaufen, so wird diese alte Geschäftsverbindung nach Fertigstellung der Brücke und des dadurch bedingten kürzeren, bequemeren und gefahrloseren Zufahrtsweges nur gewinnen. Der petirende Verein übersieht bei seiner Kritik ganz, daß die Elbuferstraße vor Allem auch um deswillen bisher Zustimmung nicht gefunden hat, daß nach den gemachten Erfahrungen dieselbe öfters und manchmal bis zu 3 Wochen durch Hochwasser unfahrbar gemacht werden würde. Eine Verbindung von Loschwitz längs des rechten Elbufers bis an die Landesgrenze, beziehentlich über dieselbe hinaus besteht zur Zeit nicht, ist auch nicht sobald zu erwarten; es ist deshalb auch zur Zeit nicht nöthig, dieses Endstreckchen von Loschwitz nach Dresden-Neustadt zu bauen; sollte aber jene Verbindung mit der Landesgrenze einmal hergestellt werden, so wird es sich sehr fragen, ob der Verkehr von der Landesgrenze dann nicht richtiger über Dresden-Altstadt nach Meißen zu seinen Weg suchen wird. Ebenso ist der Deputation unbekannt, daß Dresden-Neustadt "verkümmere"; im Gegentheil ist sie überzeugt, daß Dresden-Neustadt in seiner Entwicklung hinter Dresden-Altstadt nicht zurückbleiben wird, nachdem nunmehr der Bau der vierten Elbbrücke und der Bau des Finanzministerialgebäudes unmittelbar bevorsteht, und der Anfang zu der Verwerthung des militärfiskalischen Areals gemacht wird, auch, wie aus der Petition ersichtlich, der Bau von Markthallen daselbst projektirt ist. Die Deputation glaubt, daß dem vorhandenen allgemeinen Bedürfniß der fraglichen Ortschaft bis auf Weiteres durch den Brückenbau bei Loschwitz hinlänglich Rechnung getragen ist, und hält es bis auf Weiteres als völlig unangängig, nachdem eine so außerordentlich hohe Summe für jenen Brückenbau bewilligt worden ist, auch noch den Bau der petirten Straße, die nicht 300,000 Mk., wie die Petenten annehmen, kosten wird, sondern über 400,000 Mk. veranschlagt ist, der Regierung zur Ausführung zu empfehlen, und so auf einmal ein und derselben Gegend doppelte Begünstigungen zu Theil werden zu lassen, während noch eine große Anzahl mindestens gleichberechtigter Wünsche anderer Landestheile bisher zurückgestellt worden ist. Vor Allem aber glaubt auch die Deputation noch weiter betonen zu sollen, daß nach Lage der Sache die Stände nicht eher an eine Befürwortung der petirten Uferstraße werden denken können, so lange nicht die alsbaldige Ausführung einer Uferstraße von Dresden-Neustadt bis an die Loschwitzer Grenze auf Kosten der Stadt außer Zweifel gestellt sein wird, und daß die Deputation selbst der in Aussicht gestellten "unentwegtesten" Agitation von Dresden-Neustadt ungeachtet, so lange sich die Verhältnisse nicht vollständig ändern, von diesen ihren Anschauungen schwerlich abgehen dürfte. Die Regierung erklärte auch ihrerseits, daß sie bis auf Weiteres das Projekt Elbuferstraße Dresden-Loschwitz für erledigt erachte. Die Deputation beantragt deshalb, die Petition auf sich beruhen zu lassen. [DN 13.3.1890]

   Die jetzt längere Zeit in's Stocken gerathene B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  B r ü ck e n b a u - A n g e l e g e n h e i t ist durch einen wichtigen, am 26. März vom Blasewitzer Gemeinderathe gefaßten Beschluß, nunmehr wieder in Fluß gekommen. Mit Rücksicht auf gemeinschaftlich stattgefundene Verhandlungen der beiden Gemeinderathskollegen von Blasewitz und Loschwitz und die darauf seitens Blasewitz an die betreffenden, ihre seitherigen Forderungen behauptenden Grundstücksbesitzer daselbst gerichteten, aber zumeist erfolglosen Zuschriften wegen Herabsetzung ihrer Forderungen (Loschwitz hatte diesen Weg einzuschlagen abgelehnt) schlug Herr Gemeindevorstand Paulus als Referent vor, zu beschließen: "Daß die Gemeinde Blasewitz gewillt ist, für die die veranschlagte Beitragssumme von 650,000 Mk. eventuell übersteigenden Mehrleistungen nach den mit der Gemeinde Loschwitz vereinbarten Antheilsverhältnissen (25 Proz.) aufzukommen", was auch einstimmig erfolgte mit dem Zusatzantrag des ersten Gemeindeältesten, Herrn Rechtsanwalt Häntzschel: Daß die Gemeinde Blasewitz die Hoffnung hegt, der Staatsfiskus werde ihr für den Fall, die 40jährigen Zolleinnahmen deckten die Ausgaben noch nicht, das Recht der Zollerhebung auch noch über 40 Jahre hinaus nach Bedürfniß zusprechen. --- Bekanntlich hat der Staat den Bau der Brücke übernommen, und die Gemeinden haben nur einen Beitrag von rund 650,000 Mk. aufzubringen, der sich wieder durch einen auf ca. 40 Jahre hinaus zu genehmigenden Brückenzoll decken würde. Zu den Gemeindeleistungen in dieser Sache hat Blasewitz 25 und Loschwitz 75 Proz. antheilig aufzubringen. Der veranschlagte Betrag der lediglich noch in Frage kommenden beiden Gemeinden Blasewitz und Loschwitz an 650,000 Mk. erhöht sich aber zur Zeit noch durch die Mehrforderungen interessirter Grundstücksbesitzer um 273,600 Mk. auf demnach 923,600 Mk.. [DN 30.3.1890]
   Die alte Dresdner Pferdebahngesellschaft hat sich bereit erklärt, zu den Kosten der Verbreiterung und Regulirung der Tolkewitzer Straße in Blasewitz 6000 Mk. beizutragen und ein zweites Gleis auf dieser Straße legen zu lassen, wenn ihr im Voraus das Recht zu einer Gleislegung auf der künftigen B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e zugestanden, auch ihr von vornherein bei ungehindertem Verkehr ihrer Wagen daselbst die Zahlung von irgend welchen Abgaben, Wegegeldern und dergl. nicht angesonnen wird. Diesem Anerbieten gegenüber hat der Blasewitzer Gemeinderath beschlossen, den angezeigten Betrag von 6000 Mk. anzunehmen, die Legung eines doppelten Pferdebahngleises auf der Tolkewitzer Straße vom Schillerplatz hinaus bis zur Dampfschiffstraße im Voraus zu genehmigen, jedoch das von der Gesellschaft bedungene Zugeständniß bezüglich einer künftigen Brückenstrecke abzulehnen. [DN 23.4.1890}
   Wie man hört, wird die Loschwitz-Blasewitzer B r ü ck e n - A n g e l e g e n h e i t sich in den nächsten Tagen bereits aktuell gestalten, da man zunächst auf Loschwitzer Seite den Grundstein zu dem ersten Landpfeiler legen wird und die sämmtliche Eisenkonstruktion bereits bestellt ist. Wenn nicht Alles täuscht, dürfte schon Ostern 1892 der Verkehr auf der Brücke eröffnet werden können. Die Brücke stützt sich bekanntlich blos auf 2 Strompfeiler und erhält genügende Breite für den Fußgänger-, Wagen- und Pferdebahnverkehr. Hoffentlich werden die noch Schwierigkeiten bereitenden Adjacenz-Entschädigungen für das zu den Brücken-Vorplätzen in Loschwitz und Blasewitz gehörige Areal in zufriedenstellender Weise und baldigst ausgeglichen. [DN 4.5.1890]
   Die L o s ch w i tz e r  B r ü ck e n f r a g e ist wiederum in ein weiteres, sie förderndes Stadium getreten. Es handelt sich hauptsächlich in erster Linie um die Aufnahme eines Darlehens von 700,000 Mk. zur Enteignung der erforderlichen Grundstücke. Die Aufnahme desselben soll nach dem Erfordern des Finanzministeriums aber nur dann erfolgen dürfen, wenn die Gemeinden nachweisen können, daß die Mittel dazu bereit liegen. Nach vielen Verhandlungen mit verschiedenen Geldinstituten hat nun die landwirthschaftliche Creditbank ein Angebot gemacht, welches die Gemeinden Loschwitz und Blasewitz gern zu acceptiren geneigt sind und damit die erforderlichen Geldmittel erlangen. Darnach giebt das Institut das Geld zwar nicht baar, aber in Pfandbriefen, die jetzt 98,60 Mk. stehen. Das in beliebigen Raten abzunehmende Darlehen wird vorläufig als ein nicht amortisirbares aufgenommen, sondern die Schuld wird erst nach Vollendung des Brückenbaues in ein 31/2prozentiges amortisirbares Darlehen umgewandelt. Die Bank gewährt das Darlehen zu 33/4 Prozent. Die Sache dürfte in der nächsten Sitzung des Bezirksausschusses ihre Erledigung finden und es könnte dann mit der Enteignung der Grundstücke baldigst vorgegangen werden, zumal die Besichtigung derselben schon stattgefunden hat. [DN 1.6.1890]
   In der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r Brückenbauangelegenheit hat die Gemeinde Loschwitz bezüglich der schon vor Kurzem erwähnten Aufnahme des Darlehens bei der landwirthschaftlichen Creditbank denselben Beschluß gefaßt wie die Gemeinde Blasewitz. Diese Angelegenheit ist also vollständig geregelt. Die Königl. Amtshauptmannschaft wurde bereits von den Gemeindebeschlüssen in Kenntniß gesetzt. Die Enteignung der zum Brückenbaue erforderlichen Grundstücke soll nun, wie die "Elbgaupresse" berichtet, dieser Tage erfolgen. Ist dieselbe perfekt, so wird auch sogleich mit dem Brückenbau an beiden Ufern begonnen werden. Zur Leitung der Arbeiten sind die Herren Regierungsbaumeister Rinne und Krüger in Loschwitz eingetroffen. Das Baubureau soll in das Hotel Demnitz gelegt werden. Die eigentliche Grundsteinlegung, von der so viel gesprochen wurde, wird wohl kaum sobald erfolgen; dieselbe wird erst in feierlicher Weise dann vorgenommen, wenn an beiden Ufern die ersten Anfänge der Brücke erbaut worden sind. [DN 14.6.1890]
   Die L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e n b a u - Angelegenheit, so schreibt die "Elbgaupresse", rückt mit jedem Tage Schritt für Schritt weiter vorwärts, nach und nach werden die Formalitäten erfüllt und die bindenden Verträge geschlossen. Auch dem Königl. Finanzministerium gegenüber haben die Gemeinden sich durch einen Revers binden müssen. Es genügte dem Ministerium nicht, daß die Gemeinden nur schriftlich mittheilten, daß sie die zur Zwangsenteignung erforderlichen Gelder von der landwirthschaftlichen Kreditbank erhielten. Der von beiden Gemeinden vollzogene Revers wird dieser Tage an die Königl. Amtshauptmannschaft abgehen. Die Zwangsenteignung der Grundstücke soll nun bestimmt im nächsten Monate vorgenommen werden. Die maßgebenden Grundsätze hierfür sind am verflossenen Montage festgestellt worden. Auch die Straßenbahnfrage mußte wieder in Erwägung gezogen werden. Im Juni nächsten Jahres werden die Zufahrtsstraßen zu der neuen Brücke soweit vorgerichtet sein, daß die Straßenbahn-Gesellschaft mit dem Legen der Schienen beginnen und dies mit dem Bau der Straßen zugleich ausgeführt werden kann. Zum Befahren der Brücke werden die alte und neue Straßenbahn-Gesellschaft zugelassen. [DN 21.6.1890]

   Die Verbindung per Landweg nach dem Weißen Hirsch ist bekanntlich durch das ansteigende Terrain sehr erschwert. Da ist jetzt ein Plan aufgetaucht, nach amerikanischem System eine L u f t f a h r t - V e r b i n d u n g mittelst Drahtseil Blasewitz-Weißer Hirsch herzustellen --- ein Plan, der vorderhand noch sehr nach amerikanischem Humbug riecht. [DN 4.7.1890]
   Seit einigen Tagen weilen auf Einladung der Thomson Houston Compagnie in Newyork zwei Direktoren der alten Dresdner Straßenbahn in Bremen, um die daselbst seit Beginn der Ausstellung im Betriebe befindliche E l e k t r i s ch e  S t r a ß e n b a h n in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob dieselbe für die Dresdner Verhältnisse passend sei. Die genannten Herren sind von all'dem Gesehenen auf das Höchste befriedigt und sollen beabsichtigen, bei den Dresdner Behörden vorstellig werden zu wollen, dieses System zur Einführung bringen zu dürfen. Auch die auf der Bremer Ausstellung befindliche L u f t s e i l b a h n ist von den Dresdner Herren mehrfach befahren worden und in Aussicht genommen, dieselbe zwischen Blasewitz und dem Weißen Hirsch zur Ausführung zu bringen, vorausgesetzt der dazu nöthigen behördlichen Genehmigung. [DN 10.7.1890]

   Die Expropriation des von mehreren Grundstücksbesitzern vorenthaltenen Areals zum B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e n b a u wird nun ihren Anfang nehmen. Der landwirthschaftliche Kreditverein, welcher das von den Gemeinden Blasewitz und Loschwitz in der Brückenbausache benöthigte Geld darlehns- und ratenweise gewährt, ist benachrichtigt worden, daß die zu erhebenden Raten jedesmal an die beiden Gemeinden Blasewitz und Loschwitz resp. an die Vorstände derselben oder aber an deren legitimirte Stellvertreter gemeinsam verabfolgt werden sollen. Ein Gesuch der Deutschen Straßenbahn-Gesellschaft wegen Führung und bez. Concessionirung einer Straßenbahn über die zu erbauende Elbbrücke ist dem Rechts- und Verwaltungs-Ausschuß des Blasewitzer Gemeinderathes zur Begutachtung zugewiesen worden. [DN 13.7.1890]
   Der G e m e i n d e r a t h  z u  B l a s e w i tz beschloß in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die beiden Konzessionsgesuche der alten und der neuen Straßenbahngesellschaften, die Führung einer Straßenbahn über die projektirte Blasewitz-Loschwitzer Elbbrücke betreffend, zu befürworten, und, oberbehördliche Genehmigung vorausgesetzt, mit beiden Gesellschaften über die näheren Bedingungen des Betriebes diesbezügliche Verträge abzuschließen. Statt einer Abfindungssumme von jährlich 6500 Mk. als Brückenzoll in den ersten 5 Jahren, wie anfänglich in Aussicht genommen war, will man die Bahndirektionen zur Entrichtung eines Brückengeldes von 3 Pfg. für jede fahrende Person bestimmen. Es soll dies zunächst (versuchsweise) auf die ersten beiden Betriebsjahre Geltung haben. Hierzu ist noch die Entschließung des Gemeinderathes zu Loschwitz erforderlich, bevor die Angelegenheit der Oberbehörde zur Beurtheilung und bez. Genehmigung unterbreitet werden kann. --- Auch die demnächst bevorstehende Einleitung des Expropriationsverfahrens gegen solche Grundbesitzer, welche ihr zum Brückenbau resp. zu den Brückenzugängen erforderliches Areal bislang noch vorenthalten haben, um mehr als die amtlichen Taxen zu erlangen, wird sich durch nachträgliche gütliche Vergleichungen sowohl in Blasewitz wie hoffentlich auch in Loschwitz wesentlich einfacher gestalten, als ursprünglich erst anzunehmen war. In Blasewitz haben, wie schon kürzlich einige andere (Schieck, Elb, Pech, Richter, Heinemann), vor ein paar Tagen auch noch die beiden Grundstücksbesitzer; Bäckermeister Grahl und Privatus Kunath, ihre Grundstücke Nr 3 und 4 am Schillerplatz, welche zur Brückenzufahrt und bez. zur Erweiterung des Schillerplatzes gebraucht werden, zum taxmäßigen Kaufpreise überlassen. --- Weiter hat in der Brückenbau-Angelegenheit der Rechts- und Verwaltungsausschuß des Blasewitzer Gemeinderathes einen fünften Nachtrag zur Blasewitzer Lokalbauordnung entworfen, welcher allenthalben die Befürwortung des Kollegiums gefunden hat. Dieser, der Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt und bez. deren Bezirksausschuß zur Genehmigung vorzulegende Nachtrag hat hauptsächlich den Zweck, zu verhindern, daß nach der aus Anlaß des Elbbrückenbaues vorzunehmende Regulirung des Schillerplatzes die an demselben entstehenden Neubauten nicht wieder eine einfache, ärmliche und unschöne Gestaltung erhalten, sondern sich vielmehr als architektonisch schöne und mit einander harmonirende Bauwerke präsentiren. [DN 19.7.1890]
   Der Blasewitz-Loschwitzer E l b b r ü ck e n - B a u a u s s ch u ß hat die Herstellung der Zugangs- resp. Anfahrtsstraßen zur Brücke auf beiden Elbufern (Blasewitz und Loschwitz) in einer Breite von 16 Metern befürwortet. Das zu diesen Straßen erforderliche Areal treten die betreffenden Grundbesitzer in Blasewitz gegen eine angemessene Entschädigung der Gemeinde ab. In Loschwitz dagegen haben die Anlieger dasselbe unentgeldlich abzutreten. Die an den Brückenstraßen in Loschwitz und Blasewitz zu errichtenden Gebäude sind mit einem Meter Abstand von der Straßenfluchtlinie beiderseits auszuführen. Am Angelsteg in Blasewitz (derselbe führt dort von der Naumannstraße parallel westlich vom Schillerplatz nach dem Elbufer) wollen die Anlieger aber mit 4 Meter Abstand von der Straße ihre Neubauten ausführen. [DN 2.8.1890]
   Gestern Vormittag traten im Goethegarten in Blasewitz unter Vorsitz des Herrn Regierungs-Assessors Dr. Uhlemann von der Königl. Amtshauptmannschaft die Gemeinderäthe von Blasewitz und Loschwitz zu gemeinsamer Sitzung zusammen, um über die Expropriation der Grundstücke in B l a s e w i tz, welche beim Bau der projektirten E l b b r ü ck e zum Abbruch kommen müssen, zu berathen. Es handelte sich hierbei in der Hauptsache um die drei Grundstücke: Schillergarten, ferner das gegenüberliegende Grundstück des Herrn Sanitätsraths Epstein, sodann ein an dieses stoßendes kleineres Grundstück (gegenüber dem Gasthof), welches auch dem Besitzer des Schillergartens gehört, und den Goethegarten. Von der Versammlung wurde denn auch die Expropriation derselben ausgesprochen, von den anwesenden Vertretern der Besitzer jener Grundstücke aber gegen die aufgestellten Bedingungen bez. die Höhe der festgesetzten Entschädigungen Protest eingelegt. Die Vertreter machten geltend, daß unter solchen Bedingungen die Besitzer in ihrem Eigenthum im höchsten Maße geschädigt werden würden. Erwähnt sei nur, daß z. B. Herrn Sanitätsrath Epstein für den Quadratmeter seines Grundstückes -- unzweifelhaft die beste Lage in ganz Blasewitz --- nur 10 Mk. geboten werden sollen. Infolge des Widerspruchs der Grundbesitzer gelangt die Sache nunmehr an die Kreishauptmannschaft. [DN 12.8.1890]
   In der Dienstagsnummer wurde bereits des Expropriationstermins Erwähnung gethan, bezüglich der Enteignung jener Grundstücke, welche beim Bau der neuen E l b b r ü cke in B l a s e w i tz und Loschwitz zum Abbruch gelangen müssen. Die meisten der betreffenden Grundeigenthümer haben sich, wie gesagt ward, mit den von den Gemeinden gebotenen Summen begnügt, nur der Besitzer des Goethegartens, der des Schillergartens und Sanitätsrath Epstein haben gegen die ihnen als Entschädigungen gebotenen Summen Protest eingelegt. Für das Grundstück des Goethegartens verlangte der Besitzer einschließlich der Geschäftsentschädigung 195,000 Mk. Die Gemeinde bot für das zum Brückenbau erforderliche Stück, dessen Abtrennung allerdings den Abbruch sämmtlicher Gebäude erfordert, 85,000 Mk.; dieses Gebot wurde aber im Termin, ohne Berücksichtigung der zu gewährenden Geschäftsentschädigung auf 88,000 Mk. erhöht. Der Besitzer des Schillergartens hat einen Theil seiner Wirthschaftsgebäude abzutreten. Er verlangte hierfür 60,000 Mk., und es waren ihm dafür seinerseits von der Brückenbau-Commission 24,000 Mk. geboten worden, welche Herr Köhler als nicht ausreichend erachtet. Im jetzigen Termine wurde diese Summe auf nur 13,000 Mk. festgesetzt. Vom Grundstück Schillerplatz Nr. 6 hat Herr Köhler ebenfalls einen Theil abzutreten. Er nahm s. Z. das von der Commission ihm mitgetheilte Gebot darauf von 44,000 Mk. nicht an. Jetzt wurden 20,000 Mk. als genügend erachtet. Die Entschädigung an Sanitätsrath Epstein wurde mit 3000 Mk. als genügend hoch bemessen. Für Blasewitz beläuft sich die Summe der bereits erworbenen Grundstücke auf etwa 194,000 Mark. Die Widerspruch gegen die Taxe erhoben habenden Besitzer verlangen zusammen 302,000 Mk.. Darunter befindet sich Herr Sanitätsrath Epstein, der sein Grundstück der Gemeinde um den Selbstkostenpreis von 100,000 Mk. überlassen, sich aber auf eine theilweise Expropriation nicht einlassen möchte. Die Gesammtsumme beträgt also etwa 496,000 Mk.. In Loschwitz stellte sich die Sache gerade umgekehrt, denn hier wurde von keiner Seite Widerspruch erhoben. Die Abtretenden kamen vielmehr im Termin besser fort, als sie erhofft hatten. Im Ganzen treten in Loschwitz 14 Besitzer Areal ab. Die Gesammtsumme aller Entschädigungen für Loschwitz beträgt rund 123,800 Mk.. Die Gesammtsumme der Entschädigungen für die abzutretenden Besitze in beiden Gemeinden beläuft sich also auf etwa 619,800 Mk.. Den Gemeinden stehen dagegen die ihnen zur Erwerbung der Areale vom Königl. Finanzministerium zugebilligten, als Anleihe aufgenommenen 750,000 Mk. zur Verfügung und es dürfte sich diese Summe auch als völlig ausreichend erweisen. [DN 16.8.1890]

   Die Angelegenheit betr. der Erbauung einer r e ch t e n  E l b u f e r st r a ß e, die jüngst von den Stadtverordneten beim Rathe wieder angeregt worden ist, kann für jetzt nicht weiter verfolgt werden. Sowohl das Königl. Finanzministerium, wie die Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt und der Rath sind darin einig, daß vor vollendetem Bau der Loschwitz-Blasewitzer Brücke und Beobachtung des Einflusses dieser Brückenverbindung auf die Verkehrsverhältnisse auf dem rechten Elbufer ernstlich nicht an eine Projektirung der fraglichen Straße gedacht werden könne. [DN 26.11.1890]

   Im Schaufenster der Arnold'schen Buchhdlg. am Altmarkt sind gegenwärtig photographisch vervielfältigte Entwürfe für den B r ü ck e n b a u zwischen B l a s e w i tz und L o s ch w i tz ausgestellt, darnach wird eine Art Kettenbrücke errichtet. Wir kommen auf diese Entwürfe zurück. [DN 8.12.1890]

1891
Brückenbau, Elektrizitätswerk, Projekt Drahtseilbahn

   Auch die Gemeindevertretung von W e i ß e r  H i r s ch hat den Unternehmern des D r a h t s e i l b a h n - P r o j e k t e s zwischen Loschwitz-Weißer Hirsch, das von letzterer Gemeinde mit großer Freude begrüßt wird, weil es einem längst empfundenen Bedürfniß, das, wenn die Loschwitzer fertig sein wird nur noch größer werden muß, abhilft, gern die Genehmigung zu den nöthigen Vorarbeiten ertheilt, ohne ihnen damit das Vorrecht für die Ausführung ihres Projektes schon zugesprochen zu haben. [DN 17.1.1891]

   Man schreibt uns: "Sie werden hiermit ergebenst in Kenntniß gesetzt, daß am 19. Januar d. J. die lang ersehnte und viel besprochene, besungene und vermessene L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e endlich f e r t i g geworden ist. Herr Baumeister Winter, der Erbauer der Brücke, hatte schon vor einigen Wochen in Loschwitz Wohnung genommen und wollte, wie man sagt, das Material aus Böhmen dazu beziehen. Der hohe Zoll oder andere Gründe hatten ihn veranlaßt, nur sächsisches Material dazu zu nehmen. Nun ist die Brücke fertig und versperrt durchaus keine Aussicht. Im Gegentheil, sie ist fast Durchsichtig wie Krystall. Nur soll sie noch nicht stark genug sein, aber viel zu breit. Jedoch hat sie nicht einen einzigen Pfeiler, was doch gewiß als Kunstwerk anerkannt werden muß. Leider scheinen die Schiffer kein großes Zutrauen zu der Brücke zu haben, denn sie sind alle landeinwärts gezogen und wollen von der ganzen Schifferei nichts mehr wissen. Nun munkelt man freilich, daß der Baumeister Winter einen Nachkommen erhielte --- es soll noch ein glühender, junger, hübscher Knabe sein ---, welcher dem alten Baumeister Eins auswischen und die Brücke wieder einreißen will. Na, abwarten, wie lange es dauert. Jedenfalls wird die Sache wieder zu Wasser." [DN 22.1.1891]

   Mit Bezug auf die vorgestrige Nachricht über die projektirte D r a h t s e i l b a h n in L o s ch w i tz theilt man uns mit, daß die an den eventuellen Bahnwegen angrenzenden Grundstücksbesitzer fast sämmtlich gegen dieses Projekt Stellung nehmen. Dieselben haben in einer jüngsten Eingabe an die Königl. Ministerien erklärt, daß sie freiwillig für obige Zwecke, deren Nothwendigkeit nicht eingesehen werden könne, keinen Fuß breit Landes abtreten, auch die Vorarbeiten auf ihren Grundstücken nicht vornehmen lassen würden. Da eine Nothwendigkeit für die Bahn nicht vorliege, würde auch das Expropriationsgesetz nicht in Anwendung gebracht werden können. --- Unter allen Umständen ist ein solches Verhalten der dortigen Grundstücksbesitzer sehr zu bedauern, denn eine thunlichst kurze und schnelle Verbindung zwischen Loschwitz und dem Weißen Hirsch, namentlich sobald die dortige Elbbrücke fertiggestellt sein wird, ist höchst wünschenswerth. In der Schweiz giebt es mindestens ein Dutzend Drahtseilbahnen, welche mit ihrer Anlage weder den landschaftlichen Reiz beeinträchtigen, noch durch ein Geräusch die umliegenden Grundstücksbesitzer unangenehm berühren. [DN 26.3.1891]
   Das Mißlingen der Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch glaubte man bisher ausschließlich der ablehnenden Haltung der betheiligten Grundstücksbesitzer Schuld geben zu müssen. Doch die Angelegenheit verhält sich anders. Das Unternehmerkonsortium hat sich, nachdem ein billiger Arealerwerb nicht gelungen war, ohne Weiteres um Ertheillung der Expropriationsbefugniß für seine Privatspekulation an die vorgesetzte Behörde gewendet. Gegen dieses summarische Vorgehen glaubten die in ihren Rechten bedrohten Grundstücksbesitzer in einer an die vorgesetzte Behörde gerichteten Petition Schutz suchen zu müssen. Auf keinen Fall sei es zu verwundern, daß man in den Kreisen der betheiligten Villenbesitzer einem Unternehmen, welches in dieser Weise zu verwirklichen gesucht wird, herzlich wenig Sympathie entgegenbringt. [DN 8.4.1891]

   In L o s ch w i tz haben die Vorarbeiten zum Brückenbau schon eine greifbare Gestalt angenommen. Bereits ist das Haus des Baugewerken Rossig hinter dem Gute der Frau verwittweten Rossig abgebrochen und der Platz geräumt worden. Einer Anzahl anderer Grundbesitzer wurde aufgegeben, ihre Häuser bis zum 18. d. M. zu räumen. [DN 12.4.1891]

   Betreffs der D r a h t s e i l b a h n Loschwitz-"Weißer Hirsch" geht uns die Mittheilung zu, daß das Unternehmerconsortium sich noch keineswegs um Ertheilung der Expropriationsbefugniß an die vorgesetzte Behörde gewendet habe. In der betreffenden Eingabe an das Königl. Ministerium des Innern heißt es nur: Das Terrain ist bereits zum größten Theil gesichert und dürfte höchstens wegen einiger kleiner Grundstücke noch die Frage einer etwaigen Expropriation zu erörtern sein. Ein Antrag auf solche ist noch nicht gestellt und vielmehr in jeder Weise versucht worden, das Terrain auf vertragsmäßigem Wege käuflich zu erwerben. Der wahre Grund, weswegen die projektierte Drahtseilbahn zu mißlingen scheint, liegt darin, daß das Königl. Finanzministerium Bedenken hat, der von der Königl. Amtshauptmannschaft befürworteten Concession zuzustimmen. [DN 12.4.1891]

   Der Bau der B l a s e w i tz - Lo s ch w i tz e r  B r ü ck e wird in diesem Sommer rüstig in Angriff genommen. Die Brücke wird bekanntlich analog der Tetschener Brücke ohne jeden Strompfeiler als Ketten- oder Hängebrücke ausgeführt und zwar in einer sehr geschmackvollen Konstruktion nach einen System des Herrn Geh. Finanzrath Rocke. Die Oberbauleitung des Baues ist einem höheren Staatsbeamten übertragen, welcher in Blasewitz Wohnung nimmt. Die Eisenkonstruktion der Brücke wird in den Werken der Marienhütte bei Zwickau hergestellt, deren Ingenieure ebenfalls ein Bureau in Blasewitz aufschlagen. Um den breiten Zugang zur Brücke auf Blasewitzer Seite zu schaffen, werden die Hälfte des Göthe-Gartens und die daran stoßenden Häuser bis zur Elbe abgebrochen, auf der anderen Seite müssen die vorderen alten Wirthschaftsgebäude des Schillergartens weichen. Die Steinrampe auf dem linken Elbufer wird 20 Meter breit vorgeschoben. Einige alte Häuser an der Elbe sind bereits abgebrochen. [DN 25.4.1891]
   Die Oberleitung des Baues der B l a s e w i tz - L o s ch w i tz er  B r ü ck e ist seiten des Königl. Finanzministeriums Herrn Regierungsbaumeister Ringel übertragen worden. Der schwunghafte Bau der Eisenbrücke wird nach dem System des verdienstvollen Herrn Geh. Finanzrath K ö p ck e ausgeführt [DN 26.4.1891]

   Nach unserem herrlich gelegenen "Weißen Hirsch" wird künftig eine weit bessere Omnibusverbindung unterhalten werden. Herr Posthalter Hofmann, der das gesammte Besitzthum des hiesigen Omnibusvereins (Bautznerstraße) erworben hat, wird nach dem in der heutigen Nummer befindlichen Fahrplan doppelt so viel Fahrten einrichten und zwar mit einem guten Pferdematerial und durchweg neuen Wagen. [DN 26.4.1891]

   Das Ministerium des Innern hat den Herren Commissionsrath Dörfflinger und Dr. Stöffel die Vornahme genereller Vorarbeiten zu der von ihnen geplanten D r a h t s e i l b a h n Loschwitz-Weißer Hirsch nicht gestattet. [DN 4.5.1891]

   Die Vorarbeiten zum Bau der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  Elbbrücke werden eifrig betrieben; man erkennt bereits ganz deutlich, daß die Verbindung vom Schillerplatze aus in gerader Linie nach dem direkt am Loschwitzer Dampfschiffslandeplatze gelegenen Obstgarten erfolgt. Hier sind die Bäume bereits gefällt, und zahlreiche Erdarbeiter sind beschäftigt, die Bodenmassen fortzubewegen. Mit dem Besitzer des Goethegartens ist inzwischen völlige Einigung erlangt worden; mit dem Abbruch dieses Grundstücks wird bereits am 1. Juli begonnen. Ursprünglich forderte der Besitzer für das ganze Grundstück 195,000 Mk., jetzt hat man sich auf 122,500 Mk. geeinigt. Es verbleiben dem Verkäufer aber nun drei Baustellen. Dagegen konnte mit Sanitätsrath Eppstein noch keine Einigung erzielt werden. Derselbe will sein Grundstück nur im ganzen verkaufen, während man nur so viel davon erwerben will, als unbedingt zum Bau erforderlich ist. Das Eppstein'sche Grundstück liegt in Blasewitz dicht an der Elbe an der Straße, die vom Schillerplatz aus an den Fluß hinunterführt, und bildet da die linksseitige Ecke vis-a-vis dem Schillergarten. [DN 30.5.1891]
   Wenn man jetzt die Ueberfahrt von Blasewitz nach Loschwitz auf der lieben, alten Floß-Barkasse antreten will, so weilt das Auge unwillkürlich bei den Veränderungen, die sich neuerdings schon bei dem Zugang zur Fähre bieten. Diese Aenderungen gestalten zwar das Bild keineswegs anmuthiger, aber sie künden es an, daß der längst gehegte Plan einer L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e seiner Erfüllung entgegenreift. Daraufhin mag man es schon vertragen, daß man sich erst durch den Schillergarten schlängeln muß, wenn man sich den anmuthigen Höhen nähern will. Zunächst wird an der Herstellung einer interimistischen Zufahrtsrampe zur Dampffähre, welche auf einige Zeit für sämmtliches Fuhrwerk unbenutzbar blieb, gearbeitet. Auch ist der Abbruch der Gebäude in der nächsten Nähe der späteren Rampen bereits erfolgt. Die erforderlichen Uferbauten auf Blasewitzer Seite werden durch eine Einengung des Flußbettes durch Anschüttung von Kies, der oberhalb des Bauplatzes ausgebaggert wird, vorbereitet. Auf der Loschwitzer Seite deutet bereits eine halbvollendete Eisenbahn auf das begonnene Werk. Loschwitz ist damit zwar in die Reihe der Bahnstationen aufgenommen worden, aber es wird darüber nicht recht froh werden. --- Welch' enorme Kiesmassen überhaupt in diesem Jahre auf der kurzen Strecke der Elbe in der Nähe von Dresden entnommen werden, zeigen die gegenüber der Terrasse zum Bau des F i n a n z m i n i st e r i u m s aufgehäuften Wälle, wie auch neuerdings die unterhalb der Marienbrücke gewonnenen Tausende von Kubikmetern, welche nunmehr auch an dem ersten Landbogen der Marienbrücke, entlang der Weißeritz, aufgeschüttet werden. Die Zufuhr erfolgt mittelst eines Bauzuges. Zur Bewältigung des Materials ist von den Bauunternehmern eine große Zahl fremder Arbeiter, deren Frauen zum Theil sich an der Arbeit betheiligen, angestellt worden. [DN 16.6.1891]
   L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e n b a u. In der vergangenen Woche wurde die Fundamentplatte der Loschwitzer Ankerkammer fertig gestellt und damit gewissermaßen der Grundstein zur neuen Brücke gelegt. Eine offizielle Feier unterblieb, weil solche bei Ausführung des Loschwitzer Pilonenpfeilers stattfinden soll. Die Fundamentplatte ist bestimmt, die Lasten der Mauerkörper und Eisentheile aufzunehmen und auf den Untergrund zu übertragen (rechnungsmäßig ergeben sich für jedes Qu.-Meter ca. 200,000 Kg. Belastung), außerdem soll sie eine Abdichtung gegen das Grundwasser bilden und dem bei Hochwasser eintretenden höchsten Wasserdruck von 8,2 Meter Höhe widerstehen. In Rücksicht auf die sehr hohe Beanspruchung der Platte hat man sich entschieden, für dieselbe das zuverlässigste Baumaterial der Neuzeit, Portlandcement-Stampfbeton, zu verwenden und die Arbeit an einen Spezialisten zu vergeben. Den Zuschlag erhielt in engerer Wahl die durch ihre vielseitigen Betonausführungen bekannte Firma: Cementwaarenfabrik Cossebaude, Windschild und Langelott in Cossebaude bei Dresden, welche den Bau in sehr kurzer Zeit fertigstellte. Die Platte hat bei 1,50 Meter Stärke ein Gewicht von rund 1,600,000 Kg.. Die übrigen Bauarbeiten machen trotz der anhaltend ungünstigen Witterung recht erfreuliche Fortschritte. Das aufgehende Mauerwerk zur Loschwitzer Ankerkammer, welches die Baumeister Schumann und Nicolaus ausführen, ist schon in Angriff genommen, die Ausschachtung des Pilonenpfeilers ist bis auf Grundwasser gefördert, die Erdarbeiten für die Fluthbrücke und Unterführung sind sehr weit gediehen und auf Blasewitzer Seite sind die Abbrucharbeiten, Uferregulirung und damit zusammenhängende Schleusen- und Straßenumbauten nahezu vollendet. Die Leitung der gesammten Bauarbeiten liegt in den besten Händen. Für den Steinbau sowohl wie für die Eisenkonstruktion sind Beamte gewählt, welche eine große, erfolgreiche Praxis hinter sich haben; es wird deshalb die Brücke nicht allein ein gutes und sicheres Verkehrsmittel werden, sondern auch der ganzen Gegend zur Zierde gereichen. Bezüglich des letzten Punktes steht zu hoffen, daß die Tugend der Sparsamkeit nicht allzusehr geübt und den Herren Entwerfern in der künstlerischen Ausgestaltung des Bauwerkes keine zu enge Grenze gezogen wird. [DN 23.6.1891]

   Herr Posthalter Hofmann hat die Omnibusverbindung mit "W e i ß e r  H i r s ch" so vorzüglich eingerichtet, daß die früher oft gehörte Klage über schlechte Verbindung gar nicht mehr aufkommen kann. Vielfachen Wünschen der Hirsch-Bewohner entgegenkommend, läßt Herr Hofmann den sogen. Theater-Omnibus auch während der Theaterferien zu bestimmten Zeiten nach "Weißer Hirsch" und wieder zurück gehen. [DN 30.6.1891]

   B l a s e w i tz. Der Schillerplatz hat in Folge des nunmehr in Angriff genommenen Brückenbaues schon ein sehr verändertes Aussehen angenommen, welches die künftige Gestaltung dieses Theiles des vielbesuchten ländlichen Dresdner Vorortes bereits genügend erkennen läßt. Am Schillergarten entwickeln sich bereits die denselben nach dem Schillerplatze zu wieder abschließenden Interimsbauten. Auf der gegenüberliegenden Seite sind sämmtliche Häuser von der Elbe bis hinauf zum Goethegarten zum Theil bereits niedergelegt, zum Theil im Abbruch begriffen. Das aufsteigende, neue, von den Herren Petzold und Schurz ausgeführte Haus des Herrn Bäckermeister Grahl läßt bereits die künftige Frontlinie zur Geltung kommen. Der Goethegarten, in dessen nächster Tage niederzulegenden älteren Gebäuden morgen die Versteigerung eines großen Theils des Mobilars beginnt, hat zum ferneren Betriebe eine praktische Umgestaltung erfahren, indem der stehenbleibende große Saal in zwei freundliche und elegant ausgestattete Räumlichkeiten umgewandelt worden ist und für die sonst erforderlichen Lokalitäten durch passende Veränderungen der stehenbleibenden Reste der älteren Bauwerke Ersatz geschaffen worden ist. [DN 6.7.1891]
   Durch den anhaltend hohen Wasserstand der Elbe ist für den L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r Brückenbau eine sehr unliebsame Störung und Hemmung entstanden. Die Pfeilergründung auf Loschwitzer Seite steht vollständig unter Wasser und sind die Pumpmaschinen jetzt nicht im Stande, die Wassermassen zu beseitigen, weil die Fluth des Stromes beinahe den Damm überspült, welcher die Ausschachtung vom Elbstrom trennt. Dieser Damm ist der Gefahr ausgesetzt, hinweggespült zu werden. An den Wänden der Ausschachtungen finden fortwährend Abrutschungen statt. [DN 10.7.1891]
   Man schreibt uns aus Bühlau: Das neuliche über Rochwitz Gesagte kann ganz besonders auch von dem bereits mit W e i ß e r  H i r s ch zusammenhängenden B ü h l a u gelten. Alles fühlt hier, daß für unsere gesammte Gegend eine neue Aera beginnt. Die Fertigstellung des prächtigen Gasthauses "Weißer Adler" hat bereits einen großen Verkehr hierher gelenkt, besonders des Sonntags strömen Tausende und übertausende nach unseren ozon- und aussichtbietenden Höhen. Es kann uns nur mit Wohlbehagen erfüllen, wenn die Städter einmal über das andere entzückt ausrufen: Welch' herrliches, unvergleichliches Landschaftsbild! Man gehe nur vom Adler auf der Chaussee entlang, ungefähr 5 Minuten weiter und man wird ein herrliches Panorama des Dresdner Thalkessels und Erzgebirges finden, welches vom Schneeberg, Mückenthurm und Geising im Hintergrunde begrenzt wird. Ebenso schön ist aber auch das Bild im Vordergrunde mit dem neuerstandenen Orte Kamerun, dann Rochwitz und den abwechselnden bunten Landschaften am Loschwitzgrunde entlang. Wenn die neue Brücke fertiggestellt und die Drahtseilbahn genehmigt sein wird, dürfte der Verkehr noch viel bedeutender als jetzt werden. In dieser Voraussetzung hat sich auch hier bereits die Bauthätigkeit gehoben. Auch in unserer Gemeinde beginnt man, neue Straßen anzulegen und unser Bühlau vergrößert sich fast zusehends. Es war auch hohe Zeit, da an besseren Sommerwohnungen wirklich ein recht empfindlicher Mangel obwaltete und manche Familie, die gern während der Sommermonate hier geweilt hätte, kein für sie passendes Logis erhalten konnte. [DN 2.8.1891]

   Der jetzt Geltung habende Fahrplan der Omnibusverbindung W a l d s ch l ö ß ch e n - W e i ß e r  H i r s ch und umgekehrt bleibt auch nach dem 30. Sept. bis auf Weiteres noch in voller Ausdehnung in Kraft. Der in Folge dessen später beginnende Winterfahrplan umfaßt je 8 Fahrten täglich und wird das Nähere darüber in den "Dresdner Nachrichten" bekannt gegeben werden. [DN 30.8.1891]

   Die Hauptarbeiten beim Bau der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e bestehen zur Zeit in der Regulirung der Zufahrtsstraßen in beiden Orten, sowie in Vorarbeiten zum Bau der beiderseitigen Landpfeiler. Die letzteren werden durch Maschinen und zahlreiche Arbeitskräfte gefördert, welche mit der Herstellung einer Bettung und der Einrammung eines Schutzes gegen die anspülenden Wasserwogen beschäftigt sind. [DN 1.9.1891]
   Wohl seit nahezu 20 Jahren haben die Anwohner der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b u f e r die Zeit sehnlichst herbeigewünscht, wo die schon lange projektirte Elbbrücke in Angriff genommen werden wird. Dieser Zukunftstraum beginnt jetzt in Erfüllung zu gehen. Hunderte fleißige Hände regen sich an den romantisch gelegenen Ufern und man hofft die Brücke noch vor Ablauf zweier Jahre fertigstellen zu können. Am vergangenen Sonnabend wurde die Aufstellung des Blasewitzer Ausladegerüstes, welches ebenso wie in Loschwitz dazu bestimmt ist, Steine sowie überhaupt Arbeitsmaterial jeder Art aus den Elbzillen auszuladen, beendigt. Von hier aus werden diese Materialien auf einem Schienenstrange an ihren Bestimmungsort befördert. Bedeutend interessanter und weiter fortgeschritten sind die Arbeiten auf der Loschwitzer Seite. Der Bauplatz erstreckt sich hier schon weit bis in's Dorf hinein. Vorn am Elbufer sind die Betonschichten für den Loschwitzer Pilonenpfeiler in der Mauerung vollendet worden, während man am Sonnabend an dieser Stelle mit dem Bau des Versetzgerüstes begonnen hat. Die noch in Arbeit befindliche Ankerkammer wird aus lauter hartgebrannten Kunstziegeln hergestellt. Dieselben besitzen eine bedeutende Festigkeit und müssen einen kolossalen Druck aushalten. Interessant ist auch eine von den zahlreichen italienischen Arbeitern hergestellte gewölbeartige Wegunterführung nur aus Granit, welche eine wahrhaft bombensichere Festigkeit hat und welche gleichzeitig zur Ableitung des Wassers bei eventuell eintretendem Hochwasser dienen soll. Sämmtliche Mauerungen werden mit Oppelner Cement ausgeführt, und Tag und Nacht arbeitet eine von einer Lokomotive getriebene Wasserpumpe, um das noch innerhalb der Mauern befindliche Wasser dem Elbstrom zuzuführen. Die Bauarbeiten auf Loschwitzer Seite werden durch Herrn Baumeister Nikolaus geleitet. 150 Arbeiter sind thätig zur Bewältigung der gestellten Aufgaben, doch wurden auch schon zu Zeiten über 200 Mann beschäftigt. Auf der Blasewitzer Seite sind gegenwärtig zur Förderung der dortigen Arbeiten etwa die Hälfte der Arbeiter nöthig. [DN 16.9.1891]

   Aus L o s ch w i tz wird mitgetheilt, daß für diesen Ort die Errichtung einer Centralstelle für Erzeugung elektrischer Karft nunmehr, nachdem bei der Firma Kummer und Co. bereits 1200 Glühlampen, 60 Bogenlampen und 60 motorische Pferdekräfte angemeldet worden sind, zur Thatsache werden dürfte. In vergangener Woche hielt ein Vertreter der genannten Firma, Herr Dr. Corsepius, im dortigen Ortsverein einen Vortrag über Elektrizität und über die Errichtung einer Centralstelle in Loschwitz, worauf Herr Kummer selbst u. A. erklärte, daß er die Leitung, soweit sie sich auf der Straße befindet, auf seine Kosten erbauen will, während die Betheiligten nur die Kosten für Herstellung der Leitungen nach und im Hause, sowie für den Beleuchtungskörper zu tragen haben. Für die Bewohner von Weißer Hirsch war es noch besonders interessant, zu hören, daß mit Errichtung jener Centralstelle die Anlage einer elektrischen Bahn  durch den Loschwitzgrund nach W e i ß e r  H i r s ch leicht ermöglicht werden könne. [DN 30.9.1891]

   Der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r Brückenbau schreitet rüstig vorwärts. Der Pfeiler auf Loschwitzer Seite ist fertigt gestellt und wird seines Holzgerüstes entkleidet. Derjenige auf Blasewitzer Seite geht seiner Vollendung in den nächsten Tagen entgegen. Es ist also Hoffnung vorhanden, daß der nächste Winter nicht mehr nöthig haben wird, die so lang ersehnte Brücke wieder aus Eisschollen zu bauen, um die vom Weltverkehr abgeschnittenen Loschwitzer Einwohnern zu versöhnen. [DN 6.12.1891]
   Jetzt ist auch der Brückenpfeiler auf dem B l a s e w i tz e r  E l b u f e r vollendet. Die Hauptaufgabe dieses Jahres, den Brückenbau soweit zu fördern, daß man der Gefahr eines Hochwassers ruhig entgegen gehen kann, ist somit erreicht worden. Wenn das milde Wetter noch länger anhält, werden auch die Zufahrtsstraßen bis zum Frühjahr fertig gestellt werden können. [DN 13.12.1891]

1892
Brückenbau, Projekt Drahtseilbahn, Projekt Eisenbahn nach Weißer Hirsch

   Wie es scheint, findet der Plan, Loschwitz mit dem W e i ß e n  H i r s ch mittels Drahtseilbahn zu verbinden, doch noch seine Verwirklichung, da Ingenieure aus der Schweiz, jetzt damit beschäftigt sind, die betr. Linien abzustecken und Vermessungen vorzunehmen. [DN 23.12.1891]

   Der Gemeinderath in Blasewitz ist dem Vorschlage des Loschwitzer Gemeinderathes, die im Bau begriffene E l b b r ü ck e  d u r ch  e l e k r i s ch e s  L i ch t zu beleuchten, beigetreten. [DN 9.2.1892]

   Nicht unbemerkt geblieben ist die Schärfe, mit welcher sich am Montag in der 1. Kammer Herr Oberbürgermeister Dr. S t ü b e l gegen das Verwalten der Staatsbehörden wendete, welche bisher alle Gesuche um eine Drahtseil- oder Zahnradbahn auf den W e i ß e n  H i r s ch durchaus ablehnend behandelt haben. Oberbürgermeister Dr. Stübel wies auf die stets wachsende Bedeutung des vor einigen Jahren in der Nähe von Dresden "entdeckten" Luftkurortes Weißer Hirsch hin. Wohl würde die Bahn nach Dürröhrsdorf, wenn sie einmal gebaut würde, auch diesen Luftkurort erreichen, aber sie werde viel weiter sein, als die Luftlinie Dresden-Weißer Hirsch und sie werden dem Luftkurort ebensowenig einen wirklichen Nutzen gewähren, wie die früher gewünschte Straße von Dresden an der Elbe hin nach Loschwitz. Das gegenüber diesem liegende Blasewitz sei jetzt schon durch 2 Pferdebahnlinien mit Dresden verbunden, im Laufe des Sommers werde eine dritte elektrische Linie hinzutreten, aber es sei unmöglich, den Weißen Hirsch mittels einer bequemen Straße von Loschwitz aus zu erreichen. Da biete sich nun das im Auslande vielbenutzte System der Drahtseil- oder Zahnradbahnen dar. Mehrere derartige Projekte lagen schon der Regierung vor und er müsse es lebhaft bedauern, daß bis jetzt die Regierung sich dem gegenüber so ablehnend verhalte. Er wolle jetzt nicht eine Erklärung von der Regierung herausholen, aber er spreche im Namen eines großen Theiles der Bevölkerung den Wunsch aus, daß die Regierung einer direkten Verbindung zwischen Dresden und dem Weißen Hirsch möglichst wenig Hindernisse in den Weg lege. --- Wenn man weiß, wie in der Schweiz und im alpinen Hochgebirge überhaupt oder auch sonst (Kahlenberg bei Wien u. s. w.) Drahtseil- und Zahnradbahnen seit vielen Jahren bestehen und bestens im Betrieb sind, ohne daß sich Unglücksfälle ereignet hatten, der kann zu den Bedenken unserer Behörden, welche immer nur ein "Nein!" haben, nur den Kopf schütteln. In diesem Stücke sind wir "hellen" Sachsen nicht an der Spitze, sondern wir trotten hinter den Anderen einher. [DN 24.3.1892]
   Die vor Kurzem in der ersten Kammer von Herrn Oberbürgermeister Dr. Stübel erfolgten Aeußerungen bezüglich der Verkehrsverhältnisse nach dem schönsten und gesündesten Theile unserer Dresdner Umgegend haben im ganzen L o s ch w i tz e r  E l b g e l ä n d e eine ungemein freudige und hoffnungsvolle Erregung hervorgerufen, welche sich auch durch öffentliche Danksagungen in verschiedenen Blättern kundgethan hat. Wenn man sich in benannter Gegend, die mit Recht eine Bevorzugung verdient, die Verkehrsverhältnisse etwas genauer ansieht, so muß man unbedingt zugeben, daß eine Aenderung dringendes Bedürfniß ist. Beonders nach den herrlichen Höhen und der Dresdner Haide hin liegen die Fahrverbindungen ungemein im Argen oder sind wenigstens für Viele zu kostspielig. Nach Blasewitz-Loschwitz gelangt man durch 2 Pferdebahnlinien, bald auch eine dritte elektrische, wie auch halbstündige Dampfschifffahrten auf sehr billige und bequeme Weise. Wie aber sollen von da aus ältere oder schwache Personen bergaufwärts ein Weiterkommen finden? Nach Dresdens Juwel, der gesundmachenden und erhaltenden Haide, hin ist alle Gelegenheit abgeschnitten und nur gesunde Lungen können den Aufstieg nach den Höhen der Bautzner Chaussee fertig bringen. Andernfalls würden Sonntags Tausende nach dieser Richtung ihre Schritte lenken und die Waldorte bevölkern. Ebenso verhält es sich mit den Sommerfrischlern. Weißer Hirsch, Bühlau u. s. w. würden einen noch viel bedeutenderen Zuspruch haben als bisher, wenn endlich eine bessere Verbindung geschaffen würde. Wer es weiß, was nur ein paar Wochen Aufenthalt in der prächtigen Höhenluft für den Städter bedeuten, der muß im Interesse der vielen Bedürftigen, bei denen Zeit Geld ist, das heutige schlechte Fortkommen gerade nach dieser Gegend sehr bedauern. Die Bewohner von Loschwitz, Weißer Hirsch und Bühlau wissen recht gut, was ihren Orten fehlt. Sie können deshalb das Zaudern der maßgebenden Behörden gar nicht recht fassen, welche schon von verschiedenen Seiten um Concessionirung von Drahtseilbahnen nach dem Höhenplateau angegangen worden sind und trotz der Nothwendigkeit von wenigstens einer solchen von keiner Seite etwas Hoffnungserweckendes vernehmen können. Welch' schönes gesundes Terrain würde eine solche Bahn erschließen? Wie würde die Baulust auf den Bergen erwachen! Welch' anmuthige Gegend würde dadurch Touristen, Sommerfrischlern und Kranken zugänglich gemacht! Nun, noch ist es nicht zu spät. Vielleicht bringen schon die nächsten Tage die frohe Kunde: das Königliche Ministerium des Innern hat die Anlage einer Drahtseilbahn nach dem Höhenplateau bei Loschwitz genehmigt! Solche Nachricht würde für die Tausenden von Interessenten die schönste Festesfreude werden. [DN 9.4.1892]

   Der Omnibus-Fahrplan "W e i ß e r  H i r s ch" ist vom 1. Mai bis zum 15. Oktober folgendermaßen festgestellt: Die Abfahrten vom Waldschlößchen erfolgen von früh 6 Uhr bis Abends 9 Uhr zu jeder vollen Stunde, die Abfahrten von Weißen Adler bez. Weißen Hirsch von früh 7 Uhr bis Abends 9 Uhr ebenso zu jeder vollen Stunde. Vom 1. Juni ab bis 1. Oktober werden in diesem Turnus noch von 10 Uhr ab halbstündige Abfahrten eingerichtet; es bleibt aber der letzte Wagen von Dresden der um 9 Uhr abgehende, vom Weißen Hirsch fährt dagegen ein Wagen noch um 10 Uhr nach Dresden bis zum Omnibushof. Mit Benutzung der Pferdebahnlinien Postplatz-Waldschlößchen oder Reichsstraße-Bautznerstraße-Waldschlößchen kosten direkte Billets 15 Pfg., die bei den Kondukteuren zu lösen sind. Im Theaterwagen Schloßplatz-Weißer Hirsch kostet die Fahrt 50 Pfg.. Vom Waldschlößchen bis Weißer Hirsch oder Weißer Adler kostet die Tour für Erwachsene 30 Pfg. und für Kinder 20 Pfg.. [DN 28.4.1892]

   B ü h l a u  b. Weißer Hirsch. Unser Ort macht alle Anstrengungen, mehr und mehr Bedeutung zu erlangen, wozu er auch durch seine herrliche, waldige Höhenlage vollständig berechtigt ist. Die Staatswaldung zwischen hier und Ullersdorf ist die schönste und duftigste unserer ganzen Dresdner Haide und zieht allsonntäglich unzählige Spaziergänger hierher, welche die Waldluft zu schätzen wissen. Neues Leben wird aber die Staatsbahn, wie auch die erhoffte Drahtseilbahn in unsere Gegend bringen, nach deren Fertigstellung es außer allen Zweifel steht, daß Bühlau wegen seiner Höhenlage und wegen seines Waldduftes eine sehr bevorzugte nahe Sommerfrische werden wird. --- Links der Bautzner Chaussee liegt in unserem Orte ein herrliches gesundes Bauterrain. Dieses wird nun neuerdings erschlossen. Eine zweite neue Straße, "Waldparkstraße" genannt, die ebenfalls direkt nach der Haide führt, ist heute dem Verkehr übergeben worden und in Kürze werden sich Villen an derselben erheben. Weitere fünf Straßen sind in dieser Gegend geplant, unter denen die zunächst herzustellende, die 13 Meter breite König-Albert-Allee, eine Musterstraße werden wird. Wir hoffen, daß unser Ort auf dem eingeschlagenen Wege weiter vorwärts schreitet der leidenden Menschheit zum Segen und der Gemeinde selbst zum Wohle. [DN 10.5.1892]

   Seit einigen Tagen ist B l a s e w i tz mit L o s ch w i tz durch das Brückenbaugerüst thatsächlich verbunden. An der Fertigstellung der Eisenconstruktion wird wacker gearbeitet und in nicht allzuferner Zeit rollen die Pferdebahnwagen über die neue Brücke, um Fahrgäste zur weiteren Beförderung der Loschwitz-Weißer-Hirsch-Bergbahn zu übergeben. Man ist berechtigt, sich auch letzterer Hoffnung hinzugeben, da die finanzielle und technische Seite dieses Unternehmens gesichert ist und es nur noch der behördlichen Genehmigung bedarf, um den fraglichen Bahnbau in Angriff zu nehmen. Um so weniger man an dieser Genehmigung zweifeln zu können glaubte, als die projektirte Bahn ein wirkliches Verkehrsbedürfniß ist, um so mißlicher erscheint es, daß die zuständige Behörde, welcher das fragliche Bahnprojekt seit über einem halben Jahre vorliegt, sich hierüber völlig ausschweigt, so daß es den Anschein hat, als wolle sie sich gegenüber diesem Unternehmen ablehnend verhalten. Da diese Eventualität von verwaltungsrechtlichem Standpunkte sich wohl kaum begründen lassen dürfte, so sieht man allgemein der Bekanntgabe der zu treffenden Entschließung entgegen. [DN 9.7.1892]

   Während andere Landestheile die Ankündigung: es kommen Staatsingenieure, um sich die Gegend für einen Eisenbahnbau anzusehen, mit ungetheilter Freude aufnehmen, hat die gleiche Nachricht auf dem W e i ß e n  H i r s ch nur gemischte Gefühle hervorgerufen. Zunächst würden im allergünstigsten Falle mindestens 4 Jahre noch in's Land gehen, ehe der Weiße Hirsch eine Eisenbahn erhielte, denn vor 1 1/2 Jahren tritt nicht der Landtag zusammen, der seine Genehmigung zum Staatsbahnbau zu ertheilen hat und dann dauerte dieser doch mindestens noch sein halbes Jährchen. Ist es denn aber nothwendig, daß der Weiße Hirsch so lange noch auf die ersehnte Bahnverbindung warten muß? Als Privatunternehmen wäre so eine Bahn dahin längst entstanden oder könnte binnen Jahresfrist bequem fertig sein. Leider aber hat das Finanzministerium, wie wir mit Bedauern vernehmen, vor Kurzem noch ein sehr sorglich ausgearbeites Projekt einer Drahtseilbahn vom Burgberg in Loschwitz nach dem Weißen Hirsch abermals abgelehnt. Es scheint daß man in Sachsen grundsätzlich kein Bergbahnprojekt, sei es Drahtseil, sei es Zahnradbetrieb, concessionirt und unser Land muß in diesem Stücke hinter der Schweiz, den Rheinlanden und Oesterreich zurückstehen. Die Zahnrad- und Drahtseilbahnen auf dem Rigi, Pilatus, Monte Salvatore, auf den Drachenfelsen am Rhein und dem Kahlenberg bei Wien, um nur diese zu nennen, sind seit Jahren  in ungestörtem Betriebe, zur Freude des Publikums, zum Nutzen der Gegend, zur Ehre ihrer Erbauer. Warum mag man sich bei uns nur so gegen diese Art des Bahnbaues und -Betriebes stemmen? Er stellt doch dem Schaffensgeist der Ingenieure und Techniker edle Ziele, anregende, befeuernde Aufgaben! Wenn der Staat die Thatkraft seiner technischen Beamten nicht gern in diese Geleise abschwenken sahe, nun, so gebe er den Privatingenieuren freien Spielraum, sich zu entfalten und an Aufgaben zu wagen, die außerhalb der gewöhnlichen Schablone liegen! Eine solche Concurrenz kommt aller Welt zu Gute! In erster Linie erwarten also die Bewohner der Hochebene oberhalb Loschwitz eine Drahtseilbahn, binnen Jahresfrist erbaut von Privatunternehmern und zwar hergestellt im Anschluß an die Loschwitz-Blasewitzer Elbbrücke und als Fortsetzung der 3 in Blasewitz mündenden Straßenbahnen. Es heißt aber, der Staat werde grundsätzlich keine Privatbahn concessioniren, er werde in seinem abgerundeten Staatsbahnsystem keinem Privatunternehmer sich einnisten lassen, sondern er wolle Alles selbst bauen. Als unser Königreich Sachsen die Leipzig-Dresdner-Bahn und alle anderen Privatbahnen ankaufte, hat Niemand an einen derartigen ausschließlichen Staatsbahnbetrieb gedacht. Wir haben seiner Zeit den Uebergang unseres Landes zum Staatsbahnbetrieb für sehr nützlich gehalten und nach Kräften unterstützt, wir halten auch heute noch den Staatsbahnbetreib für den der Allgemeinheit heilsamsten, aber daß nun nirgends und auch da nicht, wo ganz besondere Fälle vorliegen, eine Ausnahme gemacht und daß das Privatkapital grundsätzlich von seiner Bethätigung an hervorragenden Bahnbauten zurückgescheucht werden soll, das geht doch zu weit. Wenn der Staat für die thunlichst schnelle Verwirklichung eines Projektes zur Zeit keine Neigung hat, so mag er die Concession doch wenigstens auf eine Reihe von Jahren an Private geben, nach deren Ablauf er sich die Erwerbung der Bahn unter gewissen Bedingungen vorbehält. Was bietet der Staat im vorliegenden Falle? Ein Projekt ist in Vorbereitung, das Loschwitz ganz links liegen läßt und auf eine Drahtseilbahn ganz verzichtet; d. h. der Staat will eine schmalspurige Sekundärbahn bauen, die am rechten Elbufer, gegenüber dem Großen Gehege, unterhalb der Marienbrücke anfängt, dann unter sämmtlichen 4 Elbbrücken durchführt, unter der Marienbrücke, längs des japanischen Gartens, unter der Augustusbrücke, längs des künftigen Finanzministeriums (!), unter der neuen vierten Brücke und der Albertbrücke, die dann am Ufer über die Elbwiesen hinweg führt bis zu den Waldschlößchen-Wiesen, hier bis zur Bautzner Chaussee emporsteigt und neben derselben, mehr oder weniger nahe, bis zum Weißen Hirsch einher läuft und über Bühlau nach der Hochebene von Schönfeld führt. In gewissem Sinne bietet dieses Projekt mehr als das einer blosen Drahtseilbahn Burgberg-Weißer Hirsch; seine Fortsetzung nach Bühlau und Schönfeld, vielleicht später noch zum Anschluß an die schon bestehende Bahn ist sogar eine sehr annehmbare Seite, aber umso seltsamer ist die betreffende Strecke innerhalb Dresdens. Vor Allem ist klar, daß der Körper der Bahn von der Marienbrücke bis zu den Waldschlößchen-Wiesen dem Hochwasser ausgesetzt werden muß. Die Neustädter Ufer werden eben zu gewissen Zeiten unvermeidlich überschwemmt, die geplante, unter den Neustädter Landpfeilern hindurchzuführende Uferbahn wird also zeitweilig unter Wasser stehen, nicht im Betrieb sein und nach Abfluß des Wassers stets sorglich nach etwaigen Schäden untersucht werden müssen. Die betreffende, der Ueberschwemmung ausgesetzte Strecke ist über 1 Kilometer lang. Eine Verbindung mit dem Neubau des Leipziger Bahnhofs scheint nicht vorgesehen, auch von Haltepunkten an den vier Brücken verlautet nichts; doch ließe sich das dazu Nothwendige wohl noch beschaffen. Gegen einen Eisenbahnbetrieb innerhalb Dresdens können nur demjenigen Bedenken beigehen, der solche Dampfbahnen in Kassel, Hamburg und anderen Städten noch nicht gesehen hat. Daß die Bahn, soweit sie neben der Bautzner Chaussee einherläuft, den Wagenverkehr auf der Letzteren bisweilen stören wird, ist wohl richtig, aber wäre kein durchschlagender Gegengrund, sondern müßte mit in den Kauf genommen werden. Die Sekundärbahnen auf dem Lande laufen ja auch oft lange Strecken auf oder neben der Landstraße einher und die Pferde gewöhnen sich mit der Zeit an den Dampf und den Eisenbahnverkehr. Aber warum dies Alles? Wird nicht jedem Bedürfniß entsprochen, wenn von Loschwitz eine Drahtseilbahn die Höhe des Weißen Hirsches erklimmt? Hier mag nun der Staat, wenn er patout nicht selbst eine solche Drahtseilbahn bauen will, einsetzen und vom Hirsch ab über die Hochebene nach Schönfeld und zum weiteren Anschluß an die bestehende Staatsbahn bauen. Die Entwicklung, welche der "Weiße Hirsch" als Luftkurort in den letzten zehn Jahren genommen hat, gebietet es zweifellos, daß die staatlichen Organe der Verwirklichung diese Bahnprojektes ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Die großen Aufgaben, welche denselben in den großen Bahnhofsumgestaltungen in Dresden für die nächsten Jahre erwachsen, dürfen in keinem Falle das Interesse für andere Dinge ganz schwinden lassen. [DN 28.7.1892]

   Gegen 30 Schlosser und Schmiede, die beim L o s ch w i tz e r Elbbrückenbau beschäftigt sind, haben die Arbeit eingestellt, weil ihnen eine Lohnforderung nicht bewilligt worden ist. [DN 16.8.1892]
   Der langjährige Ausschiffungsplatz der Gemeinde B l a s e w i tz ist derselben infolge des Elbbrückenbaues entzogen worden. Als Ersatz hiefür soll sie von dem Uferraume unterhalb der neuen Brücke einen gleich großen Platz erhalten, der demnächst begrenzt werden soll. [DN 28.8.1892]
   Am Sonntag Mittag gegen 12 Uhr gerieth das Gerüst der B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  B r ü ck e auf der Loschwitzer Seite in Brand. Die Flammen schlugen mächtig durch das dichte Balkenwerk empor. Das Feuer ist wahrscheinlich durch umherspringende Funken der Feldschmiede, die sich auf der Höhe der Brücke befindet, entstanden. Zwei Spritzen, die ununterbrochen am Elbufer auf die Dauer des Brückenbaues zur Benutzung bereit stehen, wurden auch sofort in Thätigkeit gesetzt, und somit wurde dem Feuer Einhalt gethan, das in dem trockenen, von der Tageshitze erwärmten Gebälk großen Schaden hätte anrichten können. [DN 1.9.1892]
   Von einem Brückenthurme des Loschwitz-Blasewitzer Brückenbaues stürzte Mittwoch Abends der S ch l o s s e r  E i l e n b e r g e r aus Hamburg unglücklich herab und mußte schwerverletzt vom Platze getragen werden. [DN 3.9.1892]
   Bekanntlich wurde in Loschwitz in der am 31. August d. J. abgehaltenen öffentlichen Gemeinderathssitzung in Sachen der Ueberführung der Straßenbahn von Blasewitz über die E l b b r ü ck e  n a ch  L o s ch w i tz beschlossen, den vereinigten Straßenbahngesellschaften keinerlei Concessionen zu ertheilen. Daraufhin wandten sich die vereinigten Pferdebahngesellschaften an die Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt mit der Bitte, hier vermittelnd einzutreten, was zur Folge hatte, daß am Dienstag Nachmittag im Gasthof Demnitz unter dem Vorsitze des Königl. Regierungsrathes Herrn Dr. Uhlemann Dresden eine Sitzung stattfand, an welche auch der Gemeinderath von Blasewitz, sowie die beiden Herren Direktoren der Straßenbahngesellschaften theilnahmen. Die Verhandlungen führten dahin, daß sich auch die Gemeinde Loschwitz schließlich im Prinzip für die Ueberführung der Pferdebahn nach Loschwitz erklärte. Ueber die näheren Bedingungen, wie Festsetzung des Fahrpreises etc. wird die Gemeinde demnach mit den vereinigten Pferdebahngesellschaften verhandeln. [DN 17.9.1892]

   B ü h l a u  b. Weißer Hirsch. Obgleich schon von vielen Seiten alle Hoffnung auf eine Verbindung unserer Höhen mit dem Elbthale und der anschließenden Pferdebahnlinien aufgegeben war, haben uns die letzten Tage neue Aussichten eröffnet. Es ist eine unzutreffende Auffassung, wenn die Ansichten Einzelner dahin gehen, gewisse Fahrgelegenheiten könnten die Frequenz eines Ortes ablenken und diesen dadurch indirekt schädigen. Nach längst erbrachten Beweisen hat bis jetzt jede Verkehrserleichterung nur mehr Leben in einem Ort und demselben Blüthe und Wohlstand gebracht. Es berührt deshalb im höchsten Grade angenehm, daß sich ein Komitee konstituirte, welches die Angelegenheit einer D r a h t s e i l b a h n v e r b i n d u n g Loschwitz-Weißer Hirsch im Interesse aller an der Dresdner Haide gelegenen Ortschaften kräftig zu fördern suchen wird. Auch Herr Oberbürgermeister Dr. Stübel, der unserer Gegend so große Sympathien entgegenbringt und deren gesunde Lage erkannt hat, gehört zu unserer großen Freude diesem Komitee an. Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß sich beide Bahnunternehmungen, daß des Staates sowohl wie auch die Drahtseilbahn, gegenseitig in die Hände arbeiten und sich selbst den Verkehr erhöhen. [DN 27.9.1892]

   Der Gemeinderath von L o s ch w i tz hat beschlossen, mit den beiden Dresdner Straßenbahn-Gesellschaften, der englischen und der deutschen, wegen Verlängerung ihrer Dresden-Blasewitzer-Linien über die Blasewitz-Loschwitzer Elbbrücke bis in die Loschwitzer Flur nicht weiter zu verhandeln, da dieselben den Bedingungen der Gemeinde sich nicht fügen wollen. Man ist nun gespannt, auf welche Weise noch eine Einigung beider Theile herbeigeführt werden wird. --- Herrn Ingenieur K i tz l e r in Dresden, der eine Straßenbahn, eventuell unter Verwendung der Elektrizität als fortbewegende Kraft, zwischen Loschwitz, Bühlau und Weißer Hirsch durch den Loschwitzgrund herstellen will, hat der Gemeinderath von Loschwitz unter dem Bedeuten, daß er etwaiger Beiträge von der Gemeinde nicht zu erwarten habe, nun anheimgegeben, die erforderlichen Pläne auszuarbeiten und darzulegen.

   Der Ortsverein zu L o s ch w i tz feierte in voriger Woche sei zehnjähriges Bestehen, wozu eine Hauptversammlung im Saale des Rathhauses stattfand, der eine zwanglose Unterhaltung ebenda folgte. Herr Fabrikdirektor Schluttig, der derzeitige Vorsitzende, berichtete über die seitherige Thätigkeit des Vereins. Der Initiative des letzteren sind insbesondere das Projekt der nun ihrer Vollendung entgegengehenden Blasewitz-Loschwitzer Elbbrücke, das Ludwig-Richter-Denkmal, ein Führer durch Loschwitz und Umgebung mit Situationsplan, die Planung eines Promenadenweges am Elbufer zwischen Loschwitz und Wachwitz, sowie noch manche andere gemeinnützige Einrichtung zu verdanken. Zu solchen Zwecken verausgabte der Verein bisher 5474 Mk. 54 Pfg. von seiner Gesammteinnahme an 6337 Mk. 73 Pfg.. Besondere Verdienste um den Verein erwarben sich der frühere Vorsitzende und eigentliche Gründer desselben, Herr Fabrikbesitzer und Bezirksanstaltsdirektor Schnorr von Carolsfeld, dann Herr Gemeindevorstand a. D. Strauß, sowie der derzeitige obengenannte Vorsitzende. Ihrer gedachte Herr Gemeindevorstand Weigert auch noch besonders, als er dem Verein für sein uneigennütziges Wirken den Dank der Gemeinde Loschwitz aussprach. [DN 5.11.1892]

   Die gestrige Notiz über die Verhandlungen der Gemeinde L o s ch w i tz mit der Deutschen und Englischen Pferdebahn wegen Verlängerung der Bahnen über die Blasewitz-Loschwitzer Brücke sind keineswegs abgebrochen worden, weil die betreffenden Verwaltungen der Straßenbahnen sich nicht hätten fügen wollen, sondern die Direktoren der Pferdebahnen haben die Verhandlungen abgebrochen, weil die seitens des Gemeinderaths zu Loschwitz gestellten Bedingungen geradezu unerfüllbar waren und jeder weitere Vereinigungsschritt unnütz erscheinen mußte. [DN 6.11.1892]

   Die neue L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e soll erst am 1. Juli 1893 dem öffentlichen Verkehr übergeben werden, doch will man bei Eisgang einen Interims-Uebergang schaffen. Die vier Eisenthürme dienen als Beobachtungsstationen. Die 279,?? Meter lange Brücke kostet ca 2 1/2 Millionen Mark. [DN 10.11.1892]
   L o s ch w i tz. Das Gesuch des hiesigen Gemeinderathes an die zuständige Behörde, für diesen Winter schon für Fußgänger einen beschränkten Verkehr auf unserer Elbbrücke zuzulassen, ist abfällig beschieden worden. --- Die vor dem Bau der Brücke oft gehörten Befürchtungen, das Gitterwerk derselben werde die ganze landschaftliche Schönheit unserer Gegend bedeutend stören, erweisen sich jetzt, nachdem der größte Theil des Oberbaues abgerüstet ist, als nichtige. Die Brücke sieht ganz zierlich aus und das Gitterwerk ist zu durchsichtig, als daß es stören könnte. [DN 22.11.1892]

   In Betreff der projektirten Vorortbahnlinie D r e s d e n-W e i ß e r H i r s ch-S ch ö n f e l d sind in der Letzten Zeit insofern irrthümliche Nachrichten verbreitet worden, als dieselbe nicht hinter den Militärschießständen nach dem Schlesischen Bahnhof geführt wird, sondern wie von allem Anfange bestimmt war. Nach dem vorliegenden Projekt kommt sie aus dem Innern der Stadt durch die Brücken, über die Waldschlößchenfelder, infolge Durchtunnelung des Waldschlößchenparkes unter demselben weg nahe am Haideschlößchen vorüber, links der Chausse weiter, welche kurz hinterm Fischhause überschritten wird. Von hier nimmt dann die Absteckung ihren Weg links der Moritzburger Straße hin, am Südabhange des Wolfshügels entlang und erreicht so die hinter dem Orte Weißer-Hirsch, jenseits des Stech- (nicht Steig-)Grundes gelegenen Anhöhen. Oberhalb der Schwesternquelle ist die Station Weißer-Hirsch vorgesehen. Von hier überschreitet die Bahn in der Nähe der Präsidentenbuche die Haidemühlenstraße und den Wasserkasten und führt erst durch das junge Holz, dann durch den alten Hochwaldbestand dicht an Bühlau heran. Für diesen Ort kommt der Bahnhof in die Nähe des Nachtflügels zu liegen. Zwischen Försterei und Gasthof schlängelt sich der geplante Schienenstrang dann links der Chaussee weiter nach Weißig und nach dem Hochplateau von Schönfeld. Vortheilhafter konnte die Linie kaum abgesteckt werden. Von ganz besonderem Werthe ist ihre Mündung in's Herz der Stadt. Liefe sie vom Schlesischen Bahnhofe erst in der Richtung auf Klotzsche zu und hinter den Militärschießständen weg, so würden unbedingt die alten Verbindungen nach Weißer-Hirsch, Weißer Adler, Bühlau etc. vorzuziehen sein, denn Entfernung des Bahnhofes, Fahrtdauer und ganz besonders der hohe Fahrpreis, der bei solcher Verlängerung der Strecke nicht zu vermeiden wäre, machten die Benutzung der neuen Linie vollkommen illusorisch, und, wie gesagt, würde dann fast Jeder der altbewährten Omnibusverbindung den Vorzug geben. Nur schnelle Beförderung, bequeme und öftere Gelegenheit dazu können der Bahn als Besserem dem Guten gegenüber den Erfolg garantiren. Wer nach Weißer-Hirsch oder Bühlau will, fährt nicht erst nach Klotzsche, soviel dürfte feststehen. Läuft aber die Linie so, wie oben angenommen, dann steht der Bahn sicherlich eine vorzügliche Prosperität in Aussicht; denn es braucht nicht bezweifelt zu werden, daß die Stadtbewohner, so viel und so oft sie können, dieses bequeme Verkehrsmittel benutzen werden, um nach der ozonduftenden, gesundmachenden meilengroßen Haide zu gelangen. Dazu gehörte dann allerdings die Einrichtung von Vororts- oder Omnibuszügen, die stündlich oder noch öfter den Verkehr vermitteln. Nicht nur die Haide, sondern auch die rechtsseitigen Thäler der Elbterrassen, als da sind: Friedrichsgrund, Keppgrund, Helfenbergergrund, Gucksche, Wachwitzgrund, Oltsche u. s. w. würden ungemein frequentirt werden, da alle Spaziergänger und Wanderer sich gern nach den Höhen fahren lassen, um ihre Touren bequem und ohne Anstrengung bergabwärts ausführen zu können. An den Dispositionen der Bahnverwaltung wird es liegen, auf geschilderte Weise diese Bahnstrecke zu einer lukrativen Einnahmequelle zu gestalten. [DN 22.11.1892]

   Der großartige Eisenkonstruktions-Bau der Loschwitz-Blasewitzer Elbbrücke ist nun vollendet und seines oberen Holzgerüstes entkleidet. Die beiden Stirnseiten der Brücke mit ihren 4 Thürmen gewähren von beiden Ufern aus gesehen, einen imposanten Anblick und der ganze Bau macht den Eindruck größter Solidität und die Tragkraft der Brücke soll durch doppelte Construktions-Anordnung auf die größte Sicherheit berechnet sein, so daß nach Bedarf einmal später selbst eine Sekundärbahn über dieselbe geführt werden könnte. Der jetzige Eisgang und die Unmöglichkeit mit Fähre oder Dampfer über den Strom zu kommen, hat für Fußpassanten bereits eine interimistische Benutzung der Brücke veranlaßt, welche allerdings nur in sehr beschränkten Maße zulässig sein kann. Gestern Vormittag wurde von Herrn Geh. Finanzrath Köpcke unter Assistenz der Herren Bauinspektoren Ringel, Krüger und Seifert, mehrerer Herren Ingenieure der Marienhütte und des Mechanikers Leuner, welcher die subtilen Meß-Instrumente brachte, die sogenannte A u s r ü st u n s p r o b e vorgenommen, welche darin besteht, daß das die Brücke bis jetzt tragende hölzerne Untergerüst durch Zurückdrehen von etwas 40 Schrauben seiner Tragkraft vollständig entledigt und nun beobachtet wird, ob die ganze Brücke sich durch sich selbst trägt resp. wieviel dieselbe etwa nachgiebt. Die Herren Ingenieure der "Marienhütte" sprachen sich mit großer Zuversicht dahin aus, daß die Senkungs-Differenz höchstens einige Millimeter betragen könne. [DN 29.11.1892]
   Nach Zurückstellung der Schrauben des Untergerüstes der B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  B r ü c ke, auf welchen der Gesammt-Brückenkörper bis gestern Mittag noch ruhte, trägt sich die Brücke nun nicht nur sich selbst, sondern wird infolge ihrer trefflichen Konstruktion große Lasten zu tragen im Stande sein. Das Insichzusammengehen der Konstruktionskörper und die Niveauveränderung der Fahrbahn soll höchstens 5 Millimeter betragen. [DN 30.11.1892]

   Der Kampf um die D r a h t s e i l b a h n von Loschwitz nach dem Weißen Hirsch wird muthig fortgesetzt. Dieser Tage wurde von einem Komitee, das sich zu diesem Zwecke gebildet hat, ein Cirkular verbreitet, durch welches alle Interessenten gebeten werden, diesem Komitee beizutreten. Diesbezügliche Erklärungen sind an Herrn Hofbuchhändler Warnatz in Dresden, Schloßstraße, zu richten. Dem Komitee gehören außer dem Genannten vorläufig noch an die Herren Oskar Weigert, Gemeindevorstand von Loschwitz, Dir. E. Kaden, Weißer Hirsch, Robert Friedrich, Weißer Hirsch, Karl Dorn, Dresden-Loschwitz, Schaeffer, Gemeindevorstand, Weißer Hirsch, Dr. Lahmann, Weißer Hirsch, Dr. E. Ehlermann, Loschwitz, Georg Seede in Firma Joh. Karl Seede, Dresden etc. An einem der nächsten Sonntage soll über die einzuleitenden Schritte eine Vorbesprechung stattfinden. [DN 2.12.1892]

   In L o s ch w i tz brannte am Dienstag Morgen ein an der neuen Elbbrücke stehender Schuppen, welcher viele Taue, Theer und andere Bau-Utensilien enthielt, nieder. [DN 7.12.1892]

1893
Brückenbau, Projekt und Genehmigung Drahtseilbahn

   Am Sonntag fand auf Einladung des Herrn Hofbuchhändler Warnatz im Schillergarten zu Blasewitz eine Versammlung von Interessenten der projektirten D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch statt. Nachdem Herr Warnatz die Versammlung eröffnet und diese Herrn Major von Unger als Vorsitzenden gewählt hatte, erstattete auf Ersuchen des Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Dr. Felix Bondi Namens des für die Anlage der geplanten Drahtseilbahn gebildeten Konsortiums über die bisher entwickelte Thätigkeit und den derzeitigen Stand der Sache einen Bericht. Hierauf fand eine längere Aussprache der erschienen Herren (meist Bewohner und Grundbesitzer von Loschwitz und Weißer Hirsch) statt. In dieser Aussprache wurde allseitig anerkannt, daß die geplante Drahtseilbahn ein Verkehrsbedürfniß sei und daß dieses durch die projektirte Staatseisenbahn Schlesischer Bahnhof-Waldschlößchen- Weißer Hirsch in keiner Weise genügend befriedigt werde. Zur weiteren Verfolgung der Angelegenheit wurde aus der Mitte der Bewohnerschaft von Weißer Hirsch ein Komité mit Kooptationsbefugniß, zunächst bestehend aus den Herren Major von Unger, Verlagsbuchhändler Ehlermann, Apotheker Eberhardt und Hofbuchhändler Warnatz, gewählt. Man hofft zuversichtlich, daß die Regierung die bisher stets verweigerte Konzession zu der fraglichen Drahtseilbahn schließlich doch noch ertheilen wird. [DN 17.1.1893]

   Die Arbeiten an der Elbbrücke in L o s ch w i tz - B l a s e w i tz haben wieder begonnen; Am 1. Juli wird sie dem öffentlichen Verkehr übergeben. [DN 15.2.1893]

   Große Freude herrscht in Loschwitz darüber, daß doch noch eine Einigung zwischen der Gemeindeverwaltung und den Direktionen der beiden Dresdner Straßenbahngesellschaften herbeigeführt worden ist. Die Strecke S ch i l l e r p l a tz - L o s ch w i tz wird gemeinschaftlich befahren; ebenso wird die dem Rathhause gegenüber zu erbauende Wartehalle von beiden Gesellschaften erbaut. [DN 19.2.1893]
   Die gestrige Notiz, daß die Gemeinde Loschwitz mit den beiden S t r a ß e n b a h n e n sich dahin geeinigt habe, daß beide Bahnen gemeinsam die Strecke vom Schillerplatz bis Loschwitz über die Brücke befahren sollen, bewahrheitet sich nicht. Vielmehr ist von Seiten der Bahngesellschaften auf die letzten von der Gemeinde Loschwitz gestellten Bedingungen noch gar nicht geantwortet worden. [DN 20.2.1893]

   Es dürfte vielleicht manchen unserer Leser interessieren, daß in der Modellwerkstatt von Ludwig Frankfurter, Pirnaischestraße 25, 3. Etg., das im Auftrage des Königl. Finanzministeriums angefertigte und für die Weltausstellung in C h i c a g o bestimmte Modell eines Theiles der schlanken L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  Brücke in ein Zehntel natürlicher Größe heute und morgen in genannter Werkstatt zur unentgeltlichen Besichtigung ausgestellt ist. [DN 1.3.1893]

   Mit Eintritt der günstigen Witterung sind auch die Arbeiten auf der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz er  B r ü ck e wieder in Angriff genommen worden. Jetzt ist man damit beschäftigt, die Fahr- und Fußbahn herzustellen, und zwar wird erstere mit imprägnirtem Holzstückenpflaster und die Fußbahn mit eichenen Bohlen belegt. Diese Art von Beleg empfiehlt sich für Brücken wegen der nur geringen Belastung. Man hat zwar mit Holzpflaster seither bei uns nicht die besten Erfahrungen gemacht; der Grund lag immer darin, daß man weiches Holz (Kiefer) oder höchstens Buchenholz dazu verwendet hat; zu der Blasewitz-Loschwitzer Brücke wird jedoch Steineiche genommen, die zwar etwas theuer ist, dafür aber auch größere Haltbarkeit bietet. Die Fahrbahn besteht aus 3 Lagen Holz, die beiden unteren Lagen Kiefer, die oberste: Steineiche. Jede einzelne Lage wird in Asphalt gebettet. Die Ausführung ist den Herren Asphalt- und Dachpappenfabrikant A. Prée und Zimmermeister Unterdörfer, Beide hier, übertragen worden. Sämmtliches Holz liefert die Firma E. Grumbt. [DN 8.3.1893]
   Aus L o s ch w i tz wird uns Folgendes geschrieben: "Sollte es wirklich nicht angängig erscheinen, dem Ausbau der Blasewitz-Loschwitzer Elbbrücke ein flotteres Tempo zu verleihen? Schon seit Wochen ist eine dem Arbeiten günstige Witterung eingetreten, dessen ungeachtet sieht man nur wenige Leute beschäftigt. Wenn nun auch der Termin der Uebergabe noch fern liegt und wohl auch Zeit genug vorhanden ist, das noch Fehlende fertig zu stellen, so kann es doch den Anwohnern nicht gleichgiltig sein, noch 3 - 4 Monate durch Staub, Lärm und all' die Unbequemlichkeiten, welche ein größerer Bau mit sich bringt, belästigt zu werden. Schon im vergangenen Jahr ist den Loschwitzer Einwohnern ein pekuniärer Schaden durch Ausbleiben der Sommerbewohner entstanden, und auch dieses Jahr ist dieselbe Schädigung zu erwarten, wenn der Bau nicht vor dem Kommen der Sommerzeit vollendet wird. Mag doch immerhin die Brücke bis zum Datum der Uebergabe dem öffentlichen Verkehr geschlossen bleiben, wenn sie nur überhaupt fertig dasteht und die Arbeiten an derselben vollständig beendet sind, den Anwohnern aber die bisherigen Belästigungen erspart bleiben. [DN 10.3.1893]

   Der Gemeinderath zu L o s ch w i tz hat nun die Bedingungen festgestellt, unter welchen der deutschen und der englischen Straßenbahn-Gesellschaft die Verlängerung ihrer Dresden-Blasewitzer Linien vom Schillerplatz in Blasewitz aus über die Elbbrücke nach Loschwitz bis vorläufig zum Rathhause dort gestattet werden soll, auch den diesbezüglichen Concessions-Vertrag nach einigen Abänderungen genehmigt und die von der Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt beiden Gesellschaften auf 30 Jahre, d. h. bis Ende Oktober 1922, zu ertheilende gemeinschaftliche Concession befürwortet. Im Vertrage ist u. A. Folgendes festgesetzt: Es ist mindestens eine direkte Linie Loschwitz-Blasewitz-Dresden einzurichten --- entgegen der Absicht beider Gesellschaften, nur sog. Verbindungsfahrten zwischen Loschwitz (Rathhaus) und Blasewitz (Schillerplatz) herstellen zu wollen. --- Die Fahrscheine, welche der Controlle wegen die Gemeinde Loschwitz auf Kosten der Gesellschaften herstellen läßt, haben auf den zwischen Dresden und Blasewitz (Schillerplatz) führenden drei Bahnlinien von und nach Loschwitz durchgängig Giltigkeit. Der Betrieb erfolgt zunächst durch Pferde, später event. durch Elekktricität oder sonstige Motorenkraft. Mehr als drei Wagen auf einmal dürfen auf dem Halteplatz in Loschwitz nicht Stand erhalten. Die Wagen haben vice versa in der Regel aller zehn Minuten, nach Bedürfniß öfterer zu verkehren. Fahrpreise und Fahrpläne unterliegen der Genehmigung des Gemeinderathes. Es sind Zehnpfennig-Strecken zwischen Loschwitz und a) Elsasser Weg in Blasewitz, b) Weißes Schloß in Blasewitz, c) Barbarossa-Platz in Dresden-Striesen einzurichten, auf denen eine Zuschlagsgebühr von 5 Pfennigen als Brückengeld zulässig ist. Ebenso kostet eine Fahrt mit Brückengeld zwischen Loschwitz und Schillerplatz-Blasewitz 10 Pfg.. Eine Preiserhöhung an Sonn- und Festtagen ist nicht zulässig. Von und nach Loschwitz giltige Jahresfahrkarten kosten 20 Mk. mehr als auf den drei Bahnlinien zwischen Dresden-Blasewitz. Beide Gesellschaften haben gemeinschaftlich eine Caution von 3000 Mk zu bestellen, sich den gesetzlichen Bestimmungen über Straßen- und Bhnbau zu unterwerfen, ein Straßennutzungsgeld von jährlich 150 Mk. zu zahlen und die Anschlußlinie Blasewitz-Loschwitz zur Vermeidung einer Conventionalstrafe innerhalb der nächsten 3 1/2 Monate nach Vertragsabschluß herzustellen. Als Brückenzoll der Gesellschaften sind jährlich in Summa 7300 Mk. berechnet. Es ist, soweit möglich, Doppelgleis herzustellen. Je eine Freifahrtkarte ist dem Gemeindevorstand bez. dessen Stellvertreter, sowie den Gemeindebeamten und der Schutzmannschaft von Loschwitz zu überlassen. Sobald seiner Zeit auch das Brückengeld für Pferde und Wagen wieder aufgehoben sein wird, tritt ein procentualer Reingewinnantheil ein. Als Gewinnantheil der Gemeindekassen Loschwitz-Blasewitz (des Brückenbauverbandes) ist für je 10,000 Mk. ein Prozent bestimmt. [DN 23.3.1893]
   Es bestätigt sich, daß die Direktionen beider Straßenbahngesellschaften auf den der Gemeinde L o s ch w i tz vorgelegten Propositionen verharren werden. Auf Grund dieser Vorschläge sind beide Direktionen nicht abgeneigt, mit der Gemeindeverwaltung in neue Verhandlungen einzutreten. Der "Elbthalbote" meint dazu, es könne doch gar nicht so schwer sein, eine Einigung herbei zu führen, es handele sich in der Hauptsache doch nur um eine direkte Linie Dresden-Loschwitz und um die von der Gemeinde Loschwitz auszuübende Kontrolle über den Personenverkehr auf der Linie Dresden-Blasewitz. Es könne Loschwitz doch gleichgiltig sein, ob die Verbindung Dresden-Loschwitz eine direkte ist, oder durch Umsteigen geschieht; für einen schnellen Anschluß werden die Direktionen schon Sorge tragen. [DN 24.3.1893]
   Ueber das Befahren der neuen L o s ch w i tz - B l a s e w i tz er  B r ü ck e durch die Straßenbahnen ist nun eine Vereinigung mit der Gemeinde Loschwitz abgeschlossen worden in der Weise, daß sich eine Fahrt von Dresden-Loschwitz bei beiden Bahnen auf 28 Pfg., die Theilstrecken entsprechend billiger und die Fahrt Schillerplatz-Loschwitz auf 8 Pfg. incl. Brückengeld stellen wird. [DN 14.4.1893]

   Die L o s ch w i tz - B l a s e wi tz e r neue Elbbrücke wird hoffentlich im Laufe des Juli übergeben werden können. Man legt bereits die Hölzer der Fahr- wie der Gangbahn auf der Brücke und soll auch in diesen Tagen die Beleuchtungsfrage entschieden werden. Ebenso nimmt man die Regelung der Zugangsstraßen auf beiden Seiten, in Loschwitz wie Blasewitz, vor und sieht man bereits, wie namentlich der Schillerplatz in Blasewitz unter Verlegung der Straßenbahngeleise ein städtisches Gepräge erhält. Auch die Einlegung der Straßenbahngeleise schreitet vorwärts und nur die Herstellung der 3. Straßenbahn mit elektrischer Anlage wird wegen Herstellung der Centralanlage bei der Pfotenhauersstraße noch etwas länger auf sich warten lassen. [DN 14.4.1893]
   Die L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e mit ihrem hochaufragenden schweren und dichten Eisengitterwerk regt fort und fort im Publikum die Frage an, warum ist hier keine steinerne Brücke gebaut worden? Gerade hier tritt der eiserne Bau störend in die Schönheit der Landschaft. Die betheiligten Gemeinden sind im Jahre 1889 besonders auf Betreiben des Gemeinderathes von Blasewitz bis zu der Stelle, welche maßgebend für die Entscheidung gewesen ist, nämlich bis zu dem Königl. Finanzministerium, wegen Erbauung einer steinernen Brücke vorstellig geworden und sind nicht ohne Wohlwollen gehört worden. Allein das Königl. Finanzministerium sah sich nach einer im Juli 1889 ergangenen Entschließung trotzdem veranlaßt, von dem Bau einer steinernen Brücke abzusehen und den Bau einer eisernen Hängbrücke anzuordnen, und zwar, wie es in jener Entschließung heißt, in Rücksicht auf die Interessen der Elbschifffahrt. Obwohl, heißt es an der betreffenden Stelle, eine steinerne Brücke für den Verkehr gewisse Vortheile bieten, ihre Anlage und spätere Unterhaltung auch weniger kostspielig als eine eiserne Brücke sein würde, war wegen Gestaltung des Elbprofils zwischen Loschwitz und Blasewitz und des gerade auf dieser Elbstrecke bestehenden überaus lebhaften durchgehenden und örtlichen Schifffahrtverkehrs dem Bau einer eisernen Brücke der Vorzug vor einer steinernden zu geben, weil hierdurch den Bedürfnissen der Schifffahrt insofern größtmöglich entegengekommen wird, als dabei jeder Strompfeiler vermieden wird! [DN 18.4.1893]
  Der Anstrich der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz er  B r ü ck e in hellblauem Farbenton, der dreifach ausgeführt wird und numehr bald vollendet ist, kostet nicht weniger als 57,000 Mark. [DN 25.4.1893]

   L o s ch w i tz. Noch lockt der Blüthenlenz mit aller Macht nach Loschwitz-Wachwitz. --- Durch den vielbesprochenen Brückenbau und die Anlage seiner Zufahrtsstraßen ist in unseren Bergen viele Veränderung zu sehen. Ein großer Schleusen-Bau führt die Dresden-Pillnitzer-Straße herab; gegenüber der östlichen Ausmündung des Körnerwegs in Loschwitz entsteht ein neues großes Gebäude, geschmackvolle Läden werden eingerichtet. In Wachwitz fällt demnächst ganz die alte "Presse" oder das Gasthaus "zu König's Weinberg" und macht einem Neubaue Platz, indeß gleichzeitig die Gartenwand auf der andern Seite der Straße hineingerückt wird, um davor haltenden Wagen künftig Raum zu geben. Oben in "König's Weinberg" zu Wachwitz baut sich Se. Hoheit Prinz Friedrich August ein neues Wohnhaus. Das alte Schlößchen taugte nicht mehr viel und wohnten die jungen Herrschaften, wenn sie zur Erholung hier verweilten, schon voriges Jahr im sogenannten Gruson'schen Hause nahebei, welches zum fürstlichen Besitzcomplex gehört. [DN 12.5.1893]
   Im Königs Weinberg zu W a ch w i tz laßt nicht, wie gestern irrthümlich gesagt wurde, Se. Königl. Hoheit Prinz Friedrich August, sondern Se. Königl. Hoheit P r i n z  G e o r g als Eigenthümer des Grundstücks den Neubau eines Wohnhauses ausführen. [DN 14.5.1893]

   Die lang ersehnte D r a h t - S e i l b a h n von L o s ch w i tz nach dem Weißen Hirsch soll neuerdings die oberbehördliche Genehmigung erhalten haben. Dieselbe nimmt ihren Anfang beim Gemeindeamte in Loschwitz und endet oben auf der Bautzner Straße im vorderen Theil vom Weißen Hirsch. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 300,000 Mk. und soll dabei Dampfbetrieb eingerichtet werden. [DN 16.5.1893]

   Die e l e k t r i s ch e  S t r a ß en b a h n Schloßplatz-Blasewitz-Loschwitz wird voraussichtlich erst Mitte Juni in vollen Betrieb kommen. Es wird seitens der Firma Siemens u. Halske Alles daran gesetzt, um die solide Fertigstellung der Bahn so schnell wie möglich zu bewerkstelligen. Die Drahtleitung vom Terrassenufer bis Blasewitz ist fast durchweg fertig und die Montirung der Kraftstation an der Pfotenhauerstraße ist nahezu vollendet. Interessant ist die Kraftvertheilung des elektrischen Stromes auf genannter Linie. Dieselbe ist in zwei Hälften getheilt. Die eine Hälfte geht von der Pfotenhauerstraße bis zum Schloßplatze, die andere Hälfte von der Kraftstation bis zum Schillerplatz-Loschwitz. Bei etwaigen Störungen, z. b. Zerreißen der Drähte etc., wird jede Hälfte sofort automatisch ausgeschalten und die Betriebsstörung im Augenblick beseitigt. Es wird die elektrische Linie eine Art Eilzug nach Blasewitz bilden, man wird vom Schloplatz bis Blasewitz mit Leichtigkeit in 15 Minuten fahren können ... Zeit ist Geld! 12 Wagen stehen fort und fort zum Dienst bereit und leicht kann an jeden derselben noch ein Wagen angehangen werden. [DN 20.5.1893]
   Auf dem Schillerplatze in Blasewitz, in der Nähe des "Goethegarten", waren am Freitag gegen Abend die mit der Anbringung der oberirdischen Leitungsdrähte zur elektrischen Straßenbahn betrauten Leute unter Aufsicht des Bauführers und in Gegenwart des betr. Ingenieurs damit beschäftigt, Drähte von der Naumannstraße und dem Schillerplatze aus auf der neuen Fahrstrecke nach der Elbbrücke hin zu ziehen, als ein Wagen der englischen (alten) Straßenbahn, von Dresden kommend, den Schillerplatz passirte. Auf dem Deck desselben saßen zwei Herren, welche den Draht, als er sich kurz vor ihnen senkte, nicht bemerkten. Dem ersten Herren wurde demzufolge der Hut vom Kopfe geschlagen und der andere Herr durch Einschnitt des Drahtes an der rechten Seite unterhalb des Auges verwundet. Der Verletzte, ein Loschwitzer, hatte immerhin starken Blutverlust, war nach Verlassen des Wagens kurze Zeit ohnmächtig und wurde sofort an der Bahnwartehalle am Schillerplatz ärztlich behandelt, worauf er mit der Dampffähre nach Loschwitz überfahren konnte. Ebenso leicht hätte der Draht in das Auge oder den Hals des Betreffenden einschneiden können. Es ist dann sofort ein Fahrgerüst beschafft worden, welches das zu tiefe Hinabsinken des Drahtes verhindert, um einen ähnlichen eigenthümlichen Vorfalle vorzubeugen. Immerhin ist es aber unbegreiflich und unverantwortlich, wenn bei derartigen Arbeiten nicht von vornherein geeignete Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. In diesem Falle ist dem betr. Bahnkutscher keine Schuld beizumessen. [DN 30.5.1893]

   Es ist ganz dankenswerth, daß das Landschaftsbild, das B l a s e w i tz vor der Erbauung der blauen Brücke bot, künstlerisch festgehalten worden ist. Der Landschaftsmaler Möbius in Striesen, erste, jetzt Huttenstraße 10, hat in seinem Atelier den früheren Zugang zur Elbe, zwischen dem Schillergarten und dem Epensteinschen Haus, mit den jenseitigen Loschwitzer Hügeln, als Oelgemälde vollendet. Blasewitz sollte sich diese Erinnerungen an frühere Jahre nicht entgehen lassen. [DN 3.6.1893]

   Gestern von früh 7 Uhr an fanden auf der Strecke "Kraftstation-Schillerplatz" die ersten Versuchsfahrten der e l e k t r i s ch e n  S t r a ß e n b a h n der Deutschen Straßenbahn-Gesellschaft statt. Zwei Wagen fuhren unter persönlicher Leitung der Herren Ingenieure von Siemens u. Halske, Ober-Ingenieur Philippsborn, Baron von Reibnitz und Ingenieur Stobrawa unbeanstandet und mit verschiedener Schnelligkeit von 10 bis 18 Kilometer per Stunde die Strecke mehrere Male hin und zurück, um zunächst die Leistungsfähigkeit des erstmaligen Betriebes der Dampf- und Dynamo-Maschinen, die Festigkeit der Leitungsdrähte, die Fahrbarkeit der neugelegten Schienen und die Zweckmäßigkeit der Wagen zu prüfen. Mit einer fast unheimlichen Promptheit und Sicherheit gingen die sämmtlichen Fahrten, an denen Nachmittags eine Anzahl Herren und Damein theilnahmen, anstandslos von statten, nur manchmal beeinträchtigt durch die tolle Kinderschaar, welche sich oft mitten auf der Bahn bewegte. Falls die im Wege stehenden Schwierigkeiten bald zur Erledigung kommen und die behördliche Erlaubniß ertheilt wird, glaubt man die Strecke "Schloplatz-Blasewitz" für den Personen-Verkehr am 17. d. M. eröffnen zu können. [DN 6.6.1893]

   In der letzten Gemeinderathssitzung in L o s ch w i tz bewilligte das Kollegium im Hinblick auf die Elbbrückenweihe am 1. Juli die Anschaffung von zwei neuen großen Flaggen für das Rathhaus und 150 Mark zu sonstiger Dekoration des Grundstücks. Hierzu wurde auch beschlossen, die Einwohner um Schmückung der Häuser zu begrüßen, sowie alle dortigen Vereine und Korporationen zu der geplanten offiziellen örtlichen Feier einzuladen. Am Abend wird jedenfalls im Demnitz'schen Gasthofe ein öffentlicher Festkommers stattfinden. [DN 11.6.1893]

   Das Aktienwasserwerk zu L o s ch w i tz beabsichtigt der dasige Gemeinderath für die Gemeinde zum Fortbetriebe anzukaufen, auch um dasselbe nach und nach, unter Umständen in kürzester Zeit, über die gesammte Ortsflur ausdehnen zu können. Die Uebernahme des Wasserwerkes in Gemeindeverwaltung ist vorläufig schon für den 1. Juli d. J. in Aussicht genommen. Es werden sofort neue Wasserleitungshauptstränge angelegt. Mit dieser Ausführung werden, so hofft man, die bisher und insbesondere im vorigen Sommer an den Tag getretenen Uebelstände, daß bei starker Wasserentnahme aus der Leitung im tiefer gelegenen Ortstheile die Konsumenten an Wassermangel zu leiden haben, völlig beseitigt, und wird die Möglichkeit erreicht, neue Konsumenten in unbeschränkter Anzahl an das Wasserwerk anschließen und Wasser in jedem Maße abgeben zu können. Der hiernach zur Ergänzung und Erweiterung des Wasserwerks sofort entstehenden bedeutenden Ausgaben wegen wird zwar der Gemeinderath vorläufig noch den bisher geforderten Preis von 50 Pfg. pro Kubikmeter von den Konsumenten erheben, aber denselben die Verbindlichkeit auferlegen, einen Zuschlag auf den Wasserzins nachzuzahlen, sobald bei der Abrechnung am Jahresschlusse aus den erzielten Einnahmen eine völlige Deckung der Bedürfnisse sich nicht ergeben sollte. Bei Zunahme der Abnehmer wird vielleicht den Konsumenten eine Erleichterung ihrer Verpflichtungen geboten. Man hofft auch, die Konsumenten zu der den Zuschlag betreffenden Verbindlichkeit niemals heranziehen zu müssen, da nach den aufgestellten Berechnungen ein Auskommen schon mit den zur Zeit vorhandenen Erträgnissen des Werks gesichert erscheint. Eine gänzliche Aufhebung der fraglichen Verbindlichkeit soll dann eintreten, wenn die Wasserleitungsanlage über den ganzen Ortsbezirk ausgedehnt sein wird und die gesammte Orts-Steuerkraft zur Deckung der Bedürfnisse des Wasserwerkes herangezogen werden kann. Hiebei sei noch ausdrücklich hervorgehoben, daß der Gemeinderath nicht, wie es bisher durchgeführt worden ist, einen Anschlußbeitrag von 300 Mk. von den Konsumenten fordern wird, sondern daß den letzteren nur die Kosten für die Anbohrung und Heimleitung vom Hauptstrang ab nebst denjenigen für den Wassermesser zufallen werden. Im Uebrigen hat der Gemeinderath beschlossen, eine weitere Ausdehnung der im Ortsbezirke zur Zeit bestehenden Privatwasserleitungen zwecks spekulativer Ausbeutung nun nicht mehr zu genehmigen, auch Erlaubniß zur Einlegung neuer Rohrstränge für solche Anlagen in die kommunlichen Straßen, Wege und Plätze nicht mehr zu ertheilen. Die Kaufverhandlungen dürften dieser Tage zum Abschluß gelangen. [DN 22.6.1893]

   Die Weihe und Betriebseröffnung der neuen B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r  E l b b r ü ck e wird, entgegen der vielfachen und wiederholten Zeitungsnotizen, weder schon am 1. noch am 15. Juli stattfinden können. Die Brückenbauleitung ist zur Zeit überhaupt noch nicht in der Lage, den Tag der Brückenweihe definitiv zu bestimmen. [DN 27.6.1893]
   In diesen Tagen werden die sämmtlichen Arbeiten an der neuen L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  B r ü ck e beendet sein. Die Fuß- und Fahrwege auf der Brücke sind insgesammt von Holzplatten und Holzpflaster von der Firma Pree (Kapffs Nachfolger) hergestellt und zwar ist dazu imprägnirtes Eichen-, Buchen- und Kiefernholz verwendet, welches in dem Grumbt'schen Holzsägewerk geschnitten worden ist. Die würfelartigen Klötzer werden, das Hirn nach oben, in Asphalt eingesetzt und die Fugen mit Judenpech ausgegossen. Um die Brücke nicht unnütz zu belasten, ist zur Herstellung der Brückenstraße incl. zwei Straßenbahn-Geleisen Holzmaterial genommen worden. Die zwei Flußpfeiler erhalten auf der Stirnseite stromaufwärts die durch die Firma Hauer in Sandstein gewürfelten goßen Initialen C A' und das Königlich sächsische Wappen, auf der Seite stromabwärts die ebenfalls in Sandstein gearbeiteten Jahreszahlen 1890, 1893. Die Zuführungsstraße auf Loschwitzer Seite wird soeben in voller Breite fein gepflastert und chaussirt, auch ist bis zum Halteplatz der Straßenbahnen die elektrische Leitung vollendet. Der 15. Juli wird als Eröffnungstag festgehalten und soll dies Ereigniß seiten der Gemeinden Loschwitz und Blasewitz insofern feierlich begangen werden, daß die Vorstände und Räthe beider Gemeinden im festlichen Zuge die beiden Endpunkte der Brücke gleichzeitig betreten und sich beim Zusammentreffen inmitten der Brücke feierlich die Hand reichen in der frohen Hoffnung, daß nach langen, schweren Zeiten für allezeit auf dem durch die Fürsorge der Staatsregierung und durch die Tüchtigkeit der ausführenden Beamten geschaffenen schönen Werke der Segen des Himmels ruhen möge. [DN 9.7.1893]

   W e i ß e r  H i r s ch. Ein Comitee von zehn Herren hat sich zusammengefunden, die Wasserversorgung, das Stiefkind des Ortes und des mit ihm verwachsenen Oberloschwitz, in die rechte Bahn zu geleiten. Für Donnerstag, den 13. Juli, Abends 8 Uhr hat es eine Versammlung der betheiligten Grundstücksbesitzer und sonstiger Interessenten in die "Felsenburg" einberufen, um vorbereitende Schritte in dieser Richtung zu beschließen. [DN 9.7.1893]

   D a s  b l a u e  W u n d e r, wie der Volksmunde die Loschwitz-Blasewitzer neue Brücke infolge ihres himmelblauen Anstrichs getauft hat, hatte sich gestern einer harten Prüfung zu unterwerfen. Der Bevollmächtigte des Finanzministeriums, Herr Geh. Finanzrath Köpcke ließ unter Assistenz der Herren Bauinspektoren Krüger und Ringel, sowie mehrerer höherer technischer Regierungsbeamten und in Gegenwart des Herrn Direktors der Marienhütte, Krempe, welche Fabrik bekanntlich die Eisenkonstruktion nach Angabe der Herren Königl. Regierungs-Ingenieure ausgeführt, eine B e l a st u n g s p r o b e der Brücke in folgender Weise vornehmen. Früh 9 Uhr waren auf dem 146 Mtr. langen freitragenden Mitteltheil der Brücke aufgefahren: 3 Dampfstraßenwalzen, 3 gewöhnliche steinerne Straßenwalzen, vier- und zweispännig, 3 mit Steinen und Schiffsankern etc. vollbeladene Straßenbahnlowries sammt Zweigespannen, 3 gefüllte  Wassersprengwagen, je mit Doppelgespann, 1 vollbesetzter zweispänniger Pferdebahnwagen und eine Anzahl Kutschwagen etc.. Zur vollständigen Belastung trugen noch eine darüber marschirende Schützenkompagnie und etwa 150 zufällig anwesende Privatpersonen aus Loschwitz und Blasewitz bei. Nach oberflächlicher Schätzung gab dies eine Belastung des Mittelkörpers der Brücke von 3000 Centnern. Der Inhaber des mechanischen Institus im Königl. Polytechnikum, Herr Oskar Leuner, hatte an maßgebenden Stellen des Brückenkörpers seine sinnreich konstruirten Dehnungs-Zeiger angebracht und so zeigte sich denn, daß die Durchbiegung des freitragenden 146 Meter langen Mitteltheiles der Brücke bei der vorgenannten großen Belastung nur 9 Millimeter betrug, ein ungemein günstiges Resultat für die Tragfähigkeit der Brücke. Bei dieser Gelegenheit mag auch gleich erwähnt werden, daß eine seitliche Schwankung der Brücke, wie z. B. bei der Tetschner Kettenbrücke, gar nicht möglich ist, weil unsere Loschwitz-Blasewitzer eine großartige innerliche Verspreitzung hat, die den ganzen Körper fest zusammenhält. Nachdem die sämmtlichen Belastungsgeschirre die Brücke verlassen hatten, fuhr der erste Pferdebahnwagen der englischen Gesellschaft über die Brücke bis zum Halteplatz in Loschwitz, wo die sämmtliche dasige Straßenjugend den Wagen occupirte und unter hellem Jubel die Brücke passirte. Gleich darauf erschienen zwei Wagen der elektrischen Straßenbahn und passirten, unter ihrer Spur hell aufleuchtende Blitz ausstreuend, über die Brücke bis Loschwitz und zurück. An dieser ersten Fahrt nahmen auch Herr Geh. Rath Köpcke und mehrere der Herren Regierungsbeamten Theil; die erste Dame aber, welche im elektrischen Wagen die Loschwitz-Blasewitzer Brücke passirte, war die Gemahlin des Herrn Geh. Rath Köpcke, welche die bei manchen Damen noch vorhandene Aengstlichkeit und Scheu vor dem neuen elektrischen Fahr-System keineswegs theilte und ihre Freude über die schöne, ruhige Fahrt aussprach. Nächsten Sonnabend soll nun der stolze Bau dem allgemeinen Verkehr übergeben werden. Hoffentlich sind bis dahin auch die Brückengeld-Einnahme-Häuschen fertig. [DN 12.7.1893]
   Die L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r  E l b b r ü ck e wird am Sonnabend Mittags 12 Uhr dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Königl. Amtshauptmannschaft bringt dies mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntniß, daß die Benutzung des neubeschaffenen Verkehrsweges über die Brücke nur gegen Erlegen des an den Brückenköpfen angeschlagenen tarifmäßigen Brückengeldes zulässig ist. Um 11 Uhr findet auf der Brücke eine von den Gemeinderäthen zu Loschwitz und Blasewitz zu veranstaltende Feierlichkeit statt. --- Seitens der Gemeinden Blasewitz und Loschwitz sind an alle der Sache näher Stehenden und an die Vertreter der Presse Einladungen ergangen, sich zur festgesetzten Einweihungsstunde inmitten der Brücke zu versammeln, um dem gegenseitigen Begrüßungsakte beizuwohnen. Im "Hotel Demnitz" wird alsdann ein Frühstück servirt, und Nachmittags findet Concert der Männergesangsvereine und des Musikchores statt. Ein Ball in dem schönen Demnitz-Saale soll den denkwürdigen Tag beschließen. [DN 14.7.1893]

   Die Direktionen der Dresdner und der Deutschen Straßenbahnen erlassen gemeinschaftlich eine Bekanntmachung, die heute zu eröffnende Straßenbahnverbindung Dresden-Blaswitz-Loschwitz betr.. Der Fahrpreis erfährt bei beiden Gesellschaften n a ch und v o n  L o s ch w i tz einen Aufschlag von 5 Pfennigen, das Brückengeld à 3 Pfg. ist hier aber nicht inbegriffen, sondern wird von jedem Fahrgast durch den Kondukteuer noch extra erhoben. Vom Siegesplatz oder Elsasser Weg von und nach Loschwitz ist der Fahrpreis auf 10 Pfg. festgesetzt, die 3 Pfg. Brückengeld kommen aber noch dazu. [DN 15.7.1893]

   Für Loschwitz-Blasewitz und die benachbarten Gemeinden gestaltete sich gestern Vormittag die feierliche Uebergabe und Eröffnung der L o s ch w i tz - B l a s e w i tz e r Elbbrücke zu einem allgemeinen Freudentage, dem auch zahlreiche Bewohner von Dresden ihre Theilnahme und ihr Interesse schenkten. Als Vertreter des Rathes wohnten die Herren Stadträthe Baltzer, Dr. Rake, Schröer und Adam der Feier bei, während das Stadtverordnetenkollegium die Herren Wokuka, Ohm und Möller als offizielle Deputation entsendet hatte, zu der sich noch die Herren Stadtverordneten Raschke und Borack gesellten. Als Vertreter des Königlichen Finanzministeriums gewahrte man Herrn Geh. Finanzrath Köpcke, die Königl. Kreishauptmannschaft vertrat Herr Reg.-Rath Königsheim, die Königl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt Herr Geh. Reg. Rath Amtshauptmann von Thielau, die Kaiserl. Oberpostdirektion der stellvertretende Herr Oberpostdirektor, die Straßen- und Wasserbauinspektion Herr Bauinspektor Prosch. Ferner gewahrte man in der stattlichen Corona von Ehrengästen die Herren Direktoren der beiden Straßenbahngesellschaften Clauß und Stößner, zahlreiche Bewohner der Jubelgemeinden, darunter die Herren Graf Schlieffen, Schnorr von Carolsfeld, Gemeindevorstand a. D. Strauß, Kirchenrath Schmaltz, die Gemeinde-Räthe von Loschwitz-Blasewitz, sowie Vertreter aller Vereine und Gesellschaften, die Herren Bauinspektoren Krüger und Ringel, Vertreter der Marienhütte und A. m.. In der Mitte der neuen, schmucken Brücke, die reichen Flaggenschmuck gleich den freundlichen Villenorten trug, war eine Tribüne errichtet worden. Bis zu diesem improvisirten Bau näherten sich links- und rechtselbisch die geladenen Gäste. Vom Loschwitzer Ufer erschien die Gardereiterkapelle und die erste Knaben- und Mädchenklasse unter Führung des Herrn Cantor Kettner. Alsbald stieg mächtig der Gesang: "Lobet den Herrn, den mächtigen König der Ehren" aus dem jugendlichen Chor empor. Wacker accompagnirte die Gardereiterkapelle, die in ihrer blauen Uniform harmonisch zu dem "blauen Wunder" paßte, wie nun einmal der imposante Brückenbau genannt wird. Hierauf hielt Herr Gemeindevorstand Weigert-Loschwitz mit weithin vernehmbarer Stimme eine längere Ansprache, in der er die erschienenen Ehrengäste, besonders die Vertreter der Königl. Behörden, der Dresdner städtischen Collegien, die sonstigen Gäste und die Vertreter der Presse begrüßte. Die allgemeine Theilnahme beweise, welche Bedeutung man dem nunmehr vollendeten Werke beilege. Hieran schloß Redner Worte warmen Dankes für alle Diejenigen, die an dem Werke gearbeitet und es vollendet haben und gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Brückenbaues und die Schwierigkeiten, welche zu überwinden waren, bis am 28. April 1891 der erste Spatenstich auf Loschwitzer Seite gethan werden konnte. Nun werde der heutige Tag, an welchem das vollendete Werk dem Verkehr übergeben werde, ein Ehrentag in der Chronik der beiden Gemeinden bilden. Dank sei zu bringen dem allmächtigen Baumeister aller Welten. Dank Sr. Majestät dem König, unter dessen glorreicher Regierung das Werk vollendet worden sei und dessen Namenszug die Brücke tragen dürfe. In den Hochruf auf! Se. Majestät dem König mischten sich Bollerschüsse von beiden Elbufern. Tausende von Bewohnern hatten daselbst (zumal im Schillergarten) Posto gefaßt, um, wenn auch fern, so doch immerhin noch aus nächster Nähe gleich den Belagerern der Brücke Zeuge all der Vorgänge auf dem neuen Wunderwerk zu sein. Während der Rede des Herrn Gemeindevorstandes durchfuhr das Dampfschiff "Königstein" die Brücke. Von den Passagieren ward durch Hut- und Tücherschwenken ein Weihegruß emporgesandt. Als zweiter Festredner feierte sodann Herr Geh. Finanzrath Köpcke die Gemeinden Loschwitz-Blasewitz, worauf Herr Geh. Regierungsrath Amtshauptmann v. Thielau mit kurzen markigen Worten die Brücke dem öffentlichen Verkehr übergab. Unmittelbar hiernach erschien am Blasewitzer Ufer ein Wagen der alten Straßenbahngesellschaft und direkt dahinter der Motorwagen Nr. 100 mit Anhängerwagen Nr. 101 der rothen Straßenbahngesellschaft, dem sich wiederum ein gelber Wagen anschloß. Alle Fahrzeuge waren mit Blumenguirlanden bekränzt und im Nu okkupirt, worauf unter stürmischen Hochrufen die erste Fahrt nach Loschwitz erfolgte. Die eigentlichen Festtheilnehmer begaben sich nunmehr nach dem Hotel Demnitz, zu dem direkt bequeme Stufen von der Brücke führen. Daselbst war im großen, mit der Büste des Königs geschmückten Saale ein Gabelfrühstück für 250 Personen hergerichtet worden. Kaum hatte sich die die Tafelrunde gebildet, als ein Redestrom anhob (weiter über 2 Dutzend Reden), der, wenn er sich direkt in die Elbe ergossen hätte, der infolge des niedrigen Wasserstandes argbedrängten Schiffahrt Wunder geleistet hätte. Herr Direktor Schluttig brachte in zündenden Worten den ersten Trinkspruch auf Se. Majestät den König aus, worauf die Sachsenhymne stehend gesungen ward. Weiter feierte alsdann Herr Schluttig die zahlreichen Ehrengäste. Herr Gemeindevorstand Paulus-Blasewitz gedachte des hochverdienten Dreigestirns Strauß-Schnorr von Carolsfeld-Schluttig und ließ Handel, Industrie und Verkehr leben. Herr Geh. Reg.-Rath Amtshauptmann v. Thielau trank auf das Wohl der Gemeindevertretungen von Loschwitz und Blasewitz und deren Vorstände. Herr Professor Krippendorf gedachte in gefälliger Wendung der innigen Zusammengehörigkeit der drei Gemeinden Blasewitz, Loschwitz, Weißer Hirsch. Nunmehr verlas Herr Gemeindevorstand Weigert folgendes von Herrn Staatsminister v. Metzsch eingegangenes Telegramm: "Leider behindert, an der heutigen Feier theilzunehmen, beglückwünsche ich die Gemeinden Loschwitz und Blasewitz aus Anlaß des vollendeten Brückenbaues mit dem Wunsche, daß die so einander näher geführten Gemeinden in innig nachbarliche Beziehungen zu einander treten und beide blühen und gedeihen mögen." Der Trinkspruch auf Se. Excellenz fand begeisterten Wiederhall. Herr Regierungrath Königsheim sprach als Vertreter der Königl. Kreishauptmannschaft und feierte nach Darlegung der Gründe für das Fehlen des Herrn Kreishauptmanns Frhrn. v. Hausen "die Perlen des Dresdner Elbgaues": Loschwitz und Blasewitz. Herr Schnorr v. Carolsfeld weihte ein stilles Glas dem verstorbenen Finanzminister Frhrn. v. Könneritz unter gebührender Würdigung der Verdienste des Frühverstorbenen. Herr Gemeindevorstand Strauß gedachte des Frühverstorbenen. Herr Gemeindevorstand Strauß gedachte des Ortsvereins Loschwitz und pries dessen anwesende Vertreter Schnorr v. Carolsfeld und Direktor Schluttig. Stürmischen Beifall fand der humoristische Trinkspruch des Herrn Stadtrath Baltzer, der im Namen der städtischen Collegien den Dank aussprach, und bei der Feier der "zehnten Elbbrücke" die guten Beziehungen zwischen Dresden und den beiden Perlenorten geistreich betonte. Herr Geh. Finanzrath Köpcke hob den Gemeinsinn der Bürger von Loschwitz und Blasewitz hervor. Unter großem Jubel gedachte in launiger Rede Herr Schnorr v. Carolsfeld der beiden Straßenbahndirektoren Clauß und Stötzner. Nachdem Herr Privatus Enzmann-Loschwitz einen längeren poemchen Gruß vorgetragen hatte zu Ehren der wackeren Männer der "Marienhütte", sprach Herr Direktor Clauß den Dank in seinem und der neuen Gesellschaft Namen aus und trank auf die Erweiterung der Ortschaften von Loschwitz und Blasewitz. Bei all' dieser geistigen Speise war man inzwischen mit der elblichen zu Ende gekommen, das attische Salz war indeß in Lied und Wort noch nicht erschöpft. Die Stimmung ward immer gehobener und hallte bis zum Schluß der Tafel in allgemeiner Freude über das Gelingen des Werkes aus. Auf die Tafel folgte Concert der Männergesangsvereine und der Gardreiterkapelle. Illumination und Ball in dem schmucken Demnitz'schen Etablissemant gaben dem denkwürdigen, von herrlicher Witterung begleiteten Tage einen entsprechenden Abschluß. --- In Nr. 193 dieses Blattes wurde über die Belastungsprobe der Brücke berichtet und dabei u. A. geschrieben: "Der Inhaber des mechanischen Instituts im Königl. Polytechnikum, Herr Oskar Leuner, hatte an maßgebenden Stellen des Brückenkörpers seine sinnreich konstruirten Drehungs- und Durchbiegungszeiger angebracht etc.." Herr Geh. Hofrath Dr. W. Fränkel ersucht uns nun, richtigzustellen, daß die angegebenen bekannten Instrumente zwar von Herrn O. Leuner gearbeitet sind, aber genau nach den Angaben und Maßen des Herrn Geh. Hofraths. [DN 16.7.1893]


Postkarte König Albert Brücke in Loschwitz, undatiert [2]

   Die neue deutsche Straßenbahngesellschaft beförderte auf der e l e k t r i s ch e n  S t r a ß e n b a h n l i n i e am vergangenen Sonnttage 15,000 Personen und erzielte dadurch eine Einnahme von ungefähr 2600 Mark. Ueber die Blasewitz-Loschwitzer Brücke fuhren mit derselben allein 4553 Personen. Auf den Gesammtlinien der Deutschen Straßenbahngesellschaft stieg am gleichen Tage die Personenbeförderungszahl auf 50,000. [DN 18.7.1893]

   Die schon lange schmerzlich entbehrte Wasserversorgung von W e i ß e r  H i r s ch und O b e r l o s ch w i tz wird nunmehr durch ein zu dem Behufe zusammengetretenes Komitee eifrigst vorwärts gebracht. In einer kürzlich stattgefundenen Interessenten-Versammlung hatte man sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß für die beiden Nachbarorte der Anschluß an das erst unlängst von der Gemeinde Loschwitz erworbene Loschwitzer Wasserwerk das Ersprießlichste sein dürfte, und ist es dem Komitee gelungen, von Herrn Oberbaurath Salbach in Dresden, dem Begründer des Dresdner Wasserwerks, die Zusage zu erhalten, einen Vortrag über das Loschwitzer Wasserwerk, die Beschaffenheit und die vorhandene Wassermenge, sowie die Maßnahmen, welche zu einer rationellen Vergrößerung des Werkes nöthig sein dürften, zu halten. Dieser Vortrag wird morgen Abend 8 Uhr im Saale des Würffel'schen Gasthofes (jetzt Parkhotel) stattfinden und dürfte große Anziehungskraft auf die Grundstücksbesitzer u. s. w. ausüben. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. [DN 20.7.1893]

   Welchen Einfluß die neue Loschwitzer Brücke bereits auf den Verkehr nach dem W e i ß e n  H i r s ch ausübt, ersieht man daraus, daß der schmale Fußweg, welcher von Gasthof zur Eule im Loschwitzgrunde bis hinauf zur Adlerstraße führt, am vergangenen Sonntage in der Zeit von 3 bis 6 Uhr von nicht weniger als rund 1800 Spaziergängern benutzt wurde und man also für den ganzen Tag mindestens 2000 Personen rechnen kann. Da nun aber auch noch mehrere andere Wege von Loschwitz aus nach den luftigen Höhen führen, so wird man nicht sehr fehlgehen, die Gesammtzahl der Bergsteiger auf 5000 anzunehmen. Wie wird sich aber der Verkehr erst gestalten, wenn die doch nothwendige Drahtseilbahn in fünf Minuten die Höhe ersteigen und damit den Weißen Hirsch und Weißen Adler auf nur halbstündige Entfernung vom Schloßplatze aus bringen wird! Viele Tausende werden nach Dresden kommen, um nicht sowohl das blaue, als vielmehr das neue schwarze Wunder in Augenschein zu nehmen und ist darum jeder Tag, um welchen die Herstellung der Höhenbahn hinausgeschoben wird, ein großer Verlust für den Höhenverkehr. [DN 27.7.1893]

   Mit dem 1. August hat die alte Blasewitz - L o s ch w i tz e r  F ä h r e ihre Fahrten eingestellt und damit ist Herr Hermann Schröder, der seit dem Jahre 1863 ununterbrochen auf derselben als Maschinist im Dienste gestanden, in den Ruhestand getreten. In Anbetracht dieser Thatsache hat der Herrenverein zu Loschwitz dem allen Blasewitzern und Loschwitzern wohlbekannten und verdienten Mann die Anerkennung des Publikums für so langjährige, treue Pflichterfüllung durch Ueberreichung eines schönen Abschiedsgeschenkes ausgedrückt. [DN 6.8.1893]

   Seit dem 22. d. M. nimmt das Gas der städtischen Gasfabriken seinen Weg auch nach L o s ch w i tz. Die Zuführung erfolgt mittelst eines an der westlichen Außenseite der neuen Brücke befestigten und an das Blasewitzer Rohrnetz sich anschließenden schmiedeeisernen Rohres von 150 Mm. lichter Weite. Die Befestigung des Rohres an der Brücke bot nicht geringe Schwierigkeiten, da die Arbeiter die Arbeit nur in Hängegurten vornehmen konnten. Im Orte selbst brannten am genannten Tage auch bereits öffentliche Straßengaslaternen, während auf der Brücke die bisherige Interimsbeleuchtung noch etwa 11 Tage wird beibehalten werden müssen. Die Brücke erhält von beiden Seiten Gaslaternen mit Brennern zu 180 Ltr. stündlichen Gasverbrauch. Das Gas wird nicht, wie man vielfach annimmt, den Orten Blasewitz und Loschwitz direkt von der Reicker Gasfabrik aus zugeführt, sondern es entstammt sowohl dem in der Eliasstraße liegenden 900 Mm. weiten Hauptrohre, welches nicht allein Gas der Reicker Fabrik, sondern vermöge seiner Verbindung mit dem Neustädter Rohrnetz auch solches der Neustädter Fabrik enthält, als auch den ziemlich starken Querleitungen in der Lortzing- und Fürstenstraße. [DN 27.8.1893]

   Die Frage einer Verkehrsanlage zwischen L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch - B ü h l a u ist in ein neues Stadium getreten. Es hat sich ein Konsortium zur Ausführung einer elektrischen Straßenbahn gebildet. Der technische Leiter ist Herr Ingenieur Kitzler. Ebenso wird jetzt der Plan einer Straßenbahn nach dem G r o ß e n  W a s s e r f a l l, sowie nach den Mühlen und dem hinteren Kirnitzschthal, mit etwaiger Verlängerung von Hinterdittersbach aus nach Rainwiese lebhaft erwogen. Wie verlautet, bewirbt sich die Gesellschaft um die Konzession, auf der genannten Strecke eine elektrische Straßenbahn in's Leben zu rufen und zwar unter Leitung des genannten verdienten Herrn Ingenieur Kitzler. [DN 1.9.1893]
   Zu der destrigen Notiz, die Anlage einer Straßenbahn von Schandau aus nach dem W a s s e r f a l l, Kirnitzschänke, event. Rainwiese betreffend, erhalten wir die Mittheilung, daß die Bewerbung der Konzessionsertheilung hinfällig ist, indem sofort nach ertheilter Fahrgenehmigung mittelst Lübrigischer Patent-Gas-Motor der Bau vorgenannter Strecke Schandau-Großer Wasserfall bereits diesen Herbst beginnen soll! [DN 2.9.1893]

   Die D r a h t s e i l b a h n von L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch hat in diesen Tagen den Loschwitzer Gemeinderath erneut beschäftigt, ohne daß man zu einem endgiltigen Beschlusse gelangt wäre. Nach dem vorliegenden Plan ist als Thalstation eine offene Halle neben dem Rathskeller (nach der Brücke zu) vorgesehen. Von da aus fährt die Bahn bergauf durch einen Tunnel unter dem Burgberg und schneidet die Grundstücke der Herren Michael, Maler Vogel, Dorn und Kommerzienrath Mende. Hierauf läuft sie mittelst einer in schlanker Eisenkonstruktion gehaltenen Brücke über den Rietschelberg durch die Grundstücke der Herren Reischel und Hofbuchhändler Warnatz, überschreitet auf einer gleichartigen Brücke den Sandweg, berührt die Grundstücke der Herren Birnstengel und Bötzing, um schließlich an der Prinzeß Louisenstraße in einer auf dem Areale der Reuter und Genossen errichteten Endstation auf der Höhe auszumünden. Diese soll nicht allein den bemittelten Bewohnern der Loschwitzer Höhen eine bequeme und zuverlässige Verbindung mit dem Thale und der Residenz schaffen, sondern es ist auch die Einstellung billiger Arbeiterzüge in Aussicht genommen, um den in der gesunden ländlichen Umgebung wohnenden Arbeitern der umliegenden Ortschaften ein schnelles Erreichen der Arbeitsstätte und rasche Heimkehr zu ermöglichen. [DN 19.9.1893]
   Gestern Abend wurde vom Gemeinderath zu L o s ch w i tz in öffentlicher Sitzung die allgemein erwünschte D r a h t s e i l - B a h n von Loschwitz nach Weißer Hirsch g e n e h m i g t. [DN 21.9.1893]
   Die D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch ist nun endlich definitiv genehmigt. Nachdem bereits vor Wochen die Königl. Ministerien dem Unternehmen ihre Zustimmung ertheilt haben, hat nun auch vorgestern Abend der Gemeinderath von Loschwitz seine Genehmigung zu dem Projekt ausgesprochen. Damit ist das letzte Hinderniß, das der lange schon sehnlichst gewünschten Bergbahn noch im Wege stand, beseitigt und schon in vier bis sechs Wochen werden die Arbeiten am Baue beginnen können. Die Linie, die mannigfache Aenderungen im Laufe der Jahre erfahren und noch in letzter Zeit, da einige Grundstücksbesitzer unerfüllbare Forderungen stellten, umgelegt werden mußte, beginnt am Rathskeller zu Loschwitz und endigt an der neuen Prinzeß Luisenstraße. Die Fahrzeit soll 5 Minuten betragen, sodaß alle 7 Minuten ein Wagen in jeder Richtung fahren kann. Mit der endlichen Verwirklichung des Projektes ist einem dringenden Bedürfnisse abgeholfen und nicht nur der Weiße Hirsch, nicht nur Loschwitz, das sicher auch seine Vortheile aus der Bahn ziehen wird, auch Dresden hat alle Ursache, sich über die Drahtseilbahn zu freuen, die einen der schönsten Punkte der Umgebung ihr in so unmittelbare Nähe rückt. [DN 22.9.1893]
   Der Gemeindevorstand zu L o s ch w i tz hat, wie bereits erwähnt, am Mittwoch Abend das Projekt einer am westlichen Höhenzuge des Loschwitzgrundes hinführenden Drahtseilbahn zwischen Loschwitz und Weißer Hirsch genehmigt. Die Verhandlungen umfaßten längere, sehr rege Debatten. Dem betr. Unternehmer-Konsortium, ist wie der Vortrag aus den Akten ergab, vom Königl. Ministerium des Innern die Konzession zu einer solchen Bahn auf 30 Jahre unter mehrfachen, den öffentlichen Verkehr, die allgemeine Sicherheit u. s. w. betreffenden Bedingungen und oberbehördlichen Vorbehalten bereits ertheilt worden. Das Kollegium stimmte nun gleichfalls, wenn auch erst durch die ausschlaggebende Stimme des Herrn Gemeindevorstandes Weigert, mit 9 gegen 8 Stimmen diesem Bahnprojekte zu. [DN 23.9.1893]

   Herrn Gemeindevorstand a. D. S t r a u ß in Loschwitz, welcher sich um den Ort, insbesondere um den Elbbrückenbau große Verdienste erworben hat, ist vom dasigen Gemeinderathe das Ehrenbürgerrecht von Loschwitz und vom Brückenbauverband Blasewitz-Loschwitz mit Rochwitz das Recht zum freien Brückenübergang auf Lebenszeit zuerkannt worden. Herrn Strauß wurde zur Beurkundung dieser Auszeichnung ein künstlerisch schön ausgeführtes Ehrendiplom überreicht. [DN 28.9.1893]

   Unsere von Siemens und Halske musterhaft eingerichtete e l e k t r i s ch e  S t r a ß e n b a h n Dresden-Blasewitz-Loschwitz erfreut sich, obwohl sie noch nicht volle drei Monate in Betrieb ist, im Publikum bereits einer allgemeinen Beliebtheit und demzufolge auch einer außerordentlichen Frequenz. Sie hat aber auch in dieser kurzen Zeit zur Ehre der Betriebsleitung hinlänglich bewiesen, daß sie den an sie gestellten Ansprüchen mehr als Genüge zu leisten im Stande ist und ein lebensfähiges zeitgemäßes Unternehmen darstellt. Jawohl, zeitgemäß ist das rechte Wort, denn wir leben ja thatsächlich im Zeitalter der Elektricität, jener wunderbaren, vermuthlich den ganzen Weltbau durchdringenden Kraft, die sich der fort und fort flügelnde und experimentirende Mensch unterthan gemacht hat. ... [DN 25.10.1893]

1894
Drahtseilbahnbau, Grundstraßenbahn, Rinnenkabelbahn Loschwitzgrund - Weißer Hirsch, Wasserwerksbau

   L o s ch w i tz. Nachdem der Gemeinderath von Blasewitz schon früher beschlossen hatte, der Dresdner (alten) Straßenbahn-Gesellschaft das Umspannen ihrer nach Loschwitz verkehrenden Pferdebahnwagen an der Ecke der Residenz- und Striesener Straße vom 1. Januar 1894 ab zu untersagen, war die Gesellschaft bei unserer Gemeinde um die Erlaubniß eingekommen, das Vorspannen von frischen Pferden vor die Loschwitzer Wagen am Endpunkte der Strecke auf dem Ortsplatze vor dem hiesigen Rathhause vornehmen und die dazu erforderlichem Pferde frei über die Brücke führen lassen zu dürfen. Der hiesige Gemeinderath hat jedoch in seiner letzten Sitzung vom 30. Dezember 1893 dieses Gesuch mit 8 gegen 6 Stimmen abgelehnt und dies nun der Gesellschaft mitgetheilt. Dadurch ist der Gesellschaft der unbedingt nothwendige Pferdewechsel für die Loschwitzer Wagen unmöglich gemacht worden und sie hat sich daher gestern veranlaßt gesehen, den B e t r i e b über die Brücke nach unserem Orte e i n z u st e l l e n. Da die Gesellschaft jedoch kontraktlich verpflichtet ist, diesen Verkehr aufrecht zu erhalten, dies außerdem wegen des Anschlusses an die geplante Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch für sie von Interesse ist, so wird sich wohl aus dieser Angelegenheit ein Streitfall entwickeln, auf dessen Ausgang man hierorts mit Recht gespannt ist. [DN 6.1.1894]
   Aus L o s ch w i tz schreibt man uns: Es war also nur ein süßer Traum vom Böhmischen Bahnhofe oder Pirnaischen Platze aus direkt nach dem Gemeindehause Loschwitz fahren zu können, denn plötzlich ist diese Jahrzehnte hindurch angestrebte Verbindung zum Stehen gekommen wie das darunter befindliche Elbeis. Wenn man an die schwungvollen Reden der Eröffnung der Brücke denkt und nun zusehen muß, wie Alles wieder in Frage gestellt ist, so möchte man wohl an dem Fortschritte eines dahinführenden Verkehrs verzweifeln. Man erzählte, die Gemeinde wolle den durchaus nöthigen Pferdewechsel nur unter der Bedingung gestatten, daß für die leer hinübergehenden Pferde eine Extravergütung zu entrichten sei. Sollte dem wirklich so sein, so erscheint es doch sehr fraglich, ob ein solches Vorgehen mit seinen Konsequenzen im Interesse der Gemeinde selbst liegt. Der Pferdebahnpersonenverkehr ist auf dieser letzten Theilstrecke oft ein so geringer, daß deren Betrieb der Gesellschaft bedeutende Opfer auferlegt und ist es darum auch gar nicht angängig, ihr noch weitere Opfer zuzumuthen. Mögen auch jetzt die Brückeneinnahmen hinter den gehegten Erwartungen zurückbleiben, sicher ist, daß schon das neue Jahr eine Wandlung zum Besseren ergeben wird und somit wäre es ein Schneiden ins eigene Fleisch, wenn man die Quelle des zweifellosen Zuwachses durch eine falsch gehandhabte Maßregel verstopfen würde. Bisher war Loschwitz von dem leichten Verkehr mit dem Centrum der Stadt wie abgeschnitten und von einem Aufschwung wie in Blasewitz konnte auch nicht entfernt die Rede sein, trotzdem seine milde, idyllische Lage verbunden mit gesundem Grund und Boden viele andere Vororte weit hinter sich läßt. Mit den genannten Verkehrseinschränkungen bleiben die Grundstücke nach wie vor unter ihrem Werthe und auch den geplanten neuen Linien dürfte leicht der Antrieb zur schnellen Ausführung genommen werden. [DN 13.1.1894]

   Wie der "Elbth.-Bote" mitheilt, haben die Unternehmer der D r a h t s e i l b a h n von Loschwitz nach dem Weißen Hirsch bei der Regierung um Konzessionsertheilung zur Beförderung von Gütern nachgesucht und haben begründete Hoffnung, daß ihnen dieselbe ertheilt wird. Wie es heißt, soll der Betrieb der Bahn durch Dampf geschehen und ist die Anlage des dazu nöthigen Maschinenwerkes auf der Endstation an der Prinzeß-Louise-Straße in Aussicht genommen. [DN 14.1.1894]

   Die Bahnverbindung L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch betreffend, tauchen neben der in Aussicht genommenen Drahtseilbahn neuerdings verschiedene Konkurrenzprojekte auf. Herr Ingenieur Kitzler hat den Plan zu einer elektrischen Grundbahn eingereicht. Die Deutsche Straßenbahn-Gesellschaft hat eine elektrische Adhäsionsbahn in Aussicht genommen, welche vom Loschwitzgrund durch einen Tunnel abzweigen und in großem Bogen über Bühlau nach Weißer Hirsch geführt werden soll. [DN 9.2.1894]

   In B l a s e w i tz und in L o s ch w i tz hat an beiden Osterfeiertagen ein ungemein starker Verkehr stattgefunden, welcher sich auch mehr oder weniger nach  den elbaufwärts gelegenen Ortschaften erstreckte. Die gesammte Passage an beiden Festtagen zwischen Blasewitz und Loschwitz über die Elbe kann man auf rund 64,000 Personen und 600 Pferde schätzen. Am Sonntag überschritten 20,375 Personen und 338 Pferde, am Montag 20,674 Personen und 258 Pferde die Elbbrücke, während die beiden Straßenbahn-Gesellschaften sowohl, wie auch die beiden, je 70 Personen fassenden Schraubendampfer "Pfeil" und "Elbe" an jedem Festtage noch gegen 6000 Personen beförderten. Bei diesem gewaltigen Verkehre, der sich hauptsächlich an den Nachmittagen entwickelte, hatte natürlich das Betriebspersonal im Allgemeinen schweres Arbeiten. Auch auf der elektrischen Bahn Blasewitz-Laubegast waren an beiden Nachmittagen, obgleich alle 7 Minuten Doppelwagen vice versa abgelassen wurden, die Waggons gedrückt voll. Dies hatte in Laubegast den reinen Meß- und Jahrmarktstrubel zur Folge, der theilweise nach Kleinzschachwitz hinauf oder nach Tolkewitz herein auslief. Laubegast dürfte schwerlich je vorher schon einen solchen Verkehr gehabt haben. Die Bahndirektion hatte am Osterfeste erstmalig die neuen offenen Sommerwagen in Betrieb gestellt; dieselben werden an schönen Tagen die Fahrt weit angenehmer machen. [DN 29.3.1894]

   Das Lokalkomitee und die Bau- und Betriebsunternehmung für den Bau einer B a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch (i. B. Civilingnieur J. Kitzler) versendet einen ausführlichem "Prospekt über Anlage und Betrieb einer im Prinzip konzessionirten elektrischen schmalspurigen Grund-Straßenbahn von Loschwitz bis zur Eule (Theilstrecke I) nebst Zweiglinie nach dem Weißen Hirsch (Theilstrecke II) und zweitens der Fortführung auf der Loschwitzer Grundstraße von der Eule bis nach Altbühlau (Theilstrecke III), der diesen schon so lange der Ausführung harrende Plan einer gründlichen Untersuchung und Ausarbeitung unterzieht und der Verwirklichung damit ein gutes Stück näher zu bringen versucht. Der technische Charakter aller drei Theilstrecken ist der von schmalspurigen Gebirgsbahnen mit dem für Adhäsionsbetrieb noch zulässigen Maximal-Steigungsverhältnisse von 1 : 18 (in ausnahmsweiser kurzer einmaliger Erscheinung), wogegen das mittlere Steigungsverhältniß in Theilstrecke I = 1 :22,36, in Theilstrecke II = 1 : 26,5, in III = 1 : 30 werden wird. Als Fahrgeschwindigkeit der einzeln verkehrenden elektrischen Motorwagen wird 0,1 Mtr. Hubhöhe pro Zeitsekunde als Norm für den anfänglichen Betrieb angenommen, eingerechnet die geringen Zwischenaufenthalte an den Aussteige- und Ausweichplätzen, deren im Ganzen 6 projektirt sind. Es ergiebt dies eine Fahrzeit innerhalb Theilstrecke I von 12, innerhalb Theilstrecke II von 6 Minuten (sonach von Loschwitz über Eule bis Weißer Hirsch = 18 Minuten), ferner innerhalb Theilstrecke III von 8 Minuen, danach eine Fahrzeit für Loschwitz bis Alt-Bühlau von zusammen 20 Minuten. Indem nun den speziellen Konzessions-Bedingungen zufolge die elektrischen Wagen während der Sommermonate von früh 6 Uhr bis Abends 11 Uhr die Theilstrecke I zu verkehren haben, so müssen zur Erfüllung dieser Forderung je ein Wagen aufwärts und einer abwärts in Theilstrecke I und bei Weiterführung zusammen zwei Wagen auf- und abwärts im Fahrbetrieb sein. Letztere werden den elektrischen Kraftstrom nicht benöthigen, sondern durch ihre eigene Schwerkraft und eine Bremshandhabung normalgeschwind abwärts laufen. Dem unten oder oben (am Weißen Hirsch) ankommenden Wagen verbleiben gerade noch 2 Minuten Wartezeit bis zum Antritte der Rückkehr. Ein fünfter Wagen mit elektrischem Motor wird auf der Station Eule in Reserve gehalten. Der sechste Wagen verkehrt allein auf der Theilstrecke III von der Eule bis Alt-Bühlau, innerhalb welcher Strecke im Sommer 20-minutenweise, im Winter 30-minutenweise gefahren werden soll, während für Loschwitz bis Weißer Hirsch im Winter 20-Minuten-Fahrverkehr angenommen ist. Die mögliche Leistung der nur eingleisigen Bahn z. B. zwischen Loschwitz und Weißer Hirsch an Sonn- und Festtagen auf die Dauer des größten Andranges wird bei Zuhilfenahme von kleinen leichten Anhängewagen für je 25 Personen, während 25 dergleichen in dem Motorwagen selbst befördert werden, aufwärts bei 30 Fahrten mit je 50 Personen 1500 Personen betragen, abwärts bei 30 dergleichen ebensoviel, d. i. eine Gesammtleistung während 5 Stunden Andranges von 3000 Personen. Eine größere Leistung bei nur normalen Betriebe würde nach der Ansicht der Unternehmer von einem anderen Transportunternehmen, etwa Seilbahn, kaum zu erzielen sein. Außerdem bringt die nach dem Weißen Hirsch führende Adhäsionsbahn den Fahrgast bis an's Küntzelmann-Denkmal oder wenige Schritte vorher, mindestens aber bis auf die Entfernung von 200 Meter vom Kurhause, während eine Seilbahn oder etwa Sekundärbahn ihre Fahrgäste schon auf 700 Mtr. Distance vom Kurhause sich selbst überlassen muß und sie nicht weiter führen kann. Eine direkte Fahrverbindung bis an die Bautznerstraße ohne Umsteigen ist in diesen Fällen sonach absolut ausgeschlossen. Die Gesammtanlagekosten sollen nach dem vorliegenden Projekte 392,000 Mk. betragen. Der Verkehrs- und Rentabilitäts-Berechnung entnehmen wir noch Folgendes: Nach den eingeholten statistischen Verkehrs-Einnahmen des Rathes zu Dresden und denjenigen des Königl. Statistischen Bureaus daselbst über die letztjährige Benutzung der von Dresden nach Loschwitz betriebenen Verkehrs-Unternehmungen kann die jährlich Personen-Frequenz auf Grund des Verkehrs-Bedürfnisses der Orts-Einwohner von Loschwitz, Ober-Loschwitz, Weißer Hirsch und Adler sammt Sommergästen und der in Betracht kommenden Umgebung angenommen werden zu 150,000 Passanten nach der einen und 150,000 dergleichen nach der anderen Richtung, was bei einer nur ca. 12 1/2-prozentigen mittleren Besetzung der verfügbaren Fahrplätze eine Einnahme von 35,375 Mk. ergeben würde. Hierzu kämen ca. 4 Proz. aus Nebeneinnahmen (Reklamen, Schildern) zu 1500 Mk.. Die durch Ausflügler und Vergnügungsreisende aus Dresden zu erzielenden Einnahmen sind mit 30,000 Mk. veranschlagt, sodaß also ein Gesammt-Brutto-Erträgniß von 68,875 Mk. angesetzt wird, auch würde es später noch Nebeneinnahmequellen (Beförderung leichter Stückgüter bei einer Früh- und einer Abendfahrt, für Stromabgabe zu Beleuchtungszwecken oder zur Hausindustrie etc.) mehrfach geben. Die Betriebsunkosten sind im Ganzen veranschlagt auf 45,978 Mk. das Jahr, wobei für das Sommerhalbjahr an Personalunkosten 13,890, an Materialverbrauch 2700, an Reparaturen und Amortisationen 5910 Mk. berechnet sind. Die Ausgaben des Winterhalbjahres sind, da etwaige durch Verminderung der Fahrten entstehende Ersparnisse an Kohlen etc. auf Reparaturen und Aehnliches verwendet werden sollen, denen des Sommers gleichgestellt. Nach Abzug aller Unkosten würde somit ein Ueberschuß von 22,897 Mk. erzielt. Hiervon gehen noch für den Reservefonds 1144 Mk. ab, sodaß der Restbetrag von 21,763 Mk. zur Vertheilung auf das Anlagekapital von 392,000 Mk. gelangen kann, welches eine 5pozentige Verzinsung im Durchschnitte oder bei 4 1/2prozentiger des halben Kapitals in Prioritäten eine 6prozentige für das Aktienkapital ergeben würde. [DN 17.4.1894]

   L o s ch w i tz. Das fortwährend mit Regen drohende Wetter des gestrigen Sonntags, sowie die Pferderennen bei Seidnitz sind von bedeutendem Einfluß auf unseren Brückenverkehr gewesen. Während nämlich am Sonntag den 8. April 15,344 Fußgänger (12,955 à 3 Pfg, und 2389 à 2 Pfg.) sowie 325 Pferde mit einer Gesammteinnahme von 468 Mk. 93 Pfg. die Brücke passirten, waren diese Zahlen am letztvergangenen Sonntag auf 11,700 Fußgänger (10,046 à 3 Pfg. und 1654 à 2 Pfg.), 208 Pferde mit einer Totaleinnahme von 375 M. 26 Pfg., also um 113 M. 67 Pfg. herabgegangen. An beiden Tagen sind die von den Straßenbahnen über die Elbe Beförderten nicht mit in Rechnung gestellt, da beide Gesellschaften die Brückenbillets im Ganzen beziehen und an ihre Fahrgäste abgeben. [DN 17.4.1894]

   Der Gemeinderath zu L o s ch w i tz hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das schon viel besprochene Unternehmen der Grundstraßenbahn abzulehnen, die hierzu mit Herrn Kitzler eingeleiteten Verhandlungen abzubrechen und denselben mit dem ganzen Projekte abzuweisen. --- Bezüglich des Gesuches der Arbeiterbevölkerung um Einführung billiger Arbeiterzüge mit Gepäckbeförderung auf der elektrischen Straßenbahn nach Dresden ist man zu einem befürwortenden Entschluß gekommen, und man theilte der Deutschen Straßenbahngesellschaft mit, daß sie die etwa noch erforderliche Genehmigung der betreffenden Behörde hierzu einholen möge. Die vorgenannte Gesellschaft, schreibt das "Dr. J.", deren tüchtiger Betrieb allgemein anerkannt ist, würde vielleicht am besten in der Lage sein, den vielfachen Wünschen um ein Beförderungsmittel nach den hinteren und oberen Loschwitz gerecht werden. [DN 29.4.1894]

   Bezüglich des Artikels in der Mittwochsnummer unseres Blattes, der die ungemein starke Frequenz durch den Loschwitzgrund während der Feiertage hervorhebt und am Schlusse auf die Nothwendigkeit und gute Verzinsung einer elektrischen B a h n l i n i e bis B ü h l a u hinweist, wird uns mitgetheilt, daß die Einwohner von Weißer Hirsch, Ober-Loschwitz und Bühlau nicht ruhen und rasten und immerwährend thätig sind, das Projekt der Ausführung näher zu bringen. So ist auch in vergangener Woche wieder auf der Felsenburg eine Versammlung in dieser Sache abgehalten worden, in welcher klargelegt wurde, daß die technischen Vorarbeiten vollständig erledigt und die behördlichen Genehmigungen im Prinzip eingeholt seien, auch die Hauptsache, die Finanzirung des Unternehmens vollständig gesichert sei. Allerdings wollen die Kapitalbeschaffer sicher gehen und sich wegen der in Loschwitz schwebenden Beschleusungsfrage in keine Sackgasse begeben. Sie wollen vom Gemeinderathe klare Auskunft haben, ob die Beschleusung der Grundstraße binnen einer gewissen Zeit vorgenommen wird und der Bahnbau wegen dieser Beschleußungsfrage nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden müsse. Bestimmtes wurde bisher vom Gemeinderath nicht geäußert und nur gesagt, die Beschleusung könne in 1, 3 oder vielleicht auch 10 Jahren in Angriff genommen werden. Auf solche Erklärung hin wird sich freilich kein Kapitalist finden. Nach diesen Darlegungen fand die Versammlung, daß die ganze Sache lediglich beim Gemeinderathe in Loschwitz hängt und unter obwaltenden Umständen nicht weiter gehen kann. Man beschloß daher, einen Antrag mit der Bitte um Aufkläung an den Gemeinderath zu Loschwitz zu richten und erhofft nach Eintreffen der Antwort auf sicherem Pfade vorwärts schreiten zu können. Der Antrag geht dahin: "freundliche Auskunft darüber geben zu wollen, ob die Unterhandlungen mit Herrn Ingenieur J. Kitzler wegen der jetzigen Unausführbarkeit der Ortsbeschleusung oder aus anderen Gründen abgebrochen worden sind"? Herr Ingenieur Kitzler erklärte nämlich, nur die Ungewißheit bez. der Beschleusung sei der Hemmschuh des Unternehmens und fügte bei, als auch die Finanzirungsfrage berührt wurde, nach dieser Richtung hin sei Alles geregelt; die Firma Burchard und Comp., Berlin, wäre nach wie vor bereit, mit dem erforderlichen Kapitale das Unternehmen zu finanziren. --- Von der Antwort des Gemeinderathes wird also das Schicksal des projektirten Bahnbaues abhängen. [DN 20.5.1894]

   Die neue B r ü ck e in B l a s e w i tz - L o s ch w i tz ein Versuchs-Objekt für meteologisch-physikalische Beobachtungen --- dieses Faktum dürfte wohl vielen Passanten dieses Bauwerkes als "blaues Wunder" erscheinen. Und doch ist dem so. Mitten auf der Brücke, wo die Hauptträger zusamenzustoßen scheinen, befindet sich ein Spalt, in welchem eine Feder in Form eines S sich befindet, welche jede durch Temperaturverhältnisse entstandene Verschiebung auf den Millimeter registrirt. Man sollte kaum glauben, daß die Sonnenhitze diese gewaltigen Eisenmassen so weit ausdehnen kann, und wiederum die geringste Thermometerschwankung sich hier deutlich kennzeichnet. Auch auf der Niederwarthaer Eisenbahnbrücke sind auf den Gleisen mitten auf der Brücke bewegliche Schienenstücken eingesetzt, welche durch lose Laschen Eisenplatten zur Verbindung der einzelnen Schienen befestigt sind, um ein Zusammenschieben der Schienen und dadurch unabsehbares Unheil für die fahrenden Züge zu vermeiden. [DN 26.5.1894]

   In der am Mittwoch Abend abgehaltenen Gemeinderathssitzung in L o s ch w i tz verwahrte sich der Gemeindevorstand Weigert bezüglich des Kitzler'schen Grundstraßenbahnprojektes dagegen, daß die Gemeinde die Verwirklichung des Projektes verhindert habe. Dasselbe sei einzig und allein in die Brüche gegangen, weil die Gesellschaft Hennig, Hartwig und Comp. den Vertrag, welchen die Gemeinde ihr zugeschickt habe, nicht vollzog und an die Gemeinde das Ansinnen stellte, 500,000 Mark zu der Bachbeschleusung und zu dem Bahnbau aufzunehmen. Kurz und gut, es sei kein Baukapital vorhanden gewesen und von einer geldgebenden Firma Burchart und Comp. hätte die Gemeinde nie etwas gehört. Die Gemeinde hätte, so lange das Bahn-Baukapital nicht vorhanden wäre, nicht die geringste Ursache, die Bachbeschleusung zu beschleunigen. [DN 26.5.1894]
   Aus L o s ch w i tz schreibt man uns: Die in der Loschwitzer Gemeinderathssitzung vom 23. d. M. erlassene Erklärung die G r u n d st r a ß e n b a h n betr., hat nun endlich Aufschluß gebracht, woran die ganze Sache liegt. Es ist weder eine Unternehmergesellschaft noch Kapital vorhanden. Man muß eigentlich die gegentheiligen Behauptungen bewundern. Herr Ingenieur Kitzler erklärt am 8. Mai in einer Versammlung auf der Felsenburg, wie man in verschiedenen Blättern las: "Die Geldgeber sind da, der Bau könnte sofort beginnen, wenn der Gemeinderath wegen der Beschleußung mit der Sprache herauswollte." Der Loschwitzer Gemeinderath erklärt 11 Tage später: "Man weigert sich in Berlin, den Kontrakt zu unterzeichnen, verlangt von uns eine Anleihe von 500,000 Mk., ein Bankhaus Burchard und Comp. ist uns niemals bekannt geworden, mithin ist kein Geld für das Unternehmen vorhanden." Ja, was sind denn das für faule Fische! Auf solchen Wege kann man doch nie und nimmer zu einem Ziele gelangen. So gesund und rentabel das ganze Projekt sein würde, kann doch auf solchem Wege nie eine Verwirklichung desselben erhofft werden. Wir verstehen buchstäblich Herrn Ingenieur Kitzler's Vorgehen in der Sache nicht; anstatt Kapitalisten aufzufordern, sich mit ihm in's Einvernehmen zu setzen und eins der lukrativsten Verkehrsunternehmen, was in technischer Beziehung von ihm fix und fertiggestellt wurde, gemeinschaftlich auszuführen, muthmaßt der Herr anscheinend, daß durch das immerwährende Auftauchen der Angelegenheit schließlich einmal ein Unternehmer kommen und bieten soll. Unserem Dafürhalten nach ist aber dieser Weg nicht der richtige. Eine gute Sache muß ausgeboten und öffentlich zur Betheiligung aufgefordert werden, wenn sie Hand und Fuß bekommen soll. Wer hat denn durch dieses ewige Hin- und Herziehen die Nachtheile? Nur die sämmtlichen betheiligten Gemeinden, die eine Verbindung wünschen und bedürfen, ebenso wie der Ort Loschwitz selbst. Wir geben Herrn Ingenieur Kitzler den einfachen, aber höchst gut gemeinten Rath, sich mit seiner Projektausarbeitung an die richtige Schmiede und das ist das Direktorium der deutschen Straßenbahn zu wenden und dieser den weiteren Ausbau der Linie zu überlassen. Unseres Erachtens ist diese Gesellschaft die einzig richtige, die dieses Unternehmen in Kürze verwirklichen kann; sie hat nicht nur die finanzielle Kraft, sondern auch bereits die elektrische fix und fertig, ebenso sind die Wagen vorhanden, so daß nur der Schienenstrang verlängert zu werden braucht. [DN 29.5.1894]
   Herr Ingenieur J. Kitzler schreibt uns mit Bezug auf die Zuschrift über das Bahnprojekt L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch: Wegen des die Grundstraßenbahn betreffenden Artikels wolle er sich auf keine Polemik einlassen, weil es nur Zeit vergeuden hieße; jedenfalls beabsichtige der Schreiber eine gute Sache als --- wohlfeile Brise --- Anderen in die Hände zu spielen. Die Verzichtleistung der Firma Henning, Hartwich und Comp. in Berlin sei eine Folge 1) der Leonhardi'schen Beschwerde, 2) weil der Gemeinderath sich nicht über Art und Zeit der Beschleusung ausläßt. --- Von anderer, sehr gut informirter Seite erklärt man uns zu derselben Sache: Der Gemeinderath ist Herrn Ingenieur J. Kitzler in keiner Sache hinderlich. Im Gegentheil wünscht man im Orte Loschwitz selbst, von ganzem Herzen die baldige Erschließung der oberen Gegend. Die Leonhardi'sche Beschwerde sowohl, wie auch die Beschleusungsfrage sind beides Angelegenheiten der Behörden. Erstere würde von der Königl. Amtshauptmannschaft ganz sicher als belanglos zurückgewiesen worden sein und unsere Beschleusung kann Herrn Kitzler in keiner Weise kümmern. Ebenso ist es Sache der Gemeinde, wie sie trotz des liegenden Bahnkörpers mit dem Schleusenbau fertig wird. Kein Mensch hat Herrn Kitzler gesagt, daß er wegen des sich nothwendig machenden Schleusenbaues auch nur einen Tag mit dem Baubeginn seiner Bahn zu warten brauche. "Nur das Baugeld garantiren, Herr Kitzler, dann soll Ihnen der Weg sofort geebnet werden!" [DN 31.5.1894]
   Ein Loschwitzer Einwohner schreibt uns: Aus der Verzögerung mit der L o s ch w i tz e r  G r u n d b a h n dürfte man am leichtesten herauskommen, wenn Loschwitz den Bau selbst unternehmen würde. Man wird allerdings einwenden, daß damit die Gemeinde in große Schulden gerathen würde. Das mag richtig sein, allein was bedeuten diese Schulden gegenüber dem Besitze einer Verkehrslinie, die sich in wenig Jahren deckt und dann eine so anständige Rente gewährt, daß Wohlstand da einzieht, wo jetzt Armuth herrscht. Als seiner Zeit Loschwitz zum Bau der Kettenbrücke ein Darlehen aufnehmen mußte, da hieß es auch, wir unterliegen der großen Schuldenlast und jetzt steht es so, daß man beklagt, nicht ein größeres Darlehen aufgenommen zu haben, um die ganze Brücke mit ihrer einst stark angezweifelten Rente in den Händen zu haben. Der ganz gleiche Fall wiederholt sich jetzt mit der Grundbahn. Was man selber leisten kann, soll man nicht Anderen zuschieben und wozu eine fremde Gesellschaft Früchte genießen lassen, die man selber gut gebrauchen kann und welche einem auch gehören, weil man erst durch den Brückenbau die Vorbedingungen dazu geschaffen hat. Die Ertragsfähigkeit der Grundbahn steht aber nach den jetzt vorliegenden Verkehrsziffern ganz außer Zweifel und wird man nicht blos die Zinsen, sondern das ganze Kapital in kurzer Zeit herausschlagen können. Man denke nur daran, welche Zugkraft für die in Dresden verkehrenden Fremden eine einzig in ihrer Art dastehende "Bergbahn" äußern muß, welchen Werth der Loschwitzgrund erlangt und man wird dann finden, daß der Einsatz gering, das Resultat aber unter allen Umständen ein glückliches sein wird. [DN 8.6.1894]
   In Sachen der L o s ch w i tz g r u n d b a h n fand am Sonntag im Schwarze'schen Gasthofe zu Bühlau wiederum eine Versammlung statt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Kenntnißnahme des vom Loschwitzer Gemeinderathe eingegangenen Antwortschreibens auf die Anfrage vom 8. Mai, deren Inhalt bereits mitgetheilt wurde. Herr Ingenieur Kitzler behauptete nach wie vor, er könne sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. Beide Vertreter der Berliner Firmen seien am betreffenden Tage in Loschwitz eingetrofffen, hätten sich bemüht, beim Vorstand Gehör zu bekommen, um die Kontrakte zu unterzeichnen, seien aber wegen Mangel an Zeit des Letzteren nicht zum Ziel gelangt und hätten unverrichteter Sache nach Berlin zurückkehren müssen. Neuerdings führte Herr Kitzler aus, stehe er jedoch mit vier weiteren Firmen in Verbindung, die sein Projekt an sich bringen und ausführen lassen wollten. Nach diesen Darlegungen wurde aus der Mitte der Versammlung Herr Ingenieur Kitzler befragt, ob er nicht an die neuerdings auch in den Blättern als die einzig richtige Schmiede bezeichnete Deutsche Straßenbahn-Gesellschaft herangetreten sei. Er antwortete, dies sei von seiner Seite vor einigen Jahren bereits geschehen, aber es habe zu keinem Resultat geführt. Daraufhin beschloß man einstimmig, in erster Linie an das Direktorium der genannten Gesellschaft eine Anfrage zu richten, ob dieselbe gesonnen sei, das Kitzler'sche Projekt zu erwerben. Herr Kitzler bestimmte auch seine Forderung für die Ausarbeitung seiner Anlage und der Anreger des Gedankens übernahm es, mit dem Herrn Direktor Stößner wegen dieser Angelegenheit in Unterredung zu treten. --- In diesem Stadium befindet sich jetzt die Angelegenheit. [DN 15.6.1894]
   Bekanntlich war bezüglich der L o s ch w i tz g r u n d b a h n in der letzten Bühlauer Versammlung beschlossen worden, an das Direktorium der deutschen Straßenbahn-Gesellschaft die Anfrage zu richten, ob dieselbe nicht gesonnen sein, das Kitzler'sche Projekt zu erwerben und die Grundbahn auszubauen. Der Bescheid des Direktoriums lautet wie folgt: "Die deutsche Straßenbahn-Gesellschaft hat sich bereits 2 Projekte ausarbeiten lassen, die Linie ist die nämliche durch den Loschwitzgrund und der Endpunkt der Bahn kommt oberhalb des Weißen Adlers an die Bautzner Chaussee zu liegen. Vorläufig müssen jedoch die Verpflichtungen auf städtischem Gebiete, Gleisanlage über die vierte Elbbrücke und einige weitere Linien fertiggestellt werden, dann aber steht dem Baue der Loschwitzgrundbahn nicht das Geringste mehr entgegen. Man erwartet jedoch von den betheiligten Gemeinden ein ähnliches Entgegenkommen, wie z. B. die Gemeinde Trachenberge-Wilder Mann gezeigt hat." --- Aus diesem Bescheide dürfte hervorgehen, daß der Bau der Bahn vollständig sicher ist und lediglich als Zeitfrage betrachtet werden kann. --- Nach neueren Erklärungen des Ingenieur J. Kitzler soll aber auch seinerseits ein Abschluß mit einer Kapitalisten-Gesellschaft erfolgt sein, die den Bau unternehmen wird. Offen gestanden, wäre es dem Herrn von Herzen zu gönnen, wenn ihm das Resultat seiner langjährigen Mühen schließlich zufiele, aber der Zeitgeist drängt vorwärts, die Gegend will erschlossen sein und muß erschlossen werden. Die sich ausbreitende Stadt sucht neue Wege zu Ausflügen und der Loschwitzgrund ist der direkteste Weg nach Dresden's Juwel, der duftenden Haide. Darum heißt es immer bei solchen Unternehmungen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" Der rege Verkehr auf den Höhen, der sich besonders Sonntags nach vielen Tausenden beziffert, gestaltet die Erschließung dieser Gegend zur Nothwendigkeit. --- Aber nicht nur aus der Mitte der Altstadt soll das Hochplateau erschlossen werden, sondern in Weißer Hirsch, Ober-Loschwitz, Bühlau etc. spricht man davon, daß zwei bekannte Dresdner Kapitalisten im Begriff stehen, sich die Konzession für eine elektrische Linie die Bautznerstraße entlang bis zum Adler zu erwerben. [DN 19.6.1894]

   Unser Nachbarort Weißer Hirsch hat sich mit der Gemeinde Loschwitz vereinbart, daß dieselbe ihr aus dem neuen Wasserwerk das so langersehnte gute Wasser abgeben wird. Auch die Beschleusung des Ortes W e i ß e r  H i r s ch dürfte im Anschluß an den Loschwitzer Schleusenbau nächstens seiner Vollendung entgegengehen. [DN 17.7.1894]

   Längere Zeit hat die L o s ch w i tz e r  D r a h t s e i l b a h n - A n g e l e g e n h e i t geruth. Jetzt mit einem Male ist sie in ein Stadium getreten, das auf eine Verwirklichung des Projektes bestimmt hoffen läßt. Ein Berliner Bankhaus, und zwar eins der größten, ist gewillt, das Kapital zum Bau zu geben, und nunmehr wird auch die Gemeindevertretung daselbst ihre Genehmigung gewiß ertheilen. [DN 21.7.1894]

   Wieder ein neues Projekt in L o s ch w i tz. Ein Konsortium hat dem Gemeinderathe ein Anerbieten vorgelegt, durch welches der von der Gemeinde geplante Korrektions- resp. Verbreiterungsbau des Pferde- und Buttenweges in eine 8,5 Meter breite Kunststraße mit 2,5 Meter breitem Fußwege fast kostenlos für die Gemeinde beschafft und zum Grunderwerbe mit beigetragen werden soll, falls ihr die Berechtigung ertheilt wird, eine schmalspurige eingleisige R i n n e n k a b e l b a h n mit einer Ausweiche in halber Länge zur leichten Erreichung von Oberloschwitz und Weißer Hirsch vom Grunde aus darauf anlegen zu dürfen. Dies Anerbieten ist ganz unabhängig von der Frage der Grundstraßenbahn selbst, deren Gegner übrigens einen verschwindend kleinen Theil gegen die Zahl derjenigen bilden, die das alsbaldige Entstehen der Grundbahn --- wofür ausreichende Geldmittel angeboten bleiben --- wünschen und erbitten. [DN 1.8.1894]

   Aus dem Vertrage mit der D r a h t s e i l b a h n - G e s e l l s ch a f t, welcher den Loschwitzer Gemeinderath in seiner letzten Sitzung beschäftigte, geht hervor, daß die Vereinigte Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft den Bau und die Nationalbank für Deutschland die Finanzirung der Bahn Loschwitz-Weißer Hirsch übernehmen wollen. Im Sommerhalbjahre soll an Wochentagen von früh 6 Uhr bis Abends 11 Uhr alle 30 Minuten und an Sonntagen alle 10 Minuten ein Wagen abgehen, während im Winterhalbjahre an Wochentagen von früh 6 Uhr bis Abends 10 Uhr alle 30 Minuten und an Sonntagen von 6 bis 11 Uhr alle 20 Minuten ein Wagen verkehren soll. Der Fahrpreis ist für die Fahrt aufwärts im Maximum auf 30 Pfg. und für die Thalfahrt auf 10 Pfg. festgesetzt. Die Gesellschaft soll 15,000 Mk. Kaution dafür hinterlegen, daß der Bau innerhalb Jahresfrist fertiggestellt wird. Nach Inbetriebsetzung der Bahn werden 10,000 M. von der Kaution zurückgezahlt, während 5000 M. als Garantie für den richtigen Betrieb stehen bleiben. [DN 4.8.1894]
   L o s ch w i tz. Dem Vertrage, welcher wegen Errichtung der Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch beim hiesigen Gemeinderath eingereicht worden ist, entnehmen wir noch einige Punkte von allgemeinem Interesse. Als Erbauer der Bahn tritt die Vereinigte Eisenbahnbau-Gesellschaft in Berlin auf, welche ein Zweiginstitut der Nationalbank ist. Das Königl. sächs. Finanzministerium hat die Genehmigung schon seit längerer Zeit ertheilt und der Ausführung steht nichts mehr entgegen, als die Genehmigung unseres Gemeinderathes und die Erwerbung des Grund und Bodens seitens der Gesellschaft. Die Bahn nimmt ihren Anfang am hiesigen Rathhaus, bei welchem ein 3 Mtr. breiter Ausgangsweg geschaffen werden muß, und endet in der Prinzeß Luisenstraße am Weißen Hirsch, wo eine Wartehalle und ein Kesselhaus erbaut werden. Unterwegs macht sich die Ueberbrückung des Rietschel- und Sandweges nöthig; beide Brücken müssen mit Geländer- und Glühlampem versehen werden, wie überhaupt die ganze dabei nöthige Beleuchtung elektrisch sein soll. Ohne Genehmigung des Gemeinderathes von Loschwitz darf der Betrieb nicht eingestellt werden. Der Vertrag lautet auf 30 Jahre. [DN 9.8.1894]
   Mit dem Bau D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch soll noch in diesem Herbst begonnen werden [DN 20.8.1894]
   Die Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch wurde vom Ministerium genehmigt; der Bau, welcher die Zeit von einem Jahre beansprucht, soll definitiv am 1. Oktober d. J. begonnen werden, nachdem auch mit dem Grundbesitzer Kaufmann Böhnisch, welche für das abzutretende Areal 15,000 Mk. erhalten soll, eine Verständigung erzielt worden ist. [DN 31.8.1894]

   In der letzten Gemeinderathssitzung zu L o s ch w i tz kamen u. A. die Verträge, welche zwischen der Gemeinde Loschwitz und dem Civilingnieur Hempel in Berlin in Bezug auf den Wasserwerksbau zum Abschluß gelangen sollen, zur Vorlage. Nach demselben verpflichtet sich Herr Ingenieur Hempel, den Bau, einschließlich Lieferung des gesammten Materials, für den Betrag von 170,000 Mk. auszuführen. U. A. werden zwei Hochbehälter errichtet und zwar ein Bassin an der Mordgrundbrücke und eins beim Weißen Adler, welch' letzteres 200 Kubikmeter Wasser fassen soll. Die Pumpstation muß bereits am 1. Juni 1895 betriebsbereit sein. [DN 1.9.1894]

   Vorgestern ist das zum Bau der D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch nöthige Land durch Zahlungen in den Besitz der Drahtseilbahn-Gesellschaft übergegangen. Der Bau wird bereits in einigen Wochen beginnen. Gleichzeitig wird der Bau eines Hotels an der Endstation, Prinzeß Luisastraße, in Angriff genommen. Das Hotel wird durch seine herrliche Lage und bequeme Verbindung sicherlich ein beliebter Sammelplatz der Dresdner werden. Den Bau der Drahtseilbahn hat die Nationalbank in Berlin übernommen. [DN 2.9.1894]

   Täglich versuchen Personen die B l a s e w i tz - L o s ch w i tz e r Elbbrücke ohne Zahlung des Brückengeldes zu passiren. Diese sogenannten "blinden Passagiere" werden natürlich von den Zolleinnehmern regelmäßig angehalten und nach Namensfeststellung zur Anzeige gebracht. Die Strafverfügung läßt gewöhnlich nicht auf sich warten und hat dann Derjenige, welcher den Brückenzoll hinterziehen wollte, eine Summe zu entrichten, für welche er hätte monatelang über die Brücke gehen können. [DN 4.9.1894]
   Ueber die Rentabilität der bereits in Angriff genommenen D r a h t s e i l b a h n von Loschwitz nach dem "Weißer Hirsch" wird geschrieben. Seit Erbauung der eisernen Hängebrücke zwischen Blasewitz und Loschwitz hat sich der Verkehr in Loschwitz ungemein gehoben. Werden doch Sonntags auf der Brücke regelmäßig 250 bis 300 Wagen mit gegen 400 Pferden gezählt. Personen passiren die Brücke Sonntags regelmäßig 11 bis 12,000, in der Woche im Durchschnitt 4 bis 5,000. Die Wagen der beiden Straßenbahnen befördern außerdem noch viele Tausende Personen hin und her. Sind doch die ? der elektrischen Linie, welche Sonntags alle 5 bis 6 Minuten verkehren, von Nachmittags 3 Uhr ab bis Nachts 11 und 12 Uhr fast ausnahmslos überfüllt. Die Statistik weist nach, daß diese Linie ? ab der Zeit von 16. Juli 1893 bis zum 15. Juli 1894 362,000 Personen, die Pferdebahnwagen der Dresdner Straßenbahn-Gesellschaft aber außerdem noch in derselben Zeit 98,000 Personen über die Brücke befördert haben. Die Gesammtzahl der Fußgänger auf der Brücke betrug während der gleichen Zeit 1,617,681, so daß die nachweisliche Gesammtzahl der Brückenpassanten in einem Jahre überhaupt sich auf 2,107,081 stellt. Nicht gezählt, mithin in vorstehenden Zahlen nicht enthalten, weil brückenzollfrei, sind die über die Brücke beförderten Insassen von Droschken, Kutschwagen und Equipagen. Die Gesammtzahl der im Laufe des vorangeführten Jahres über die Brücke gegangenen Pferde beläuft sich auf 86,120. Bedenkt man, daß hierin noch die hunderttausende Personen kommen, welche in gleicher Zeit durch die noch bestehende Dampffähre und die Dampfschiffe nach Loschwitz gebracht werden, so kann man sich einen Begriff von dem außerordenttlichen Verkehre daselbst machen. Doch nicht allein der starke Fremdenverkehr giebt eine Gewähr für die Rentabilität der Anlage, die Staatsbehörden haben auch den Güterverkehr auf der Bahn gestattet. Als Frachtgut dürften hierbei namentlich in Betracht kommen: Kohlen, Baumaterial, Obst, Wäsche etc.. Uebrigens kommt die Bahn so zu liegen, daß sie die verkehrsreichsten Verbindungswege von Unter- nach Oberloschwitz berührt, auf welchen sich ebenfalls der gesammte Fußverkehr von und nach dem Weißen Hirsch bewegt, ein günstiges Moment, was umso wirkungsvoller erscheint, als innerhalb der Gemeinde Weißer Hirsch und Oberloschwitz meist in's Privatleben zurückgetretene Leute wohnen, welche zur Verkehrserleichterung die Bahn mit großer Freude begrüßen. Auch hier allerdings hat der Grundsatz zu gelten: Billig zu fahren und dadurch den Verkehr an sich ziehen. Das jetzt zur Ausführung kommende Projekt geht dahin, die Drahtseilbahn vom Haltepunkte der Straßenbahnen beim Rathhause ab nach der Prinzeß Luisenstraße in Oberloschwitz zu führen. Diesem Projekt stand von vornherein die behördliche Symphatie zur Seite und erfreulich ist es, daß es den Bemühungen der Unternehmer gelungen ist, in der Nationalbank für Deutschland zur Ausführung des Projektes eine geeignete kapitalistische Kraft zu finden. Die Unternehmer haben sich zweifellos um die Weiterentwicklung der hierbei namentlich in Betracht kommenden Ortschaften Weißer Hirsch, Bühlau, Weißig, Gönsdorf, Schullwitz, Rochwitz, Cunnersdorf, Schönfeld, Ullersdorf ein Verdienst erworben, welches in Zukunft sicher seine volle Schätzung finden wird. Die Bahn soll am 1. Mai n. J. dem Verkehr übergeben werden, ihr Erbauer ist Herr Ingenieur Burwil?, welcher auch die Salzburger Drahtseilbahn gebaut hat. [DN 11.9.1894 schlecht entzifferbar]

   Wer jetzt in unser nachbarliches L o s ch w i tz eintritte kann sich von der regen Bau- und Verschönerungslust im Orte überzeugen. Ohne Zweifel haben die vermehrten und bequemeren Verkehrsanstalten zu all' Dem den lebhaftesten Anstoß gegeben. Es entsteht am Ausgange der Brücke und der Station der elektrischen Wagen ein förmlicher Marktplatz, von schönen, hohen Gebäuden umgeben, und soeben werden daselbst die kleinen, bislang einem Fuhrgeschäfte dienenden Gebäude abgetragen, welche dort das Häuserdreieck im Norden begrenzten. Aber auch am Wege nach Wachwitz steigen neue Gebäude auf und dicht unter der Burgbergterrasse und weiter hinauf vermaßen die Ingenieure in den letzten Tagen die Linie der neu zu errichtenden Bergbahn.
   Gegenüber der Direktion der Deutschen Straßenbahngesellschaft ist von mehrere Interessenten in Loschwitz --- namentlich Wäscherinnen, welche schwere Transporte nach dem Stadtinneren auszuführen haben --- der Wunsch ausgesprochen worden, auf die e l e k t r i s ch e n  L i n i e n von Loschwitz nach Dresden eine Gepäckbeförderung einzurichten. Laut ihrer Konzession ist eine solche Beförderung der Gesellschaft zunächst versagt. In entgegenkommender Weise hat sich jedoch die Direktion sofort bereit erklärt, die nöthigen Schritte zur Erreichung dieser Erlaubniß zu thun. Von den behördlichen Entschließungen, welche zum Theil noch ausstehen, wird es abhängen, ob die Einrichtung in's Leben tritt. Die Beförderung der Gepäckstücke würde natürlich in Anhängewagen erfolgen. [DN 18.9.1894]

   Die Unternehmer der D r a h t s e i l b a h n Loschwitz-Weißer Hirsch planen den elektrischen Betrieb und sind bereits um Abgabe elektrischer Kraft aus dem Dresdner Elektrizitätswerke an der Pfotenhauerstraße eingekommen. Dasselbe tritt bekanntlich am 1. Juli 1895 aus dem Besitz der Fa. Siemens u. Halske in den der r o t h e n  S t r a ß e n b a h n g e s e l l s ch a f t, wird aber wahrscheinlich von der Stadt Dresden übernommen. Man hat jedoch, wie man uns aus Loschwitz meldet, nicht viel Hoffnung auf Genehmigung dieses Gesuches, da, solange nicht ganz Dresden mit elektrischer Kraft versehen ist, derartige Kraftabgaben zum Betriebe von Bahnen, die ganz außerhalb der Dresdner Fluren liegen, etwas seltsam wären. Fast scheint es auch, als habe man sich an zuständiger Stelle in Dresden erinnert, welche Ansprüche im Loschwitzer Gemeinderathe seinerzeit erhoben wurden, als es sich um die Anlage der beiden Dresdner Straßenbahnen auf Loschwitzer Flur handelte. Die Unternehmer der Drahtseilbahn werden daher wohl ein eigenes Elektrizitätswerk errichten müssen. Hoffentlich nimmt der Gemeinderath dabei eine entgegenkommende Haltung ein. [DN 26.10.1894]
   Die Vergebung der Arbeiten für die D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch hat nunmehr stattgefunden und zwar sind die Erdarbeiten an die Herren Baumeister Mirus und Berndt, der Oberbau aber an Herrn Baumeister Reuther vergeben worden. Es sind mithin nur Dresdner Unternehmen betheiligt. Der erste Spatenstich hat bereits vorgestern stattgefunden, jedoch war von einer offiziellen Feier abgesehen worden und es fanden sich nur die Betheiligten ein, von welchen insbesondere die Herren Baumeister Mirus, Gemeindevorstand Weigert, Rechtsanwalt Dr. Bondi und Hofbuchhändler Warnatz dem Wunsche Ausdruck verliehen, daß das Unternehmen sich gedeihlich entwickeln und dazu dienen möge, den Verkehr der betheiligten Ortschaften zu heben und zu fördern. Ein bestimmter Termin für die Fertigstellung der Bahnanlage ist noch nicht fixirt, jedoch besteht die Hoffnung, die Bahn im Laufe des nächsten Sommers dem Verkehr übergeben zu können. Die Bahn führt entlang der zwischen Grundstraße und Plattleithenweg sich hinziehenden Berglehne; sie beginnt hinter dem Loschwitzer Rathhause, woselbst der Bahnhof Platz finden wird, durchtunnelt den Burgberg, geht durch die Grundstücke der Herren Maler Vogel, Rentier Dorn, Kommerzienrath Mende, Hofbuchhändler Warnatz, übersteigt auf Brücken den Rietschel- und Sandweg, führt weiter durch die Grundstücke des Kaufmanns Böhmig und Baumeisters Reuther, durchtunnelt die neue Prinzessin Louisenstraße und endigt hinter derselben. Auf der Strecke befindet sich eine Weiche unterhalb des Warnatz'schen Grundstückes. [DN 10.11.1894]

   L o s ch w i tz, unseren beliebten Nachbarorte, steht hinsichtlich der Gestaltung der Straßen in den nächsten Jahren eine große Veränderung bevor. Vom Hermann-Denkmal ab, unweit der Ausmündung der Brücke, wird eine 20 Meter breite Straße entstehen in der Richtung nach Wachwitz, zu beiden Seiten eine prächtiges Villenviertel erschließend, verschont vor der Elb-Hochfluth und gewiß ungemein gesucht als prächtige herrschaftliche Wohnlage mit herrlicher Aussicht auf den Strom und das linksseitige Panorama. Das ganze dazu erforderliche Areal ist in feste Hände übergegangen behufs Vereinzelung des Bau-Areals. [DN 20.12.1894]

1895
Drahtseilbahnbau, Projekt elektrische Straßenbahn Waldschlößchen-Weißer Hirsch-Bühlau, Weiterführung Drahtseilbahn nach Bühlau, Wasserwerksbau

   Die Absicht der deutschen S t r a ß e n b a h n g e s e l l s ch a f t auf der elektrischen Linie Schloßplatz-Loschwitz zu gewissen Zeiten G ü t e r b e f ö r d e r u n g einzuführen, läßt sich nicht verwirklichen, da der Rath zu Dresden hierzu seine Genehmigung versagt hat. Der Rath befürchtet nämlich, daß durch diese Güterbeförderung die städtischen Verbrauchssteuern hinterzogen werden könnten und hat deshalb das Verlangen gestellt, die Güterwagen mit Plomben zu verschließen. Da aber dann nur an den beiden Endstationen Personen mit Gepäck einsteigen können, so hat die Straßenbahngesellschaft von einem Güterverkehr ganz absehen müssen. [DN 5.1.1895]

   Der starke Schneefall hat auch den Arbeiten an der Drahtseilbahn in L o s ch w i tz Einhalt gethan, indem viele Arbeiter nicht mehr zur rechten Zeit eintreffen konnten. [DN 15.1.1895]
   Die Loschwitzer D r a h t s e i l b a h n - G e s e l l s ch a f t, welche bei ihrem Betriebe elektrische Beleuchtung einzuführen beabsichtigt, hat bei dem dortigen Gemeinderath angefragt, ob er gestatte, daß die Gesellschaft auch an Privatpersonen Elektricität zu Beleuchtungszwecken abgeben könne und zwar zu dem Preise, welchen der Rath zu Dresden für das neue Dresdner Elektricitätswerk bereits festgesetz hat. Der Gemeinderath hat die Abgabe von Elektricität im Prinzip auf Widerruf genehmigt, aber gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß später vielleicht mit dem Gemeindewasserwerk auch ein Elektricitätswerk vereinigt werde und daß dann die Drahtseilbahn-Gesellschaft keine Elektricität mehr an Private im Orte abgeben dürfe. [DN 21.1.1895]
   Die Arbeiten an der Drahtseilbahn in L o s ch w i tz werden trotz der ungünstigen Schneeverhältnisse und Kälte fortgesetzt. Eine Dampfmaschine befördert ununterbrochen die mit großen Steinen beladenen Lowries nach den Stellen, wo sie zur Untergrundmauer der Bahngleise verwendet werden sollen. [DN 7.2.1895]
   An dem Drahtseilbahnbau in L o s ch w i tz wird gegenwärtig, nachdem an Stelle der eisigen Witterung eine etwas mildere getreten ist, flott gearbeitet und schreitet dieselbe rüstig vorwärts. Tagtäglich treffen hier zahlreiche Personen ein, welche das interessante Schauspiel eines Drahtseilbaues in Augenschein nehmen. [DN 22.2.1895]
   Trotzdem die Arbeiten am D r a h t s e i l b a h n b a u in L o s ch w i tz unter der Ungunst der Witterung sehr zu leiden hatten, hofft man doch, die Bahn bereits Ende Mai eröffnen zu können. [DN 11.3.1895]

   Die Arbeiten an der Wasserleitung in L o s ch w i tz, welche besonders den hochgelegenen Ortstheil Oberloschwitz versorgen soll, schreiten rüstig vorwärts. Sowohl die Legung der Röhren auf der Bautzner Straße, als auch der Bau des Reservoirs beim Gasthofe Weißer Adler dürfte Ende Mai beendet sein. Dann müssen noch in dem Brunnenhause an der Elbe starke Maschinen eingestellt, werden, welche ähnlich wie beim Dresdner Wasserwerke das gehobene Wasser nach dem ca. 200 Kbm. fassenden Reservoir treiben. Der Weiße Hirsch hat seine eigene Wasserleitung, deren Reservoir auf Bühlauer Flur liegt. [DN 20.4.1895]

   Die Deutsche Straßenbahngesellschaft beabsichtigt auf der Endstation L o s ch w i tz eine Wartehalle aufzustellen, wodurch ein schon lange vom Publikum ersehnter Wunsch seiner Erfüllung entgegengeht. [DN 28.4.1895]

   Beim Drahtseilbahnbau zu L o s ch w i tz konnte sich vorgestern Abend ein schwerer Unglücksfall ereignen. Beim Ausschachten des großen Tunnels wurden vorgestern Abend in der 11. Stunde durch plötzliches Hereinbrechen großer Sandmengen zwei an dieser Stelle beschäftigte Arbeiter verschüttet. Dieselben wurden jedoch noch rechtzeitig durch die Umsicht und Hilfeleistung des die Arbeiten leitenden Technikers sowie einiger in der Nähe thätiger Arbeiter aus ihrer gefährlichen Lage nach einstündigem Bemühen befreit. Während der Eine der Verschütteten mit dem blosen Schrecken davonkam, erlitt der Andere mehrere schwere Verletzungen an Kopf, Brust und Beinen. [DN 17.5.1895]
   Wieder konnte beim D r a h t s e i l b a h n b a u zu L o s ch w i tz ein größeres Unglück mit unübersehbaren Folgen passiren. Gestern Morgen in der 8. Stunde stürzte von einer 4 Meter hohen Futtermauer ein Theil in der Länge von ca. 10 Meter hinter dem an der Grundstraße gelegenen Herrmann'schen Grundstück plötzlich ein. Ursache soll die Verwendung einer bereits vorhanden gewesenen Mauer sein. Verletzungen und größere Beschädigungen sind durch diesen Einsturz nicht entstanden. [DN 8.6.1895]

   Die heutige Nummer dieses Blattes enthält eine Sonderbeilage für Dresden und Umgebung betr. Prospekt vom D r e s d n e r  F u h r w e s e n, Inhaber Oswald Hofmann, hier. --- Die O m n i b u s f a h r t e n nach "W e i ß e r  H i s ch" sind nach diesem Prospekt seit Kurzem ermäßigt worden. Unter Benutzung der Straßenbahnwagen sowohl von der Linie R e i ch s st r a ß e als vom P o st p l a tz über das Waldschlößchen kostet die Fahrt jetzt nur noch 40 Pfg., vom Waldschlößchen ab 25 Pfg.. Die Omnibusse von letztgenannter Station nach Weißer Hirsch verkehren täglich 24 Mal hin und zurück. Bei schönem Wetter werden Nachmittags von halb 3 Uhr ab nach Bedarf auch Extrawagen eingelegt. Ferner werden 4 Fahrten bis Bühlau ausgedehnt, ohne daß eine Erhöhung des Fahrpreises eintritt. [DN 9.6.1895]

   Wir werden um Aufnahme des Folgenden ersucht: "Die in der Nacht zum 7. d. M eingestürzte alte Futtermauer hatte eine Höhe von 2,5 Mtr. und eine Länge von 8 Mtr.. Sie steht in k e i n e r l e i Beziehung zu den für die D r a h t s e i l b a h n eforderlichen, in vollem Umfange solide ausgeführten Bauten und kann auf diese nicht im Geringsten nachtheilig einwirken. Ursache ist lediglich die allgemein übliche schlechte Ausführung derartiger Mauern von Privaten, ohne jeglichen Mörtelverband, deren Einsturz im hiesigen Gebirge sich wohl sehr oft ereignet, ohne daß darüber in Zeitungen irgend Etwas zu lesen ist. Loschwitz den 10. Juni. Hochachtungsvoll! Die Bauleitung der Drahtseilbahn." [DN 12.6.1895]
   Aus L o s ch w i tz schreibt der "Elbthalbote": Am Montag wurde das zur hiesigen Drahtseilbahn gehörige Maschinenhaus gehoben, aber einen Hebeschmaus, welchen die dabei beschäftigten Arbeiter erwartet hatten, gab es nicht, infolgedessen aber etwas lange Gesichter. Hoffnung läßt aber nie zu Schanden werden und daher nimmt man in den betreffenden Arbeiterkreisen an, daß die Schmausgeschichte bei der Eröffnung der Bahn wird nachgeholt werden. --- Der Bahnbau ist nunmehr seiner Vollendung nahe: Schienen und Schwellen sind bereits gelegt und am Sandweg wird die letzte Brücke montirt. Das Seil soll auch bereits hier eingetroffen sein. Demnach wird man doch noch im Laufe dieses Sommers mit der Drahtseilbahn eine Rutschpartie von hier nach Weißer Hirsch unternehmen können. [DN 19.7.1895]
   Die D r a h t s e i l b a h n von Loschwitz nach Weißer Hirsch soll, wie von fachmännischen Personen verlautet, Mitte September dem Verkehr übergeben werden. --- Am Sonnabend wird die Hebefeier des neuerbauten Loschwitzer Wasserwerkes in Gegenwart des Gemeinderathes stattfinden. Das Wasserwerk wird voraussichtlich Anfang September in Betrieb kommen. [DN 26.7.1895]

   Weithin vernehmbare Böllerschüsse verkündeten gestern Nachmittag die in Gegenwart des Gemeinderathes etc. vollzogene Hebefeier des neuerbauten L o s ch w i tz e r Wasserwerkes. [DN 28.7.1895]

   W e i ß e r  H i r s ch. Das Gesuch um Concession der e l e k t r i s ch e n  B a h n l i n i e: Waldschlößchen-Weißer Hirsch-Bühlau liegt bereits den Ministerien vor. Der Bau beginnt sofort nach Eintreffen der Genehmigung. [DN 1.8.1895]

   Die Arbeiten am D r a h t s e i l b a h n - B a u Loschwitz-Weißer Hirsch schreiten rüstig fort, sodaß die Eröffnung des Betriebs in 4 bis 6 Wochen zu erhoffen sein dürfte. Um dieselbe Zeit und zwar spätestens am 15. September soll auch das Wasserwerk in Loschwitz in Betrieb gesetzt werden. [DN 13.8.1895]

   Spätestens am 15. September soll das Wasserwerk in L o s ch w i tz in Betrieb gesetzt werden. Die Gebäude der Pumpstation sind nach Ueberwindung ganz außergewöhnlicher Schwierigkeiten, welche die Lage der Baustelle am steilen Berge und der vorhandene Laufsand mit sich gebracht haben, endlich fertiggestellt und in diesen Tagen wird die äußere Rüstung vollständig verschwinden. Es sind nur noch die Pumpenschächte auszumauern, auf welche die Maschinenlager aufgebaut werden. [DN 15.8.1895]

   Am Sonntag soll das an der Endstation der neuen Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch von Herrn Ernst Friebel erbaute B e r g r e st a u r a n t und H o t e l  L u i s e n h o f dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Dieses schmucke Etablissement ruht auf einem der reizendsten Aussichtspunkte nach dem Elbthal, der sächsischen Schweiz und dem Erzgebirgskamm. (Die Parterreräume und Terrassen des Restaurants liegen 650 Fuß über dem nahen Elbspiegel und der massiv aus Sandstein aufgemauerte Aussichtsthurm mit Plattform für 20 Personen erhebt sich noch 65 Fuß über den malerischen Bergrand, auf dem das Hotel steht.) In der Person des Herrn Hermann Pötzsch ist ein gewandter und in jeder Beziehung tüchtiger Wirth gewonnen worden, der sich die Pflege bester Biere, als 1. Kulmbacher Aktien etc., angelegen sein läßt. Bis zur Eröffnung des Betriebes der Drahtseilbahn, welche schon Mitte des nächsten Monats erfolgen soll, führen die kürzesten Wege dahin von Loschwitz auf dem Plattleithenweg und von Weißer Hirsch auf dem Loschwitzer Wege. [DN 15.8.1895]

   Als im November vergangenen Jahres der Bau der Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch in Angriff genommen wurde, glaubte man, den Betrieb derselben zu Beginn des Sommers aufnehmen zu können. Die ungünstigen Witterungsverhältnisse während des langen Winters und mehrere unvorhergesehene bauliche Schwierigkeiten, hervorgerufen durch die Beschaffenheit des theils felsigen, theils sandigen Untergrundes etc., haben die Fertigstellung verzögert. Durch die erwähnten Schwierigkeiten haben sich auch die veranschlagten Baukosten nahezu verdoppelt und dürften gegen 800,000 M. betragen. Ausgeführt wurden die Arbeiten von dem Baumunternehmer Berndt und dem Baumeister Mirus im Auftrage der "Vereinigten Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft" in Berlin. Was an Eisentheilen nöthig war, lieferte die Firma Kelle u. Hildebrandt, während die Lieferung der Kessel und Maschinen  der Schiffswerft "Kette" in Uebigau, des Drahtseiles der Firma Felten und Guillaume in Mühlheim, der Wagen der Breslauer Aktiengesellschaft für Wagonbau in Auftrag gegeben wurde. Die beiden Maschinen sind auf dem oberen Plateau der Anlage in der Nähe der Station aufgestellt. Die Linie ist eingleisig und hat 1 Mtr. Spurweite. In der Mitte der Strecke ist eine über 80 Mtr. lange Weiche angebaut. Die Sicherheitsmaßregeln bei einem etwaigen Seilbruche sind auf's Beste getroffen, sodaß ein Unfall nach menschlicher Berechnung ausgeschlossen bleibt, da außer den selbstthätigen Zangenbremsen auch Handbremsen in Thätigkeit gesetzt werden können, welche im Verein mit den ersteren den Wagen beinahe augenblicklich zum Stillstand zwingen. Das schwierigste Stück aber bildete der untere Tunnelbau, welcher in eine Länge von 85 Mtr. den Burgberg durchschneidet. Dort mußte mit der größten Vorsicht gearbeitet werden, weil der Schiebesand vielfach in Bewegung kam und zahlreiche Abstützungen nöthig machte. [DN 17.8.1895]
   Laut Mittheilung der Direktion soll die landespolizeiliche Abnahme der D r a h t s e i l b a h n  "L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch" Ende dieses Monats stattfinden und ist die Betriebseröffnung für Anfang nächsten Monats in Aussicht genommen. Die Annahme, die Betriebseröffnung werde bis zum Frühjahr verschoben, beruth auf Irrthum. [DN 22.9.1895]
   Die für die Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch bestimmten Wagen sind bereits eingetroffen. Die Form entspricht der ziemlich beträchtlichen Steigung der Bahn und es sind demnach die Wagen schräg gebaut, wie man das von anderen Bergbahnen kennt. Die Schutzvorrichtungen, welche bei etwa eintretendem Bruch des Drahtseiles in Thätigkeit treten, rufen selbst bei dem besichtigenden Laien ein Gefühl absoluter Sicherheit hervor. Am linksseitigen Hinterrad befinden sich zwei gußeiserne starke zangenartige Fangzeuge (Krampen), welche sich durch Umdrehen eines Handrades auf der Plattform im Nu um die Schienenkrone legen und das Fahrzeug augenblicklich zum Stillstand bringen. Eine solche Zange befindet sich auch am Vorderrad. Während diese Räder in Dervolitanschen? auf den Schien laufen, sind die an der anderen Seite des Wagens befindlichen Räder ohne jegliche Vorrichtung zum Umfassen der Schienenkrone belassen worden, doch sind hier an der Innenseite verstellbare Zahnräder angebracht, welche ebenfalls durch Hebel in die führende Zahnstange (zwischen dem Gleis) aus- und eingerückt werden können. Erbaut sind die Wagen in der Breslauer Fabrik für Eisenbahnwagenbau (Aktiengesellschaft). Die letzten drei Wagen der Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch gingen gestern im Centralbahnhofe ein und wurden gleich den am Montage durch das Rollfuhrgeschäft von Winkler nach dem künftigen Wirkungskreise überführten Wagen von den Zuschauern ob der sonderbaren Bauart angestaunt. Mit diesen drei Wagen ist vermutlich der Fuhrpark der Bahn nun vervollständigt, sodaß die Betriebseröffnung, welche so sehnlichst von den Umwohnern gewünscht wird, erfolgen könnte. An Farbe gleichen diese Wagen denen der Dresdner Straßenbahn (gelbe Linie). [DN 25.9.1895]
   Am 30. d. M. soll die behördliche Prüfung der Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch stattfinden. Wenn dieselbe keinen Anstand ergiebt, dürfte der Betrieb am 1. Oktober eröffnet werde. [DN 26.9.1895]
   Die Probefahrt auf der Drahtseilbahn L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch, die heute erfolgen sollte, ist noch auf einige Tage verschoben worden, da die Prüfungskommission die Bahn noch nicht befahren hat und die ministerielle Genehmigung noch aussteht. Dieselbe dürfte indeß in kurzer Zeit erfolgen. Sicherlich ist es mit Freuden zu begrüßen, daß für die Sicherheit nach jeder Richtung hin bestens gesorgt wird. [DN 1.10.1895]
   Gestern Vormittag 8 Uhr ist die landespolizeiliche Abnahme der D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch durch die Regierungsvertreter erfolgt. Die Probefahrt entsprach vollständig den gestellten Erwartungen und ging ruhig und sicher von Statten. Es wurden die vorhandenen 4 Personenwagen in Betrieb gesetzt und je 2 Wagen aneinandergekuppelt, und fuhren dieselben die Gesammtstrecke in ca. 10 Minuten auf und ab. Ein Personenwagen hat ein Gewicht von 103 Ctrn., während ein Lasttransportwagen 120 Ctr. wiegt. Bei den auf der freien Strecke in voller Fahrt vorgenommenen Bremsversuchen hat sich ergeben, daß durch die Bedienung auch nur einer Bremse, deren sich an jedem Wagen drei befinden, der Zug sofort zum Stehen gebracht wurde. Aber auch ohne Anwendung irgend einer Bremse wurde der Zug auf gegebenes elektrisches Signal durch die Maschine augenblicklich angehalten. Nunmehr wird nach Beseitigung eines kleinen Anstandes (2 Cmtr. zu hohes Schutzdach des Güterwagens) durch mehrtägigen Probebetrieb das Personal noch eingeübt und darauf die Betriebseröffnung der Bahn erfolgen. --- Das Beamtenpersonal besteht aus einem Direktor und 4 Schaffnern. Letztere tragen graue Uniform, grün paspoilirt, und haben am Rockkragen je zur Seite ein silbernes Flugrad. Die Uniform sieht der des Fahrpersonals der Dresdner Straßenbahn sehr ähnlich. [DN 12.10.1895]
   Auf der D r a h t s e i l b a h n Loschwitz-Weißer Hirsch, deren Betriebseröffnung Ende dieser Woche erfolgen wird, finden bereits täglich Probefahrten statt, wobei eine Anzahl Personen unentgeltlich befördert werden. Der Zweck dieser Fahrten ist, die dienstthuenden Schaffner mit der Ausgabe und Buchung der Fahrscheine vertraut zu machen. Der Preis der Auffahrt (blaue Billets) wird 30 Pfennige, der Abfahrt (rothe Billets) 10 Pfennige betragen. Doch sollen auch Zeit- und Familienkarten eingeführt werden. [DN 23.10.1895]
   Die D r a h t s e i l b a h n von L o s ch w i tz nach W e i ß e r  H i r s ch wird heute Mittag endgiltig e r ö f f n e t und dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Auffahrtspreise werden wie schon angegeben, 30 Pfg. pro Person und die Abfahrtspreise 10 Pfg. pro Person betragen. Hoffentlich trifft auch hier das Sprichwort zu: "Was lange währt, wird gut!" [DN 26.10.1895]
   Die D r a h t s e i l b a h n  L o s ch w i tz - W e i ß e r  H i r s ch, deren offizielle Einweihung erst nächsten Dienstag stattfindet, wurde gestern Nachmittag 1 Uhr 20 Min. ohne Sang, Klang und Drang dem Publikum zur Benutzung übergeben. Der aus zwei Wagen mit je 4 Abtheilungen bestehende erste Zug legte die Strecke bergan in der fahrplanmäßigen Zeit von 4 Minuten zurück, während die Thalfahrt 8 Minuten beanspruchte, weil auf halber Strecke gehalten werden mußte, um das schlaff gewordene Seil erst wieder in die Glitrolle zu bringen. Die Wagen zeichnen sich übrigens durch einen angenehm ruhigen Gang aus und sind im Nothfalle vermöge der minutiös wirkenden Bremsvorrichtung selbst auf der steilsten Strecke augenblicklich zum Stillstand zu bringen. Eine besondere Einrichtung an den Stationen besteht darin, daß man stets an einem Treppenabsatze ein- und auszusteigen hat. Zum Uebelstand aber wird diese Einrichtung, wenn, wie es gestern passirte, der Wagen nicht genau so stehen bleibt, daß sämmtliche Thüren mit den Treppenabsätzen korrespondiren. In diesem Falle können die Thüren, der Treppenstufen wegen, überhaupt nicht geöffnet werden und muß dem Maschinenmeister erst ein telegraphisches Signal gegeben werden, damit er das Seil entsprechend nachläßt. [DN 27.10.1895]
   Gestern Nachmittag fand unter zahlreicher Betheiligung die offizielle Einweihung der D r a h t s e i l b a h n Loschitz-Weißer Hirsch statt, aus welchem Anlaß beide Stationen reichen Flaggenschmuck angelegt hatten. Die Vereinigte Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft zu Berlin, welche das Unternehmen als erstes seiner Art in unserem engeren Vaterlande in's Leben rief, war durch Herrn Aufssichtsrath Geh. Rath Rock und Herrn Eisenbahndirektor Ströhler vertreten. Als Vertreter der hiesigen Behörden waren erschienen die Herren Kreishauptmann Schmiedel, Amtshauptmann Geh. Reg.-Rath v. Thielau, Oberpostdirektor Halke, Bürgermeister Leupold, Polizeirath Dr. Hübel, Handels- und Gewerbekammerpräsident Kommerzienrath Hultzsch, Ober-Finanzrath Schreiner in Vertretung der Generaldirektion der Königl. Sächs. Staatseisenbahnen, Regierungsrath Gewerbe-Inspektor Siebdrath, Linien-Commissar Viehweg von der Ing.-Abtheilung, Stadtverordneten Kändler, Bober und Clausen, die Gemeinderäthe von Loschwitz, Blasewitz und Weißer Hirsch. Die Sächs.-Böhm. Dampschifffahrts-Gesellschaft war durch Herrn Direktor Kuchenbuch, die beiden hiesigen Straßenbahn-Gesellschaften durch ihre Direktoren Herren Claus und Stößner vertreten. Die Auffahrt erfolgte kurz nach 12 Uhr in zwei bekränzten Wagen, welche bei der Ankunft an Station Louisenhof mit Musik und Böllerschüssen empfangen wurden. Nachdem man unter Führung der Herren Verwaltungsbeamten den Maschinenraum besichtigt, vereinigte ein trefflich zubereitetes Frühstück die Erschienenen in den freundlichen Räumen des "Louisenhofes". Die Reihe der zahlreichen Trinkssprüche eröffnete Herr Geh. Rath Rock-Berlin, indem derselbe Se. Majestät den Kaiser als Schirmherr des Friedens und Se. Majestät den König Albert als Förderer der Werke des Friedens, der Industrie, des Handels, Verkehrs u. s. w. feierte und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf beide Majestäten schloß. Herr Direktor Ströhler hob hervor, mit welchen Schwierigkeiten gerade dieses Unternehmen, die erste Drahtseilbahn der Welt mit Güterbeförderung, zu kämpfen gehabt, und daß man das Zustandekommen dieses einzig dastehenden Werkes nur dem besonderen Entgegenkommen der sächsischen Behörden zu danken habe, denen er hiermit ein Hoch widme. Herr Kreishaupmann Schmiedel dankte Namens der Behörden, indem er betonte, daß man Höhen und Tiefen zwar nicht beseitigen, aber verbinden könne, und dies sei hier zu Nutz und Frommen der betheiligten Ortschaften in bestern Weise geschehen. Er leere darum sein Glas in der Hoffnung, daß die Bahn recht eifrig benutzt werden möge, mit einem Hoch auf Direktorium und Aufsichtsrath. Herr Baumeister Mirus feierte in poetischer Form die Verdienste der Techniker und Ingenieure. Herr Gemeindevorstand Weigert-Loschwitz leerte sein Glas auf das Gedeihen der Drahtseilbahn und das Wohl ihrer Erbauer. Herr Finanzrath Schreiner widmete der Gesellschaft seinen Glückwunsch in Vertretung der Generaldirektion der Königl. Sächs. Staatsbahnen. Herr Amtshauptmann v. Thielau toastete in humoristischer Weise auf das freundnachbarliche Loschwitz-Oben und Loschwitz-Unten, während Herr Dr. Lahmann der Gesellschaft den Dank der Gemeinde Weißer Hirsch ausdrückte. Herr Geh. Rath Rock ergriff nochmals das Wort, um mit dem Motto "Dem Verdienste seine Krone" Herrn Direktor Ströhter, der täglich 25 Stunden arbeite, ein Hoch zu widmen. Herr Bankier Bekrun begrüßte im Namen der Sächs.-Böhm. Dampfschiffahrts-Gesellschaft die Drahtseilbahn als Kollegin und Herr Direktor Clauß im Namen der beiden Straßenbahnen als jüngste Schwester bez. Cousine. Des Weiteren toastete Herr Direktor Ströhler auf die bei dem Bau betheiligten Personen und Firmen, Herr Handels- und Gewerbekammerpräsident Hultzsch auf das Gedeihen der betheiligten Gemeinden Loschwitz und Weißer Hirsch, während Herr Stadtverordneter Kändler im Namen der Dresdner Bürgerschaft seinen Glückwunsch zur glücklichen Vollendung des Werkes darbrachte. Zum Bau der Bahn selbst ist noch das Folgende zu bemerken: Der Höhenunterschied zwischen der Abgangsstation am Körnerplatz-Loschwitz und der oberen Station an der Prinzeß-Louisenstraße in Ober-Loschwitz beträgt 98,4 Meter bei einer Gesammtlänge der Fahrstrecke von 570 Metern, welche mit 18 Gefällbrüchen zwischen 1 : 10 bis 1 : 3,33 überwunden wird. Die Bahn führt an der steilabfallenden Lehne zwischen Plattleithe und der Grundstraße in Loschwitz entlang unter Einlegung von 5 Bogen von 120 bis 150 Meter Halbmesser und beanspruchte zur Ueberwindung der Terrainschwierigkeiten 2 Tunnel von 85 bez. 50 Meter und 1 Viadukt von 102 Meter Länge, sowie 2 gesonderte Bahnüberführungen. Die ganze Ausführung ist vom technischen Standpunkte aus als eine äußerst solide zu bezeichnen. Für die Sicherheit ist in ausgiebigster Weise durch Bremsen nach dem bereits in anderen Ländern erprobten System Bucher und Dürer Sorge getragen. Der Zug kann auf ein einfaches elektrisches Signal, welches jeder Schaffner vom Wagen aus durch Berühren der seitlich angebrachten Telephondrähte mittelst eines Metallstabes zu geben in der Lage ist, vom Maschinisten innerhalb einer Sekunde ohne Anwendung irgend einer Bremse zum Stehen gebracht werden, während bei Eintritt unvorhergesehener Zufälle ein System von Wagenbremsen derartig selbsthätig wirkt, daß ein Abgleiten des Wagens zur Unmöglichkeit wird. Außerdem kann sich der Schaffner unterwegs jeden Augenblick mit den Stationen sowohl als auch mit dem zweiten Zuge telephonisch in Verbindung setzen. Die Fahrgeschwindigkeit ist seitens der Staatsregierung mit 2 1/2 Meter pro Sekunde gestattet, bei welchem Tempo eine Thal- und Bergfahrt 4 Minuten beansprucht, so daß bei regem Verkehr in den Sommermonaten einschließlich des Aufenthalts auf den Stationen bequem pro Stunde 6 Züge zu Thal und Berg abgelassen werden können. Geplant ist, an den Wochentagen je einen Personen- und Güterwagen, dagegen an Sonn- und Feiertagen je 2 Personenwagen mit jedem Zuge laufen zu lassen, so daß in den Wochtagen 192 und an Sonn- und Festtagen bis zu 448 Personen pro Stunde Beförderung finden können. Die Oberleitung des Baues führte Herr Ingenieur Urbahn, während bei der Ausführung selbst die Herren Eisenbahnbauunternehmer Berndt und Baumeister Mirus aus Dresden für die Tief-, Hoch- und Oberbauten, die Firma Kelle und Hildebrandt für die Eisenkonstruktionen, die deutsche Elbschifffahrts-Gesellschaft "Kette" für Lieferung der Maschinen, Kessel und Streckeneinrichtungen zur Führung des Drahtseiles und Herr Elektrotechniker Winkler für die Signal- und Sprechanlagen sowie die elektrische Beleuchtung thätig waren. Die Wagen lieferte die Aktien-Gesellschaft für Eisenbahnwagenbau in Breslau, die Schienen die Aktien-Gesellschaft "Phönix" in Ruhrort a. Rh. und das Drahtseil die Firma Felten und Guilleaume in Mühlheim a. Rh.. [DN 30.10.1895]
   In der vorgestrigen Sitzung des G e w e r b e v e r e i n s machte Herr Oberingnieur Urbahn interessante Mittheilungen über die L o s ch w i tz e r  D r a h t s e i l b a h n, welche von der Berliner Vereinigten Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft nach einem Stößel'schen Projekte ausgeführt wurde. Mancherlei Terrainhindernisse, insbesondere die Schwierigkeit des Tunnelbaues im leichten Sande, verzögerten die Fertigstellung des nunmehr dem Verkehr übergebenen Werkes in ganz erheblicher Weise. Man ist aber dabei so sorgfältig und gewissenhaft zu Werke gegangen, daß das Publikum keine Gefahr für seine Sicherheit zu befürchten braucht. Die Gesammtlänge der Bahn beträgt 582 Meter und da sich die Höhe des Endpunktes auf 98 Meter beläuft, so kommen auf 100 Meter Strecke durchschnittlich 17 Meter Steigung. Die wirkliche Steigung schwankt zwischen 10 und 30 Meter. Dampfmaschinen befördern die Wagen nach oben und unten, durch Bremsen und Signale ist für größtmögliche Sicherheit gesorgt. Die Schnelligkeit ist mit Genehmigung des Ministeriums auf 2 1/2 Meter per Sekunde festgesetzt, so daß der ganze Weg in etwa 4 Minuten zurückgelegt werden kann. Herr Oberingenieur Riedel theilte dann noch Einiges über das Seil und die Konstruktion der Maschinen mit, eine große Anzahl von Plänen und Zeichnungen diente zur Veranschaulichung des Gesagten. --- Einen seiner glänzendsten Recitationsabende hielt darauf Herr Prof. A. Strakosch aus Wien, indem er zuerst die große Reichstagsscene aus Schiller's "Demetrius" sprach, eine weniger bekannte Ballade von E. Geibel: "Der reiche Mann von Köln", Scenen aus Shakespeare's "König Lear" und H. Heine's "Wallfahrt nach Kevlaar" vortrug. Der Altmeister deutscher Redekunst entfaltete auch hier sein nie versagendes Register aller Schattirungen der Sprache, vom zartesten, innigsten Gefühlsausdruck bis zum gewaltigsten Ausbruch der Leidenschaft sich steigernd. Meisterhaft war insbesondere die Charakteristik der slavischen Großen im "Demetrius", leibhaftig glaubte man den Prätendenten vor sich zu sehen, so klar und sprechend war die Individualität seiner Reden. Daß Herr Strakosch als Balladensprecher kaum seines Gleichen hat, das bewies der effektvolle Vortrag des Geibel'schen Gedichtes und wie gebannt zeigten sich die Zuhörer auch diesmal durch den Vortrag der "Wallfahrt nach Keplaar". Sehr geistvoll, originell und auf den echten, tragischen Ton gestimmt war die Auffassung des "Narren" im "König Lear". Der mächtige Beifall der Zuhörer zeigte, wie beliebt Herr Strakosch auch im hiesigen Gewerbeverein sich zu machen gewußt hat. [DN 30.10.1895]
   Noch nie hat es wohl in Loschwitz, am unteren wie am oberen Ende der D r a h t s e i l b a h n und auf den anliegenden Straßen des Weißen Hirsch so viel Leben gegeben, als am vorgestrigen Reformationsnachmittage. Der Andrang der Spaziergänger vor den Einfahrtspunkten der Wagen wollte bis gegen Abend, wo die elektrische Beleuchtung anziehend wirkte, kein Ende nehmen und die neue Prinzeß-Louisa-Straße in Ober-Loschwitz, sowie der Plattleitheweg erwiesen sich bald zu eng für den Verkehr. Daß übrigens die Bahn nur bis auf die Höhe, nicht in den Ort hinein und mindestens bis zur Bautznerstraße führt, wird allgemein für einen Mangel gehalten. [DN 2.11.1895]
   Der Verkehr auf der D r a h t s e i l b a h n Loschwitz-Weißer Hirsch war gestern, trotz des schlechten Wetters, ein sehr reger. Seit Eröffnung, den 26. Oktober bis zum 31. Oktober sind rund 9500 Personen befördert worden. Die stärksten Tage waren der Sonntag den 27. und Donnerstag, Reformationsfest den 31. Oktober. Am erstgenannten Tage fuhren rund 3000, am Reformationsfest 4000 Personen. Bekanntlich beträgt der Fahrpreis an Sonn- und Festtagen für die Auf und Rückfahrt nur 25 Pfg.. Infolge der Voreiligkeit eines Passagiers, welcher bei der Ankunft auf der Höhe ganz verbotswidrig eine Wagenthür öffnete, wurde dieselbe, da der Wagen noch einmal rückte, arg beschädigt. Die Fahrt dürfte dem Herrn theuer zu stehen gekommen sein. [DN 4.11.1895]

   L o s ch w i tz. 19. Nov. Gestern hat die Uebernahme des am 1. Oktober 1894 begonnen neuen Loschwitzer W a s s e r w e r k e s durch die Sachverständigen und den Gemeinderath in Gegenwart des Erbauers des Werkes, Herrn Ingenieur M. Hempel-Berlin, stattgefunden. Die seit länger als 14 Tagen in Betrieb befindlichen Pumpmaschinen haben deren volle Leistungsfähigkeit ergeben und die Probe zur vollsten Zufriedenheit bestanden, sodaß Loschwitz' Bewohner für die Zukunft zur Genüge mit gutem Trink- und Wirthschaftswasser versorgt sind. [DN 20.11.1895]

   B ü h l a u bei Weißer Hirsch. ... Bezüglich der nunmehr eröffneten Drahtseilbahn Loschwitz-Weißer Hirsch herrscht im Verein nur die eine Stimme, daß diese Verbindung  für unsere obere Hochplateaugegend in keiner Weise genügt. Es wird keinem Bühlauer, der schnell nach der Stadt will, in den Sinn kommen, erst nach der entlegenen Endstation der Drahtseilbahn zu laufen, um von da noch die 4 Minuten kurze Strecke per Bahn zurückzulegen, weil er nämlich viel schneller und billiger durch die Grundstraße an sein Ziel gelangt. --- Sonach ist unser Sehnen nach besserer Verbindung mit der Residenz genau noch in dem alten Stadium. Unsere allgemeine Ansicht und unser ganzes Wünschen geht dahin, daß eine elektrische Bahn vom Waldschlößchen nach dem Hochplateau, wie auch die Eisenbahnlinie Dresden-Dürrröhrsdorf gebaut werden. Nur beide Verkehrsmittel sind im Stande, die mehrfachen Wünsche des vorderen wie hinteren Hochplateau zu befrieden. Die elektrische Linie denken wir uns als Privatunternehmen, welches die Einwohnerschaft von Weißer Hirsch und Bühlau im Besonderen durch rasche und billige Personenbeförderung zu Gute kommt und die Staatsbahn hat mit diesem Personenverkehr, der durch die elektrische Bahn nur erhöht werden kann --- die Bewältigung des Fracht- und Lastenverkehrs --- Böhm. Kohlen, Holz, Steine etc. zu vermitteln; sicher aber wird auf dieser Linie ebenfalls bald ein reger Touristenverkehr nach den Höhen von Gönsdorf, Pillnitz und Dittersbach, wie auch nach der hinteren sächsischen und böhmischen Schweiz zu verzeichnen sein. Wenn mithin die oberen Gegenden eine Staatsbahn als größtes Bedürfniß bezeichnen, so liegt es bei uns in der Natur der Sache, daß wir einer elektrischen Bahn den Vorzug geben. Das dürfte schon daraus erhellen, weil eine Eisenbahn mit Sekundärbetrieb in jeder Richtung täglich 3, höchstens 4 Züge verkehren läßt; der Sommerbewohner oder Spaziergänger will aber unbedingt öfter hin- und herbefördert werden können. Wer im Sommer in Weißer Hirsch, Ober-Loschwitz, Bühlau wohnt, kann nicht daran denken, 2 Mal von dort nach der Stadt und zurück zu fahren, wenn nur eine Staatseisenbahn den Verkehr bewältigt. Mithin muß man beide Bahnen für nothwendig anerkennen und hoffentlich wird die hohe Staaatsregierung beiden Verkehrsmitteln Genehmigung ertheilen. Der Verein wuchs durch Neuaufnahmen auf 80 Mitglieder. --- Inzwischen wird uns mitgetheilt, daß die D r a h t s e i l b a h n durch eine anschließende elektrische Linie von der vereinigten Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft in Berlin doch noch w e i t e r g e b a u t wird. Bereits vor ca. 3 Wochen ist das Gesuch um Genehmigung der Konzession an die Königl. Ministerien eingereicht worden. Die neue Linie ist bereits abgesteckt und läuft über Weißer Hirsch die Bautznerstraße entlang bis nach dem Gasthof zu Bühlau. Die Gesellschaft beginnt sofort zu bauen, sowie die Genehmigung eintrifft und beabsichtigt, die elektrische Bahn im zeitigen Frühjahre bereits zu eröffnen. Der über alles Erwarten lebhafte Personenverkehr auf der Drahtseilbahn ist die Veranlassung, daß das neue Unternehmen so schnell zur Ausführung kommen soll. Sonntag vor 8 Tagen sind 6500 und am letzten Sonntag sogar 8000 Personen befördert worden. Solche Erfolge müssen natürlich zu schleunigem weiteren Ausbau Muth machen. Man kann den Bewohnern des Hochplateaus nur wünschen, daß dieser Weiterbau die Genehmigung erlangt, zudem die Preise für die Gesammtstrecke eine ganz bedeutende Ermäßigung finden sollen. [DN 21.11.1895]
   Man schreibt uns: Es hat auf dem Weißen Hirsch unliebsames Aufsehen erregt, daß die Petition zur Fortführung der Drahtseilbahn nach Bühlau sich mehrfach in starken Anfeindungen gegen das Projekt einer elektrischen Bahn vom Waldschlößchen nach Weißer Hirsch und Bühlau gefällt. Keinesfalls spricht sich in diesen Anfeindungen die Meinung der Bewohner beider Orte aus, denen am meisten durch Konzessionirung beider Bahnprojekte gedient wäre. Das ältere und einfachere ist das bereits am 3. Juli an die Königl. Amtshauptmannschaft abgegebene: eine elektrische Bahn vom Waldschlößchen aus. Dieses Projekt scheint auch den Interessen Dresdens am meisten zu entsprechen; da die Waldschlößchen-Straßenbahn künftig elektrisch betrieben wird, kann man vom Herzen der Stadt rasch und mit nur einmaligem Umsteigen auf die Hochebene des Weißen Hirsches gelangen. Die Stadt Dresden ist an einer guten Verbindung mit dieser Hochebene aus zwei Gründen lebhaft interessirt: einmal weil die auf der Schönfelder Hochebene gelegenen Dörfer den Bewohnern Dresdens gesunde Sommerquartire in reicher Anzahl bieten und sodann, weil diese Bewohner bei ihren Sonntagsausflügen dort ganz besonders gute und reine Luft finden. Diese Hochebene muß zu diesem Behufe leicht erreichbar sein; eine Eisenbahn mit Dampfbetrieb, die, etwa vom Schlesischen Bahnhof abgehend, hinaufführte, könnte diesen Zweck auch nicht annähernd erreichen. Der Schlesische Bahnhof ist viel zu entfernt; man muß vom Herzen der Stadt, vom Postplatz, über das Waldschlößchen hinweg elektrisch auf die Hochebene fahren können; man muß nicht in vielachsigen Dampfzügen, sondern mittelst elektrischer Wagen, höchstens mit Anhängewagen, fahren. Dann erst erfüllt die Verbindung ihren Zweck. [DN 10.12.1895]

   Der D r a h t s e i l b a h n s ch a f f n e r Große verunglückte gestern Nachmittag nach  halb 3 Uhr dadurch, indem er während der Fahrt Fahrt kurz vor der Tunnelausmündung der unteren Station vom Wagen sprang, um den Hund eines mitfahrenden Passagiers vom Gleise heraufzuholen. Bei dieser Gelegenheit ist Große unter den Wagen zu Fall gekommen und ca. 30 Meter fortgeschleift worden. Der thalfahrende Schaffner hörte das Hilfegeschrei und gab Haltesignal. Er wurde hierauf von den an der Ueberdachung beschäftigten Handwerkern durch Heben des Wagens aus seiner gefährlichen Situation entfernt, auf die Station gebracht und von hier aus nach der Wohnung mittelst Siechkorbes gebracht. Der hinzugezogene Arzt stellte schwere innere Verletzungen fest und ordnete die sofortige Ueberführung nach den Carolahause an. [DN 18.12.1895]

   L o s ch w i tz. Die Drahtseilbahn-Gesellschaft hat dem Publikum, ganz besonders dem des Hochplateaus, wieder eine recht anerkennenswerthe Neuerung geboten. Die Familien-Abonnementskarten, die anfänglich nur einen Monat Geltung hatten, können bis 15. März benutzt werden. Diese Karten berechtigen zu 20 Fahrten und stellen sich auf 2 M. 25 Pfg., mithin kostet eine Fahrt nur 11 1/4 Pfg.. Sie sind Sonn- und Wochentags benutzbar und können von ganzen Familien zugleich benutzt werden. Bemerkt sei, daß diese Karten aber nur an der oberen Station vom Bahnvorstand ausgehändigt werden. Der Verkehr auf der Drahtseilbahn übertrifft alle Erwartungen und war an den letzten Feiertagen äußerst lebhaft. Am Sonntag z. B. wurden 2600 Personen befördert. Man kann daraus schließen, was demnach erst die schönen Frühlings- und Sommermonate bringen werden. Alle Restaurants des Hochplateaus waren infolgedessen außerordentlich belebt. [DN 31.12.1895]

Nachtrag:
   In den Dresdner Nachrichten wurde auch über zwei Projekte einer Drahtseilbahn in der Hoflößnitz nach dem Spitzhaus und in Cossebaude berichtet:

   In der H o f l öß n i tz ist die Errichtung einer Drahtseil- bez. Zahnrad-Bahn und Umwandlung des Grundstückes zu einem Aussichts- und Erholungspunkt ersten Ranges geplant. [DN 21.6.1891]
  Nach den Plänen des Herrn Baumeister Gustav Weiß-Dresden wird die projektirte D r a h t s e i l b a h n in der Hoflößnitz, die nach der Höhenlage Reichenberg-Moritzburg führen soll, bei einer Länge von ca. 500 Metern eine Steigung von über 100 Metern haben. Die Lage des großen Grundstücks sammt natürlichen Terrassen und Plateau ist außerordentlich günstig für architektonische Hochbauten. Die starken Wasserquellen ermöglichen voraussichtlich den Bahnbetrieb lediglich auf hydraulischem Wege. Bei den außerordentlich günstigen Verkehrsverhältnissen und dem Umstand, daß die umliegende herrliche Landschaft schon seit Jahrhunderten ein Magnet für alle Naturfreunde ist, ist auf's Lebhafteste zu wünschen, daß dem allseitig mit Freuden begrüßten Unternehmen auch in finanzieller Beziehung dasjenige Interesse entgegengebracht wird, welches es ermöglicht, den Bauten ein der nahen Residenz würdiges Gepräge zu verleihen. [DN 12.7.1891]
   Wir brachten schon vor einiger Zeit eine kurze Notiz über das Projekt einer D r a h t s e i l b a h n, die der neue Besitzer der früher dem Staatsfiskus angehörenden H o f l ö ß n i tz, Herr Stelzner, herzustellen gedenkt. Dieselbe soll in einer Länge von etwas 500 M. die ungefähr 100 M. betragende Höhe erklimmen und wird demnach eine durchschnittliche Steigung von 1 : 5 haben. Da sich der Bau für's erste nur auf das innerhalb der Hoflößnitz befindliche Areal erstrecken soll, so hat man als Ausgangspunkt der herzustellenden Bahn eines der beiden am Fuße des Höhenzuges gelegenen Thore des Grundstücks in's Auge gefaßt; in der Nähe des auf der Bergeshöhe liegenden Spitzhauses, bei welchem das Besitzthum seine Grenze nach oben hin ziemlich erreicht, soll der Endpunkt der Bahn zu liegen kommen. Der Zweck des ganzen Unternehmens ist nicht bloß, den etwas beschwerlichen Aufstieg zu erleichtern resp. zu ersparen, sondern man hat zugleich Rücksicht genommen auf den Güter- und Lastverkehr zwischen Wahnsdorf, sowie der anderen auf der Höhe gelegenen banachbarten Dörfern und den Lößnitzortschaften, der ein sehr umständlicher ist, da man zur Zeit für den Fuhrwerksverkehr auf den steilen, durch den Lößnitzgrund führenden Fahrweg oder auf der zwar weniger abschüssigen, aber einen beträchtlichen Umweg machenden Landstraße über die Bahnwiese, oder für den Fußverkehr auch noch auf den beschwerlichen Treppenweg angewiesen ist, die Drahtseilbahn wird also neben Personenwagen auch einige Güterwagen befördern. Der Besitzer der Hof-Lößnitz hat im Verein mit dieser Bahnanlage zugleich die Absicht, sowohl in dem am Fuße des Berges gelegenen "Herrenhaus", wie auch in dem auf der Höhe befindlichen "Spitzhause" eine Restauration resp. Konditorei einzurichten. Der Bau der Bahn soll, sobald die ersten erforderlichen Genehmigungen ertheilt worden sind, vielleicht schon im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres in Angriff genommen werden. [DN 26.7.1891]

   C o s s e b a u d e. Dieser Tage wurde unser Ort in die freudigste Aufregung versetzt. Es wird endlich wieder Ernst mit dem Baue einer D r a h t s e i l b a h n  "L i e b e n e c k e" - O st e r b e r g, wozu schon im Jahre 1887 die zuständige Behörde die Genehmigung ertheilte. Damals scheiterte das Bahnprojekt an dem Zusammenbruch der Leipziger Diskonto-Gesellschaft. Ein Berliner Haus hat jetzt das Grundkapital gezeichnet, das hierzu nöthige Bauland ist bereits durch Herrn Civilingenieur Kitzler angekauft worden, und die Genehmigung der Baukonzession seitens des Ministeriums steht in Kürze zu erwarten. Diese Drahtseilbahn geht in dem romantischen Grunde am Thal-Restaurant aufwärts in einer Thalmulde unter schattigen Obstbäumen bis dicht heran an "Liebenecke". Der Betrieb der Bahn wird in der Art vieler kleiner Bahnen in der Schweiz erfolgen. Der unten befindliche Wagen wird von dem herabfahrenden, welcher aus einem oben befindlichen Reservoir mit Wasser belastet wird, heraufgezogen. Der im Thale angelangte Wagen wird am Mühlbach vom Wasser entlastet, um mit neuen Passagiren besetzt von dem inzwischen oben belasteten Wahen emporgezogen zu werden. Die Wagen sollen 21 Personen fassen und 3 Minuten Fahrzeit haben. [DN 28.2.1895]

Bidnachweis:
[2] im Besitz des Verfassers

Quellennachweis:
[DN tt.mm.jjjj] Dresdner Nachrichten am tt.mm.jjjj
[] Andreas Laube, Dietmar Höse, Chronik der Schandauer Elektrischen Straßenbahn Band 1, Kapitel 7: Der Bahnbauingenieur Julius Ferdinand Kitzler und sein Einfluss auf das erste Straßenbahn-Projekt eines sächsischen Konsortiums zur Errichtung einer Pferdebahnlinie zwischen Schandau und dem Grossen Wasserfall von 1883 bzw. 1891 sowie die Idee zur Errichtung einer alternativen Petroleum-Motorbahn, Herausgabe und Vertrieb durch die Autoren 2019 Info
[] Claudia Elbert, Netzwerke, Claus Köpcke 1831 - 1911, Biographie eines Ingenieurs, KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2011 GoogleBooks
[] Landtags-Acten von den Jahren 1887/88. Berichte etc. der 2. Kammer. Zweiter Band. Nr. 113 bis mit 183 enthaltend. Dresden, Druck der Königl. Hofbuchdruckerei von C. C. Meinhold & Söhne. GoogleBooks

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